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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Österreich, Kaisertum

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Österreich, Kaisertum (Industrie).

(für 1880) waren bei der Erzeugung von raffiniertem Eisen und Stahl 140 Werke mit 16,625 Arbeitern beschäftigt; die Produktion belief sich auf 2,210,000 metr. Ztr. Schweiß- und Flußeisen und 1,100,000 metr. Ztr. Schweiß- und Flußstahl (hauptsächlich Bessemer- und Martinstahl). Die Hauptproduktionsländer sind Steiermark, Kärnten, Böhmen, Mähren, Schlesien und Niederösterreich. Mit der Schienenfabrikation befassen sich 14 Werke mit 2600 Arbeitern. Eisen- und Stahlblech und Draht, dann Eisengußwaren werden gleichfalls vorwiegend in den genannten Produktionsländern von zahlreichen Werken mit etwa 12,600 Arbeitern hergestellt. Die Verfertigung von Eisenwaren ist einer der wichtigsten österreichischen Industriezweige und wird am stärksten in Nieder- und Oberösterreich, Steiermark und Böhmen betrieben; höchst mannigfaltig ist sie besonders in den niederösterreichischen Bezirken Waidhofen a. d. Ybbs und Scheibbs, im oberösterreichischen Bezirk Steyr und im tirolischen Stubaier Thal. Eine der ersten Stellen nimmt die altberühmte Sensenindustrie der Alpenländer ein, deren Erzeugnisse guten Absatz nach dem Osten und Südosten Europas finden und sich einschließlich der böhmischen Produktion auf jährlich 8 Mill. Stück Sensen und Strohmesser und etwa 1,3 Mill. Sicheln belaufen. Den Hauptanteil hieran haben Steiermark und Oberösterreich, sodann Niederösterreich. Messer- und Schneidewaren werden in größern Mengen in Wien, Steyr, Karlsbad und Nixdorf in Böhmen, Waffen in Wien, Steyr und Letten in Oberösterreich (große Fabrik mit 4000 Arbeitern), Ferlach in Kärnten, Weipert und Prag in Böhmen erzeugt. Die Verfertigung von Werkzeugen wird in Wien, Scheibbs, Steyr und Altendorf (Kärnten), jene von Schlosserwaren und eisernen Möbeln in Wien fabrikmäßig oder in beträchtlicher Ausdehnung gepflegt. Feuerfeste Kassen und Schränke bilden eine weltberühmte Spezialität der Wiener Industrie. Mit der Produktion von Nägeln, Drahtstiften, Schrauben und Nieten beschäftigen sich mehrere Fabriken und viele Kleingewerbe in Niederösterreich (besonders in Neunkirchen), in Böhmen (Horzowitz), Oberösterreich und Krain. Die Fabrikation von Nadeln ist auf die Orte Hainburg (Niederösterreich), Fügen (Tirol) und Karlsbad (Böhmen), jene von Stahlfedern auf Wien beschränkt. Die Erzeugung von blechernem Kochgeschirr hat ihren Hauptsitz in Brünn, nächstdem in Wien, während sich die Herstellung von gußeisernem Geschirr von alters her in einigen böhmischen und schlesischen Orten eingebürgert hat. Schließlich muß noch die Erzeugung von Blechlöffeln und Blechspiegeln im Erzgebirge genannt werden, welche sich in Neudeck und Platten konzentriert. Die Erzeugung von Kupfer-, Blei- und Zinnwaren bietet nichts Bemerkenswertes. Die Gold- und Silberwarenindustrie blüht vorzugsweise in Wien, in geringerm Grad in Prag. Die Fabrikation von Metalllegierungen ist in Niederösterreich von Wichtigkeit, wo Wien durch die Verfertigung von Lampen, Bronze- und Chinasilberwaren berühmt ist und eine bedeutende Pakfong- und Nickelfabrik in Berndorf besteht. Mit der Erzeugung von leonischen Waren befassen sich nur die Etablissements in Mannersdorf (Niederösterreich) und Stanz (Tirol). Der Maschinenbau, welcher in der Erzeugung von Dampfmaschinen und Dampfkesseln, in der Fabrikation von Eisenbahnmaterial, sodann den Einrichtungen für Bierbrauereien, Spiritusbrennereien, Zuckerfabriken und Mühlen und in der Präzisionsmechanik erfolgreich mit der ausländischen Konkurrenz kämpft, hat seinen Hauptsitz in Wien und Umgebung (auch Wiener-Neustadt), Prag, Brünn und Triest. Von Transportmitteln werden gewöhnliche Wagen hauptsächlich vom Kleingewerbe, Luxuswagen in den großen Städten, vorzugsweise in Wien, hergestellt. Beachtenswert ist auch die mährische Wagenindustrie, die für einen bedeutenden Absatz arbeitet. Überhaupt deckt die einheimische Produktion nicht nur den innern Bedarf, sondern liefert auch Exportartikel. Mit der Fabrikation von Eisenbahnwaggons beschäftigen sich größere Etablissements in Wien, Prag und Marburg. Der Schiffbau ist durch die Qualität seiner Leistungen auch im Ausland vorteilhaft bekannt. Größere Werften für den Bau von Seeschiffen bestehen in Triest und Pola, für den Bau von Flußschiffen in Linz. Die Erzeugung wissenschaftlicher Instrumente hat in Ö. sehr große Fortschritte gemacht; jene der chirurgischen Instrumente und Apparate wird in Wien fabrikmäßig betrieben. In der Verfertigung von musikalischen Instrumenten behauptet Ö. einen der ersten Plätze in Europa; für die Streich- und Blasinstrumente sind die wichtigsten Produktionsstätten Wien, Prag, Königgrätz und mehrere Orte im Erzgebirge (Graslitz, Schönbach), für die Klaviere, Zug- und Mundharmoniken die Residenzstadt Wien, welche auf diesem Gebiet exportiert. Ein eigentümliche Zweig der oberösterreichischen Industrie ist die Erzeugung von Maultrommeln in Molln (Bezirk Kirchdorf). Die Uhrmacherei befaßt sich hauptsächlich mit der Verfertigung von Stock-, Pendel- und Turmuhren; Taschenuhren werden größtenteils importiert und von den einheimischen Industriellen repassiert oder repariert. Die Produktion von Holzuhren (sogen. Schwarzwälder Uhren) wird in Karlstein (Niederösterreich) in größerm Umfang ausgeübt.

Die Fabrikation keramischer Produkte hat in den letzten Dezennien quantitativ und qualitativ hervorragende Erfolge aufzuweisen. Die Porzellanindustrie, wenngleich nur auf Böhmen, wo 26 Fabriken (1880 mit 4896 Arbeitern) bestehen, beschränkt, ist in hohem Grad entwickelt; ihr Hauptsitz ist die Umgebung von Karlsbad, wo sich der erforderliche Rohstoff (Kaolin) in vorzüglicher Qualität findet, mit 15 Fabriken, welche auch hinsichtlich der Produktionsmenge präponderieren. An der Fabrikation gewöhnlicher Thonwaren, von Steingut, Fayence, Majolika, beteiligen sich in hervorragender Weise Mähren (wichtigster Produktionsort Znaim), Böhmen (Budweis u. a.), Niederösterreich und Schlesien. Die Erzeugung von Siderolithwaren ist eine Spezialität der nordböhmischen Industrie (an der untern Elbe), jene von Terrakotten hat eine Wichtigkeit in Wien und Umgebung, jene von feuerfesten Thonwaren und von Steinzeug wird in mehreren Fabriken Niederösterreichs, Böhmens und Mährens betrieben. Die Ziegelfabrikation hat besonders in der Umgebung von Wien große Dimensionen erlangt. Alten, bewährten Rufs erfreut sich die österreichische Glasindustrie, welche mehr als 30,000 Arbeiter beschäftigt. An der Produktion beteiligen sich fast alle Länder; indes entfallen auf Böhmen die größte Zahl der Etablissements und die vorzüglichsten Erzeugnisse. Den Glanzpunkt der österreichischen Glasindustrie bildet die Erzeugung von Kristallglas, das durch Formenschönheit und Reinheit am Weltmarkt tonangebend geworden ist und vorzüglich in der Umgegend von Haida und Steinschönau erzeugt, bez. der Raffination unterzogen wird. Die Tafel- und Spiegelglasproduktion ist am bedeutendsten im Pilsener Handelskammer-^[folgende Seite]