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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ostpriegnitz; Ostpunkt; Ostpyrenäen

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Ostpriegnitz - Ostpyrenäen.

werfung zu zwingen. Die Führer der ständischen Opposition, Johannes Roth, der Schöppenmeister von Königsberg, und die beiden Kalckstein, wurden verhaftet, einer der letztern 1672 wegen Hochverrats hingerichtet. Die brandenburgische Herrschaft ward hiermit in Preußen erst dauernd begründet, und dieses bildete fortan ein Glied des Staats Preußen (s. d.).

Als einziger souveräner Besitz der brandenburgischen Hohenzollern wurde Preußen zum Königreich erhoben, indem Kurfürst Friedrich III. sich 18. Jan. 1701 in Königsberg selbst zum König in Preußen krönte. Doch war die Regierung dieses ersten Königs für das junge Königreich, dessen Name nun auf Staat und Volk der Hohenzollern überging, besonders verhängnisvoll: um die Kosten des verschwenderischen Hofhalts zu bestreben, wurden Domänen und Wälder verkauft, namentlich der herrliche Eichenwald auf der Kurischen Nehrung niedergeschlagen und dem Lande dadurch unermeßlicher Schade zugefügt. 1709-11 raffte eine von Polen her eingeschleppte Pest 236,000 Menschen, ein Drittel der Bevölkerung, hinweg; in Litauen lagen weite Strecken wüst. Diesen Schaden machte Friedrich Wilhelms I. Fürsorge wieder gut, der durch Befreiung der Bauern, Beförderung der Einwanderung (20,000 Familien bis 1728, 1732: 17,000 Salzburger) und Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Höfe, wofür er viele Millionen verwendete, die Provinz wieder zur Blüte brachte; 12 Städte und 332 Dörfer wurden neu angelegt oder wieder aufgebaut. Unter Friedrich d. Gr. wurde Preußen nach der Schlacht von Großjägersdorf (30. Aug. 1757) von den Russen besetzt und blieb 1758-62 in deren Besitz; dieselben zwangen die Stände, der Kaiserin Elisabeth zu huldigen, und beabsichtigten, es für immer mit Rußland zu vereinigen. 1772 wurde durch die erste polnische Teilung Westpreußen wiedergewonnen und mit dem Königreich Preußen, seitdem meist O. genannt, wenigstens unter Einem Zepter vereinigt. Administrativ blieben beide Preußen geschieden. O. zerfiel in das deutsche Kammerdepartement mit acht und das litauische mit drei Kreisen.

Der Krieg von 1806 bis 1807 legte Preußen wiederum große Opfer auf; aber das Land bewährte sich als Kern des Staats, dem es den Namen gegeben. Die glorreiche Erhebung des preußischen Volkes 1813 ging von O. aus; die ostpreußischen Stände gingen mit der Organisation der Landwehr voran, welche sich auf dem Schlachtfeld den größten Ruhm erwarb. Doch brachte die Neugestaltung der politischen Verhältnisse 1815 Preußen, das mit die größten Opfer gebracht hatte, nicht nur keinen Lohn, sondern erhebliche Nachteile. Während die 1813 von den Korporationen und Gemeinden für den Staat gemachten Schulden nicht von diesem übernommen wurden, sondern jenen zur Last blieben, schadete die Abtretung ganz Polens an Rußland, das sich nun kommerziell abschloß, dem preußischen Handel außerordentlich, und die aus Rücksicht auf die neuerworbenen westlichen Lande in Preußen eingeführten Schutzzölle, besonders auf Eisen und Zucker, vernichteten fast völlig die mit ausländischen Rohprodukten arbeitende preußische Industrie. 1824 wurden Ost- und Westpreußen zu Einer Provinz, dem Königreich Preußen, vereinigt, 1. Jan. 1878 aber wieder getrennt.

Vgl. Baczko, Geschichte Preußens (Königsb. 1793-1800, 6 Bde.); Voigt, Geschichte Preußens von der ältesten Zeit bis zum Untergang der Herrschaft des Deutschen Ordens (das. 1827-39, 9 Bde.); Derselbe, Handbuch der Geschichte Preußens bis zur Zeit der Reformation (2. Ausg., das. 1850, 3 Bde.); Lohmeyer, Geschichte von Ost- und Westpreußen (2. Aufl., Gotha 1881 ff.); Ewald, Die Eroberung Preußens durch die Deutschen (Halle 1872-84, Bd. 13); Perlbach, Preußische Regesten bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts (Königsb. 1875-76); Voigt, Codex diplomaticus prussicus (das. 1836-61, 6 Bde.); "Scriptores rerum prussicarum" (hrsg. von Hirsch, Töppen, Strehlke, Lpz. 1861-74, 5 Bde.); "Akten der Ständetage Preußens" (hrsg. von Töppen, das 1884, 4 Bde.); Pierson, Elektron, oder über die Vorfahren etc. der alten Preußen (Berl. 1869).

Ostpriegnitz, Kreis, s. Priegnitz.

Ostpunkt, s. Morgenpunkt.

Ostpyrenäen (Pyrénées-Orientales), Departement im südlichen Frankreich, gebildet aus der ehemaligen Landschaft Roussillon, dem durch den Pyrenäenvertrag an Frankreich gekommenen Teil von Cerdagne und einem Teil von Languedoc, grenzt im N. an die Departements Aude und Ariége, im Osten an das Mittelländische Meer, im S. an Spanien, im W. an die Republik Andorra und hat einen Flächenraum von 4122 qkm (74,9 QM.). Den südlichen und westlichen Teil des Landes erfüllen die Pyrenäen, welche sich von dem Gebirgsknoten des Puy de Prigue (2810 m) nordwestlich von Montlouis aus in mehrere Bergketten verzweigen, wovon eine nordöstlich zwischen den Flüssen Tet und Agly, eine andre südwestlich gegen die Quellen der Ariége mit dem 2828 m hohen Pik Pédroux und eine östlich zwischen Tet und Segre sich hinzieht. Von der letztern Kette (Puigmal, 2909 m hoch) zweigen sich wieder mehrere Gebirgszüge ab, welche gegen N. tief in das Land hineinstreichen, darunter insbesondere der das Gebiet zwischen Tet und Tech ausfüllende Gebirgsstock des Canigou (2785 m). Zwischen diesen teilweise mit ewigem Schnee bedeckten Bergketten liegen schöne, fruchtbare Thäler, und den Nordosten des Departements nimmt die weite, von zahlreichen Kanälen durchschnitten Alluvialebene von Perpignan ein. Längs der Küste befinden sich mehrere Seen, darunter Etang de Leucate, Etang de St. Nazaire, und viele Sümpfe. Die Hauptflüsse sind die bereits erwähnten Küstenzuflüsse des Mittelländischen Meers: Agly, Tet und Tech, von denen jedoch keiner schiffbar ist; außerdem haben die Aude und der seine Richtung nach Spanien nehmende Segre hier ihren Ursprung. Das Klima ist im Sommer sehr heiß, in der Küstenebene auch im Winter mild (7,1° C. in Perpignan), auf den Gebirgen rauher; die Küstengegenden sind wegen der Sümpfe teilweise sehr ungesund. Die Bevölkerung belief sich 1886 auf 211,187 Bewohner, deren Haupterwerbszweige Ackerbau und Viehzucht bilden. Vom Gesamtareal kommen auf Äcker 89,626, Wiesen 9395, Weinberge 80,000, Wälder 48,306, Heiden und Weiden 191,272 Hektar. Hauptprodukte des erstern sind Getreide (jedoch in nicht zureichender Menge), Kartoffeln, Gemüse, Öl, Südfrüchte, vorzüglich aber Wein (in guten Jahren über 2 Mill. hl). Die Viehzucht liefert besonders Pferde und feinwollige Schafe; auch die Seidenzucht, die Thun- und Sardellenfischerei ist beträchtlich. Das Mineralreich liefert namentlich Eisenerz. Die Industrie ist auf Fabrikation von Eisenwaren, Öl, Woll- und Seilerwaren, Leder, Faßbinderei, Korkschneiderei, Branntweinbrennerei und Salzschlämmerei beschränkt. Der Handel ist hauptsächlich Küstenhandel und vertreibt besonders Wein, Branntwein, Olivenöl, Seide, Eisen, feine Wolle und Hanf. Das Departement besitzt vier Häfen: Barcarès St. Laurent, Collioure, Port Vendres und Banyuls. Die Eisenbahn von Narbonne nach Barcelona, von welcher Seiten-^[folgende Seite]