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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Oshkosh; Osi; Osiander; Osimo; Osinski; Osiris

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Oshkosh - Osiris.

brochener, dem Irrsinn verfallener Mann. Seine besten, aber noch nach französischem pseudo-klassischen Geschmack gearbeiteten Trauerspiele sind: "Ödipus in Athen", "Fingal", "Dmitrij Donskoi", "Polyxena". Besonders bemerkenswert ist die Tragödie "Fingal" durch ihr finsteres Ossianisches Kolorit. In den meisten seiner Stücke ist die Handlung lebhaft, die Charaktere haben Kraft und Mark; doch ist die Sprache ein wenig schleppend und einförmig. Seine Werke nebst Lebensbeschreibung gab Fürst Wjasemski (Petersb. 1818, 2 Bde.) heraus; die letzte Ausgabe derselben erschien daselbst 1827.

Oshkosh (spr. óschkosch), Stadt im nordamerikan. Staat Wisconsin, an der Mündung des Fox River in den Winnebagosee, hat ein Irrenhaus, zahlreiche Säge- und Spaltmühlen und (1885) 22,064 Einw.

Osi, der nordöstliche Mündungsarm des Tana (s. d.).

Osiander, Andreas, gelehrter Theolog, geb. 19. Dez. 1498 zu Gunzenhausen bei Nürnberg, ward, nachdem er sich für Luthers Reformation entschieden hatte, 1522 erster evangelischer Prediger an der Lorenzkirche zu Nürnberg. In dieser Stellung nahm er am Marburger Gespräch, am Augsburger Reichstag, an der Unterschrift der Schmalkaldischen Artikel, an der Einführung der Reformation in Pfalz-Neuburg teil und schrieb unter anderm: "Harmonia evangelica" (Basel 1537). Infolge des Augsburger Interim, dem er sich nicht fügen wollte, 1548 seines Amtes entsetzt, folgte er 1549 einem Ruf als Prediger und Professor der Theologie an die neugestiftete Universität zu Königsberg und ward hier 1551 auch zum Vizepräsidenten des samländischen Bistums ernannt. Seine mit großem Eifer vorgetragene Ansicht, daß die Rechtfertigung nicht als ein gerichtliche Akt Gottes, sondern als Mitteilung einer innern Gerechtigkeit aufzufassen sei, welche aus einer mystischen Vereinigung mit Christus hervorgehe, rief einen mit vieler Bitterkeit geführten Streit mit den strengen Lutheranern hervor. Nachdem O. während der Verhandlungen 17. Okt. 1552 gestorben war, dauerten die Streitigkeiten fort, bis 1566 alle Osiandristen entsetzt, ihr Führer, der Hofprediger Funk, enthauptet und durch das "Corpus doctrinae pruthenicum" der Osiandrismus 1567 aus Preußen verbannt wurde. Vgl. Möller, A. Osianders Leben und ausgewählte Schriften (Elberf. 1870); Hase, Herzog Albrecht von Preußen und sein Hofprediger (Leipz. 1879). - Sein Sohn Lukas, geb. 16. Dez. 1534 zu Nürnberg, ward 1555 Diakonus zu Göppingen, 1567 Hofprediger des Herzogs Friedrich von Württemberg; 1598 abgesetzt, starb er 1604 in Stuttgart. Er beteiligte sich an mehreren Kolloquien, namentlich an denen zu Maulbronn (1564 und 1576), zu Mömpelgard (1586) und zu Regensburg (1594). Auch dessen gleichnamiger Sohn, geb. 6. Mai 1571 zu Stuttgart, der 1587 Pfarrer zu Göppingen, später Abt zu Maulbronn ward und 10. Aug. 1638 als Propst und Kanzler in Tübingen starb, bekundete sich im Kampf mit den Gießener Theologen über die Communicatio idiomatum und in seinem "Bedenken gegen Arnds wahres Christentum" (Tübing. 1623) als heftigen Polemiker.

Osimo, Stadt in der ital. Provinz Ancona, auf einem 260 m hohen Hügel, unweit des Musone, an der Eisenbahn Ancona-Brindisi gelegen, Sitz eines Bischofs, mit alten Mauern, Kathedrale, 3 andern Kirchen, einem bischöflichen Palast, einem Stadthaus mit römischen Altertümern, Gymnasium, Theater und (1881) 4743 Einw., welche Seidenindustrie und Handel betreiben. O. ist das antike Auximum, eine feste Stadt der Picentiner.

Osinski, Ludwig, poln. Dichter und Redner, geb. 1775 zu Kock, erhielt seine Ausbildung im Piaristenkonvikt zu Radom, wurde bei der Errichtung des Herzogtums Warschau Generalsekretär im Justizministerium, dann Greffier beim Kassationshof und erregte durch seine formvollendeten Reden allgemeines Aufsehen. Später eine Zeitlang Direktor des Nationaltheaters, wurde er 1818 zum Professor der Litteratur an der Universität ernannt, hielt sich 1830 von der nationalen Bewegung fern, wurde 1834 Referent im Staatsrat und starb 27. Nov. 1838. Die Gesamtausgabe seiner Werke (Warsch. 1861, 4 Bde.) enthält: Übersetzungen (z. B. des "Cid", der "Horaces" und des "Cinna" von Corneille, der "Alzire" von Voltaire etc.), eigne Gedichte, eine vergleichende Litteraturgeschichte, Reden und Kritiken. Als Dichter unbedeutend, weil es ihm an poetischer Auffassung vollständig gebrach, hat O. als Kritiker einen großen, freilich rein negativen Einfluß ausgeübt, insofern er, im Gegensatz zu seinem Kollegen Brodzinski, als starrer Anhänger des Pseudoklassizismus und Verächter der deutschen und englischen Dichter (insbesondere Byrons) den Sieg der neuen sogen. romantischen Richtung des A. Mickiewicz lange Zeit verzögerte.

Osiris, ägypt. Gottheit, welche namentlich als Gott der Unterwelt verehrt wurde, der älteste Sohn des Seb (Kronos) und der Nut (Rhea), Bruder und Gemahl der Isis, die ihm den jüngern Horos gebar. Er war ursprünglich der Lokalgott zu This in Oberägypten und eine Form des Sonnengottes Ra. Nach Plutarch ("De Iside et Osiride") ward ihm die Gesittung der Ägypter zugeschrieben, namentlich die Erfindung des Pflugs, der Gesetze und des religiösen Kultus. Auch Äthiopien, Arabien, Indien u. Vorderasien durchzog er, teils als siegreicher Kriegsherr, teils um durch die Gewalt der Rede und die Macht der Musik Kultur zu verbreiten. Aber nach seiner Rückkehr verschwor sich Typhon, sein ihm feindlicher Bruder, mit 72 andern zu O.' Untergang. Sie schlossen ihn durch List in eine prächtige Lade und warfen diese in den Nil, auf dem sie ins Meer hinaustrieb. Isis legte Trauerkleider an, als sie die Kunde erhielt, u. suchte klagend die Leiche des O. Endlich fand sie die Lade in der Gegend von Byblos an das Land geworfen und verbarg sie an einem sichern Orte. Typhon aber entdeckte dieselbe und zerschnitt nun den Körper in 14 Teile, die er überallhin zerstreute. Isis suchte dieselben wieder und begrub sie, jeden an den Ort, wo sie ihn gefunden hatte (daher die zahlreichen Osirisgräber in Ägypten). Als aber Horos, des O. Sohn, der in Buto aufwuchs, zu Kraft gelangt war,

^[Abb.: Osiris (Berlin).]