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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Österreichisch-Ungarische Monarchie

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Österreichisch-Ungarische Monarchie (Geschichte: 1282-1463).

leistete Hilfe; demselben wurde auch Krain verpfändet. Herzog Albrecht I. (1282-1308) hatte mit den Ständen zu kämpfen, welche über Vernachlässigung der Landrechte und die Begünstigung schwäbischer Ritter klagten; er wahrte seine landeshoheitlichen Rechte mit aller Entschiedenheit und kümmerte sich um alte Privilegien wenig; wo er Widerstand fand, wie bei der Stadt Wien 1288, wurde er mit Waffengewalt unterdrückt. Grenzstreitigkeiten führten zur Fehde mit den Erzbischöfe Rudolf und Konrad von Salzburg; an Ungarn erwarb er sich einen festen Rückhalt durch Verzichtleistung auf seine Thronansprüche und seine Eroberungen (1291). Dagegen war Albrechts Bestreben, nachdem er den deutschen Thron bestiegen (1298), die habsburgische Hausmacht bedeutend zu vergrößern, nicht erfolgreich. Böhmen, welches er nach dem söhnelosen Tod Wenzels III. 4. Aug. 1306 als erledigtes Lehen einzog und seinem Sohn Rudolf verlieh, mußte er nach dessen schon im nächsten Jahr (3. Juli 1307) erfolgtem Tod Wenzels Schwager, dem Herzog Heinrich von Kärnten, Meinhards Sohn, überlassen.

Nach der Ermordung Albrechts I. (1. Mai 1308), welchem in der Regierung der Erbländer Friedrich III., der Schöne, und Leopold der Glorwürdige folgten, ging die deutsche Krone dem Haus Habsburg wieder für längere Zeit verloren; 1314 wurde zwar Friedrich der Schöne neben Ludwig dem Bayern von einem Teil der Wahlfürsten zum König erwählt, doch erlag er im Kampf mit seinem Nebenbuhler 1322 bei Mühldorf und geriet in dessen Gefangenschaft. Der Krieg, den Leopold bis zu seinem Tod (1326) fortsetzte, erschöpfte die Kräfte Österreichs. Als Friedrich der Schöne (1330) ebenso wie Leopold ohne Söhne starb, folgte ihm der dritte Sohn Albrechts I., Albrecht II., der Weise, auch der Lahme genannt (1330-58), der nach dem Tod Heinrichs von Kärnten (2. Mai 1335) von Kaiser Ludwig zusammen mit seinem Bruder Otto mit Kärnten, Krain und dem größten Teil von Tirol belehnt wurde. König Johann von Böhmen, dessen Sohn Johann mit Heinrichs von Kärnten Tochter Margarete Maultasch vermählt war, wollte die Belehnung nicht anerkennen und überzog die österreichischen Herzöge mit Krieg. Im Frieden von Enns (9. Okt. 1336) behaupteten diese aber Kärnten, Krain und die windische Mark, während sie auf Tirol verzichteten. Aber auch dieses erwarb Albrechts II. Sohn Rudolf IV., der Stifter oder der Sinnreiche (1358-65), der von Margarete Maultasch zum Erben dieses Landes eingesetzt wurde; nach dem Tod ihres einzigen Sohns, Meinhard III. (1363), der mit Rudolfs Schwester Margarete vermählt war, legte sie die Regierung nieder und überließ Tirol den Habsburgern, die sich den Besitz desselben durch den Brünner Vertrag mit Kaiser Karl IV. (10. Febr. 1364) und durch eine Geldentschädigung an die Wittelsbacher (1369) sicherten. Rudolf IV. machte sich auch durch viele Einrichtungen, Neuerungen und Stiftungen verdient, von denen die bedeutendste die Gründung der Universität Wien (1365) ist. Als er 1365 kinderlos starb, drohte der habsburgische Länderbesitz, der nun Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol und die schwäbischen oder vorderösterreichischen Lande umfaßte und 1369 um Freiburg i. Br., 1375 um die Grafschaft Feldkirch vermehrt wurde (fast 90,000 qkm), durch Teilungen dem Los der Zersplitterung zu verfallen. Rudolfs IV. Brüder teilten sich nämlich die Länder in der Weise, daß Albrecht III. (1365-95) Österreich ob und unter der Enns (österreichische oder Albrechtinische Linie, bis 1457) und Leopold III. das übrige erhielt (Leopoldinische Linie, zerfallend in die tirolische, bis 1496, und die steiermärkische). Nachdem Leopold 1386 im Kampf gegen die Schweizer bei Sempach gefallen war, übernahm Albrecht III. die Regierung des gesamten habsburgischen Besitzes für die vier unmündigen Söhne des Gefallenen und verteidigte sie mit tapferer Hand gegen unbotmäßige Vasallen. Ihm folgte in Österreich sein Sohn Albrecht IV. (1395-1404) und diesem nach kurzer Herrschaft sein Sohn Albrecht V. (1404-1439). Derselbe stand bis 1411 unter der Vormundschaft seiner Vettern Wilhelm und Leopold IV. aus der Leopoldinischen Linie, deren Länder nach dem Tod Leopolds III. unter seine vier Söhne Wilhelm, Leopold IV., Ernst den Eisernen und Friedrich IV. geteilt worden waren.

Mit dem Jahr 1411, in welchem Albrecht V. die Regierung in Österreich selbständig übernahm, kehrten bessere Zeiten in dem Land ein. Auch nahm die habsburgische Macht einen neuen Aufschwung. Als Schwiegersohn des luxemburgischen Kaisers Siegmund erbte Albrecht nach dessen Tod (1437) die Kronen Böhmen und Ungarn und ward 1438 als Albrecht II. zum deutschen König gewählt, worauf die deutsche Kaiserkrone über 300 Jahre (bis 1740) bei den Habsburgern blieb. Albrecht wurde freilich schon 27. Okt. 1439 auf der Rückkehr von einem Feldzug gegen die Türken unweit Gran vom Tod ereilt und hinterließ nur einen nachgebornen Sohn, Wladislaw Posthumus (geb. 22. Febr. 1440), für den der älteste Sohn Ernst des Eisernen, Friedrich V. von der steiermärkischen Linie, als deutscher König Friedrich III. (1440-93), die Vormundschaft führte. Unter diesem unfähigen, habgierigen Fürsten, der am 3. Jan. 1453 den schon seit 1389 üblichen erzherzoglichen Titel für die steiermärkische als Hauptlinie offiziell einführte, herrschten in Österreich Zustände der traurigsten Art. Die Erbitterung über Friedrichs vormundschaftliche Regierung war so groß, daß die Unzufriedenen 1451 eine provisorische Regierung unter Ulrich Eizinger bildeten, die Friedrich bei seiner Rückkehr aus Italien 1452 zur Herausgabe Wladislaws zwang. Doch starb der junge Fürst schon 23. Mai 1457, und da mit ihm die österreichische oder Albrechtinische Linie erlosch, fiel Österreich an Friedrich III. und Albrecht VI., den Verschwender, von der steiermärkischen Linie, welche es sich so teilten, daß Friedrich das Land unter der Enns, Albrecht das ob der Enns erhielt; ihr Vetter Siegmund von Tirol, Sohn Friedrichs III., wurde durch ein Drittel aller österreichischen Einkünfte entschädigt. Aber der Vergleich hatte keine lange Dauer. Die hohen Zölle, die Verschlechterung der Münzen, die Unsicherheit der Straßen und die Verwüstungen des Landes durch feindliche Einfälle der Ungarn und Böhmen steigerten die von Albrecht geschürte Unzufriedenheit gegen Friedrich derartig, daß es in Wien zum offenen Aufstand kam und Friedrich von den Aufrührern unter Wolfgang Holzer in der Hofburg belagert wurde. Friedrich mußte im Dezember 1462 auch Niederösterreich gegen 4000 Goldgulden jährlich an seinen Bruder Albrecht abtreten. Da dieser verschwenderische Fürst das Land aber nicht weniger hart bedrückte, so verbanden sich die Unzufriedenen mit Friedrich und ließen kaiserliches Söldnervolk in Wien ein; schon drohte es von neuem zu heftigen Konflikten zu kommen, als Albrechts VI. Tod (8. Dez. 1463) denselben vorbeugte.^[Absatz]