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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Orlowskij; Orme; Orme's Head; Ormesby; Ormonde

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Orlowskij - Ormonde.

Auftretens gegen die Türken nur wenig Vorteile für Rußland. Auf die Nachricht, daß Katharina Potemkin ihre Gunst zugewandt habe, eilte er rasch nach Petersburg; ehe er aber noch dort eintraf, erhielt er den Befehl, sich auf sein Schloß Gatschina zu begeben. Doch bedachte ihn die Kaiserin mit neuen bedeutenden Schenkungen an Bauern und barem Geld und überwies ihm bald darauf den Marmorpalast zu Petersburg. O. lebte fortan teils auf Reisen, teils in Moskau und verheiratete sich später mit seiner Nichte. Er starb 24. April 1783 in Geisteszerrüttung zu Moskau. Aus seiner Verbindung mit Katharina entsprang die noch blühende Familie der Grafen Bobrinskij.

2) Alexej, Bruder des vorigen, geb. 1737, ausgezeichnet durch gewaltige Gestalt und riesige Kraft, spielte bei der Thronrevolution von 1762 von allen seinen Brüdern die kühnste Rolle. Er holte Katharina II. aus Peterhof ab, rief dieselbe zur Kaiserin aus und erdrosselte eigenhändig den entthronten Peter III. in Ropscha, wofür er zum Generalleutnant, 1764 auch zum Kammerherrn und Präsidenten der Tutelkanzlei ernannt wurde. 1768 wurde er zum Admiral der ganzen russischen Flotte im Archipel ernannt. Sein glänzender Sieg bei Tschesme 2. Juli 1770 erwarb ihm den Beinamen Tschesmenskoi. Nach beendetem Krieg rückte er zum Oberbefehlshaber auf und erhielt bedeutende Schenkungen. Paul I. nahm an ihm und Barjatinskij, dem einzigen noch lebenden Mordgenossen, dadurch Rache, daß sie bei der feierlichen Abholung der Leiche Peters III. aus dem Alexander-Newskykloster das Bahrtuch tragen mußten und hierauf den Befehl erhielten, sich auf Reisen zu begeben. O. ging nach Deutschland und kehrte erst nach Pauls Tod nach Moskau zurück, wo er 5. Jan. 1809 starb.

3) Grigorij Wladimirowitsch, Neffe der vorigen, Sohn ihres jüngsten Bruders, Wladimir (gest. 1802), geb. 1777, seit 1812 Senator, beschäftigte sich mit Geschichte, Staatskunde und Litteratur und ward Mitglied der Akademien zu Petersburg und Neapel. Seiner Gesundheit wegen lebte er größtenteils im Ausland, namentlich in Paris. Er starb kinderlos 4. Juli 1826 in Petersburg. Seine "Mémoires historiques, politiques et littéraires de Naples" (mit Anmerkungen von Duval, 2. Aufl., Par. 1825, 5 Bde.) erschienen auch deutsch (Leipz. 1824). Außerdem schrieb er: "Histoire des arts en Italie" (Par. 1822, 4 Bde.) und "Voyage dans une partie de la France" (das. 1824, 3 Bde.). Mit ihm erlosch die legitime männliche Linie O.

4) Alexej Fedorowitsch, natürlicher Sohn des Fedor O., jüngern Bruders von O. 1) und 2), geb. 1787, zeichnete sich in den französischen Kriegen aus, ward Adjutant des Großfürsten Konstantin, dann Oberst und Kommandeur des Garderegiments zu Pferd. Am 26. Dez. 1825 trug seine Geistesgegenwart viel zur Dämpfung des Aufstandes der Garden bei, worauf er in den Grafenstand erhoben, zum Generaladjutanten ernannt wurde und das Kommando einer Kavalleriedivision erhielt, an deren Spitze er sich in dem türkischen Feldzug von 1828 auszeichnete. Nachdem er den Friedensvertrag von Adrianopel vom 14. Sept. 1829 abgeschlossen, ging er als außerordentlicher Botschafter nach Konstantinopel. 1833 erschien er als Oberbefehlshaber der am Bosporus gelandeten russischen Truppen von neuem in Konstantinopel und bewog den Sultan, den Vertrag von Hunkjar Skelessi zu unterzeichnet. Bald darauf ward er General der Kavallerie und Mitglied des Reichsrats, und 1844 erhielt er das Oberkommando des Gendarmenkorps und die Leitung der geheimen Polizei. Er begleitete den Kaiser Nikolaus auf allen seinen Reisen. Seine Sendung nach Wien 1854, um Österreich für die russische Politik zu gewinnen, war erfolglos. Am Friedenskongreß zu Paris 1856 wirkte er mit Erfolg als russischer Bevollmächtigter, ward hierauf zum Präsidenten des Reichs- und Ministerrat und 7. Sept. 1856 in den Fürstenstand erhoben. Nachdem er den ihm 1858 übertragenen Vorsitz im Leibeigenschaftskomitee niedergelegt, starb er 21. Mai 1861 in Petersburg.

5) Nikolai Alexejewitsch, Fürst, einziger Sohn des vorigen, geb. 1820, trat zuerst in die Armee, dann, nachdem er 1854 bei der Belagerung von Silistria eine besondere Tapferkeit bewiesen, aber auch ein Auge sowie einen Arm eingebüßt hatte, in den diplomatischen Dienst und wurde 1860 Gesandter in Brüssel, 1870 kurze Zeit in Wien. 1872-80 war er Botschafter in Paris, dann in Berlin und starb 29. März 1885 in Fontainebleau. Auch als militärischer Schriftsteller hat er sich versucht mit einer russisch geschriebenen "Geschichte des preußischen Kriegs von 1806" (Petersb. 1856).

Orlowskij, Boris Iwanowitsch, russ. Bildhauer, geb. 1793, besuchte die Petersburger Akademie der Künste, wo er besonders den Unterricht des Rektors Martos und des Professors Pimenow genoß, und schuf schon damals eine große Zahl trefflicher Modelle zu Büsten und Statuen und Skizzen aller Art, worunter sich besonders das Modell einer kolossalen Büste des Kaisers Alexander I. auszeichnete. Als kaiserlicher Pensionär nach Italien geschickt, hatte er hier noch Thorwaldsen zum Lehrer. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland ward er Professor der Skulptur an der Akademie der Künste. Unter seinen Schöpfungen sind hervorzuheben: Faun und Bacchantin, Marmorgruppe, Paris mit dem Apfel und ein auf der Syrinx spielender Faun. Zu dem vom Architekten Montferrant ausgeführten Denkmal des Kaisers Alexander I. auf dem Palastplatz zu Petersburg lieferte O. den Engel, der sich über dem Kapitäl der Säule auf einer Halbkugel erhebt. Seine Hauptwerke sind die kolossalen Statuen des Feldmarschalls Fürsten Golenischtschew-Kutusow-Smolenski und des Feldmarschalls Fürsten Barclay de Tolly zu Petersburg. O. starb 28. Dez. 1837 daselbst.

Orme, Philibert de l', s. Delorme 1).

Ormesby, Stadt in Cleveland (England), dicht bei Middelsbrough (s. d.), mit (1881) 7774 Einw.

Orme's Head (spr. órms hedd), Vorgebirge an der Nordküste des engl. Fürstentums Wales, 229 m hoch, mit Leuchthaus; wird vom nahen Badeort Llandudno (s. d.) aus oft besucht.

Ormonde (spr. órmönd), Grafen, Marquis und Herzöge von O. Die Familie Butler, deren Haupttitel O. ist, gehört zu den ältesten und vornehmsten Geschlechtern Irlands. Ihren Ursprung führt dieselbe auf Theobald zurück, den Heinrich II. im 12. Jahrh. nach der Eroberung der Insel zum Hereditary Chief Butler of Ireland (erblichen Erzschenken) ernannte, und der davon den Namen Butler annahm. 1328 erhielt James Butler den Titel Graf von O. Dessen bemerkenswerteste Nachkommen sind:

1) James Butler, vierter Graf, war unter Heinrich V. Lord-Statthalter von Irland, zeichnete sich in den Kämpfen mit den einheimischen Fürsten aus und starb 1452.

2) James Butler, fünfter Graf, ward 1453 zum Statthalter von Irland ernannt, kämpfte für Heinrich VI. gegen die Yorks, befehligte in der Schlacht