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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Olympias; Olympieion; Olympier; Olympiodoros; Olympische Spiele; Olympischer Fuß

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Olympias - Olympische Spiele.

Olympias, Tochter des Epirotenkönigs Neoptolemos aus dem Geschlecht des Achilleus, seit 357 v. Chr. Gemahlin des Königs Philipp von Makedonien, 356 Mutter Alexanders d. Gr., verband mit Schönheit und Verstand einen herrschsüchtigen Charakter. Als infolge eingetretener Mißverhältnisse Philipp sich von ihr getrennt und Kleopatra, des Attalos Nichte, zu seiner Gemahlin erhoben hatte, hetzte sie ihren Sohn gegen Philipp auf, trug zur Ermordung ihres frühern Gemahls 336 bei, ehrte das Andenken des Mörders und rächte sich grausam an der Kleopatra. Als Alexander nach Asien zog, bekämpfte sie den Reichsverweser Antipatros. Nach Alexanders Tod entfloh sie zwar nach Epirus, kehrte aber 319 zurück, um die Vormundschaft über ihren Enkel zu übernehmen, und opferte mehrere Mitglieder der königlichen Familie, wie den Stiefbruder und Nachfolger Alexanders, Arrhidäos, nebst seiner Gemahlin Eurydike, und andre vornehme Makedonier ihrer Rache. Kassandros, vom Volk zu Hilfe gerufen, schloß sie in Pydna ein und ließ sie, als sie sich, durch Hunger bezwungen, endlich ergab, 315 ermorden.

Olympieion, Tempel, s. Athen, S. 998.

Olympier, s. v. w. Olymposbewohner, speziell Beiname des Zeus.

Olympiodoros, Geschichtschreiber aus Theben in Ägypten, lebte am Hof des Honorius in der ersten Hälfte des 5. Jahrh. n. Chr. und schrieb in 22 Büchern in griechischer Sprache eine Geschichte des weströmischen Reichs von 407 bis 425, wovon sich in der "Bibliothek" des Photius ein Auszug findet.

Olympischer Fuß, die Maßeinheit der alten Griechen, = 0,3024 m.

Olympische Spiele, die berühmtesten unter den vier großen Festkampfspielen der alten Griechen, benannt nach ihrem durch sie geweihten Schauplatz, dem Thal Olympia (s. d.) in Elis, wo sie dem Zeus zu Ehren alle vier Jahre gefeiert wurden; die Blüte sowohl als der Haupthebel der fast ausschließlich auf den Wettkampf hinzielenden griechischen Gymnastik und zugleich der bestimmteste Ausdruck der nationalen Einheit der verschiedenen Stämme und zerstreuten Kolonien der Griechen. Ihre Gründung wurde früh an die Sagen von Zeus, Pelops und Herakles angeknüpft, ihre Neugestaltung in geschichtlicher Zeit auf den Eleer Iphitos zurückgeführt, welcher auch in Gemeinschaft mit dem spartanischen Gesetzgeber Lykurg (um 880 v. Chr.) den Gottesfrieden angeordnet haben soll, der zur Zeit der Feier, von elischen Herolden verkündet, für die Beteiligten in ganz Griechenland, für das olympische Gebiet aber dauernd gelten sollte. Seit 776, wo Koröbos im Wettlauf siegte, wurden die Namen der Sieger aufgezeichnet, weshalb später an dieses Jahr die Zählung der den vierjährigen Zeitraum von Fest zu Fest umfassenden Olympiaden anknüpfte. Die Blütezeit der Spiele ist das 6. Jahrh. und das 5. bis zum Peloponnesischen Krieg; aber auch später noch dauerten sie fort während aller Streitigkeiten der hellenischen Stämme und Bünde und selbst noch unter römischer Herrschaft. Suchten doch auch römische Kaiser, wie Nero, die Ehre des olympischen Kranzes. Die Feier fiel in die Vollmondszeit nach der Sommersonnenwende und wurde nach und nach von einem auf fünf Tage ausgedehnt, als zu dem einfachen, die Laufbahn des Stadion durchmessenden Wettlauf mehr und mehr andre Wettkämpfe hinzukamen, wie der Doppellauf, Dauerlauf, Waffenlauf, Ringkampf, Faustkampf, der aus Sprung, Speerwurf, Lauf, Diskoswurf und Ringen zusammengesetzte Fünfkampf (Pentathlon, vgl. über diese Kämpfe Gymnastik) und Kämpfe der Knaben; ferner die ritterliche Kämpfe des Wagenrennens mit Vier- und Zweigespannen, Reiterrennen und andre Wettleistungen wie die von Herolden und Trompetern. An diese Kämpfe schlossen sich Aufzüge und Festopfer an, welche die Vertreter von Staaten oder einzelne Sieger darbrachten, vor allen die von den Eleern dem Zeus als Hauptdankopfer geweihte Hekatombe. Zu den Kämpfen wurden nur freie, unbescholtene Hellenen, die sich eine bestimmte Zeit aus einem griechischen Gymnasion geübt hatten, zugelassen; dieselben hatten um die Reihenfolge zu losen und vor der Bildsäule des schwurhütenden Zeus sich eidlich zu ehrlichem Kampf zu verpflichten. Die Leitung des Festes stand bei den Eleern, deren angesehenste Männer als Hellanodiken (Hellenenrichter) die Kämpfe ordneten und die Beobachtung der Kampfgesetze überwachten, während als niedrige Festpolizei die Alyten dienten. Die Belohnung für den Sieger (Olympionikes) bestand aus einem Kranz, geflochten aus den Zweigen des heiligen wilden Ölbaums, die von einem Knaben, dessen beide Eltern noch lebten, mit goldenem Messer abgeschnitten wurden. Die Kränze waren im Tempel des Zeus zu den Füßen seines herrlichen Sitzbildes auf einem prächtigen Tisch zur Schau aufgestellt und wurden hier den Siegern von einem Hellanodiken auf das Haupt gesetzt, nachdem dasselbe zuvor mit einer wollenen Binde umwunden worden war. Zu dem Kranz wurde noch eine Palme gereicht, welche auf vielen antiken Statuen und Vasen mit erscheint. In den Wettkämpfen mit Wertpreisen kamen auch Preise zweiten und dritten Ranges vor. Bei der Bekränzung wurde des Siegers Name nebst dem seines Vaters und Vaterlandes durch den Herold ausgerufen. Die Sieger durften sich in dem heiligen Hain eine Statue setzen lassen, Siegesmahle wurden zu ihren Ehren gehalten, und die gefeierten Dichter, wie Simonides und Pindar, verherrlichen sie in Gesängen; galt doch ein olympischer Kranz den Hellenen als der Gipfel menschlicher Glückseligkeit. In ihrer Heimat wurden die Sieger in feierlichem Triumphzug eingeholt und ihnen Ehrenstatuen errichtet. In Athen wurden sie im Prytaneion gespeist, in Sparta durften sie in der Nähe des Königs kämpfen. Sie waren frei von allen Staatslasten und genossen sonst noch bedeutende Vorrechte. Als Zuschauer strömten zu den Olympischen Spielen die Hellenen aus allen griechischen Gauen und weit entlegenen Pflanzorten zusammen; die Zulassung des weiblichen Geschlechts dagegen zum Zuschauen war auf jeden Fall eine äußerst beschränkte. Besondern Glanz verliehen dem Feste die Gesandtschaften (Theorien), in denen die einzelnen Staaten ihre angesehensten Männer schickten. Wegen dieses in seiner Art einzigen Zusammenflusses entwickelte sich um diese Spiele nicht nur, wie natürlich, ein belebter Jahrmarkt mit Austausch der mannigfaltigsten Waren, sondern sie wurden auch benutzt zu allerlei Bekanntmachungen, und Dichter, Redner, auch bildende Künstler suchten vor so auserlesener Versammlung ihre Leistungen bekannt zu machen; auch von Herodot erzählt man ja, daß er Teile seines Geschichtswerks hier vorgelesen habe. Nachbildungen der Olympischen Spiele, gleichfalls Olympien genannt, entstanden sowohl in Athen als später in einer Reihe von hellenischen, besonders asiatischen Städten. Vgl. Krause, Olympia, oder Darstellung der großen Olympischen Spiele (Wien 1838); E. Curtius, Olympia (Berl. 1852); Bötticher, O., das Fest und seine Stätte (2. Aufl., das. 1886).