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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Österreichisch-Ungarische Monarchie

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Österreichisch-Ungarische Monarchie (Geschichte: 1562-1608).

Innere Kämpfe und die Gegenreformation.

Was Österreich selbst betrifft, so suchte Ferdinand anfangs dem Eindringen der Reformation möglichst zu wehren und schloß sich 1524 dem Regensburger Konvent der katholischen Reichsstände an, auf dem diese in kirchlichen Dingen eine bedeutende Mehrung ihrer landesherrlichen Befugnisse zugestanden erhielten. Ferdinand wünschte die kirchliche Reformfrage bis zu der beabsichtigten Vereinbarung zwischen Kaiser und Papst und der Berufung eines Konzils in der Schwebe zu halten. Der Bauernkrieg verbreitete sich auch nach Österreich. Zum Ausbruch kam er 1525 im Ennsthal, wo die Bauern 5. Juli ein Heer Ferdinands bei Schladming schlugen. Obwohl der Aufstand sich nun über das ganze Land zu verbreiten drohte, wurde er dennoch unterdrückt, die Bauern aber menschlicher behandelt als in andern Teilen Deutschlands, indem wenigstens einige der drückendsten Feudalrechte abgeschafft wurden. Auch sonst bemühte sich Ferdinand um das Wohl seiner österreichischen Lande. Er erließ 1555 eine neue Landgerichtsordnung, ordnete das Zunftwesen, erließ Verbote gegen den Luxus in der Kleidung, gegen den Wucher u. a. In kirchlicher Beziehung bewies er sich mit der Zeit toleranter gegen die Reformation, wie er sich denn auch um die Herstellung des kirchlichen Friedens im Reich verdient machte und auf dem Trienter Konzil vergeblich Zugeständnisse von der Kurie zu erlangen suchte. Wenigstens für seine Lande erwirkte er vom Papste die Erlaubnis des Abendmahls in beiderlei Gestalt, um eine künftige Versöhnung zwischen beiden Parteien möglich zu erhalten. Nachdem Ferdinand I. 1556 die Kaiserwürde erhalten hatte, starb er 25. Juli 1564.

Ferdinand hatte seine Lande unter seine Söhne so verteilt, daß Maximilian II. (1564-76) außer der Kaiserwürde Österreich, Böhmen und Ungarn, Ferdinand Tirol, Karl Steiermark, Kärnten, Krain und Görz erhielt. Der Tod Solimans vor Szigeth (1566), nach welchem der weichliche Selim II. den Thron bestieg, verschaffte Maximilian Ruhe vor den Türken; der Friede von 1547 wurde erneuert und Österreich sein Besitz in Ungarn gelassen; dafür mußte es die Scheinherrschaft des Woiwoden Johann Siegmund und seines Nachfolgers Stephan Báthori in Siebenbürgen anerkennen. Von entscheidender Bedeutung für Österreich und seine engere Verbindung mit dem übrigen Deutschland schien Maximilians II. Regierung durch seinen Anschluß an die Reformation zu werden; denn der Kaiser, von Jugend an von protestantisch gesinnten Lehrern erzogen und durch Karls V. Plan, die Kaiserwürde auf seinen Sohn Philipp zu übertragen, in einen Gegensatz zu den spanischen Habsburgern gebracht, neigte entschieden dem Protestantismus zu, hielt sich lutherische Hofprediger und duldete die Ausbreitung der Reformation in Österreich, wo sie in allen Ständen, besonders im Adel, zahlreiche Anhänger besaß. Indes der unheilvolle Zwist zwischen den beiden protestantischen Bekenntnissen im Reich, die Rücksichten auf die Tradition seines Hauses, seine Verschwägerung mit dem spanischen und dem französischen Königshaus, endlich nicht am wenigsten die Aussicht auf die Erwerbung der spanischen Krone für seine Nachkommen hinderten ihn, den entscheidenden Schritt zu thun, der den geistigen Zusammenhang zwischen Österreich und Deutschland befestigt und der kaiserlichen Hausmacht auch das politische Übergewicht gesichert hätte. Maximilian blieb katholisch und gab den protestantischen Edelleuten nur eine Religionsassekuration, aber keine rechtlich anerkannte Kirchenverfassung. Unter seinem Sohn und Nachfolger Rudolf II. (1576-1612), dem Zögling der Jesuiten, begann die Reaktion gegen die neue Lehre, welche schließlich zur völligen Ausrottung derselben in Österreich führte, aber auch die Entfremdung der habsburgischen Lande von Deutschland zur Folge hatte, so daß die habsburgischen Herrscher entweder gar nicht danach strebten, ihre Stellung an der Spitze Deutschlands zu einer wirklichen einheitlichen Monarchie umzugestalten, oder, wenn sie es thaten, auf unüberwindliche Schwierigkeiten stießen.

Gegen die österreichischen Städte, welche ohne gesetzliche Ermächtigung den nur dem Herren- und Ritterstand gestatteten protestantischen Gottesdienst eingeführt hatten, ergingen schon 1578 zwei Edikte, denen zufolge die protestantischen Prediger entfernt und hinfort nur Katholiken als Bürger aufgenommen werden sollten. Und mit der weltlichen Obrigkeit gingen die katholischen Priester Hand in Hand, an ihrer Spitze Melchior Khlesl (s. d.), der als Offizial des Bischofs von Passau und seit 1602 als Bischof von Wien eine emsige Thätigkeit entfaltete und die Religionsedikte unnachsichtlich zur Anwendung brachte. In dieser Bedrängnis schlossen 1603 die protestantischen Stände Österreichs unter Anführung des Freiherrn Erasmus von Tschernembl eine Vereinigung zum Schutz ihrer religiösen und politischen Freiheiten, was 1605 das Zusammentreffen der katholischen. Stände zu einem Gegenbund zur Folge hatte. Noch rücksichtsloser war Ferdinand, der Sohn des Erzherzogs Karl, der 1596 in Steiermark, Kärnten und Krain zur Regierung gekommen war und durch Gewaltmaßregeln aller Art binnen wenigen Jahren den größten Teil seiner Unterthanen wieder katholisch machte. Auch in Böhmen, Mähren und Ungarn sollte die katholische Reaktion durchgeführt werden. In Ungarn war die Folge hiervon, daß, als Stephan Bocskay als Vorkämpfer der religiösen und nationalen Freiheit auftrat; sich ihm in kurzem fast der gesamte Adel und die Städte anschlossen, und da er auch ein Bündnis mit den Türken einging, so hielt es der kaiserliche Feldherr Basta für geraten, das Land zu räumen, das somit ebenso wie Siebenbürgen für den Kaiser verloren zu sein schien. Endlich stellte sich auch im Deutschen Reich unter Rudolf II. der kaiserliche Hof unter spanischem Einfluß an die Spitze der katholischen Stände und unterstützte deren Bemühen, den Protestantismus zurückzudrängen, was die evangelischen Stände mit Mißtrauen gegen das Haus Habsburg erfüllte.

Die Gefahr, Ungarn und die deutsche Kaiserkrone möchten durch Rudolf II. dauernd verloren gehen, bewog die Brüder des Kaisers, Matthias, seit seines ältern Bruders, Ernst, Tod (1595) Statthalter von Österreich, und Maximilian, seit Erzherzog Ferdinands von Tirol Tod (1595) Verwalter dieses Landes, die Leitung der Dinge in die Hand zu nehmen. Mit den Türken wurde 1606 der Friede von Zsitwa-Torok abgeschlossen, Stephan Bocskay und sein Nachfolger Siegmund Rákóczy im Besitz von Siebenbürgen und Oberungarn anerkannt und den Ungarn im habsburgischen Gebiet Religionsfreiheit gewährt. Im Preßburger Bündnis (1. Febr. 1608) vereinigten sich die ungarischen, österreichischen und mährischen Stände mit Matthias zur Aufrechthaltung dieser Zugeständnisse auch gegen den Kaiser, und dieser mußte im Vertrag von Lieben (25. Juni 1608) Ungarn, Österreich und Mähren an Matthias abtreten und demselben die Nachfolge in Böhmen zusichern. Matthias versprach den mährischen und österreichischen Ständen, daß niemand seiner Religion wegen verfolgt