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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Oszillation - Otho.

tempel für den Totenkult des O. errichtet und ist von besonderm Interesse durch die vor einem Pylon liegenden Trümmer einer aus Syenit bestehenden Kolossalstatue des Königs, die an Größe ehemals die Memnonssäulen übertroffen haben muß; ferner durch merkwürdige Skulpturdarstellungen aus den Kriegen des Königs Ramses, einen riesigen, von 48 Säulen getragenen Saal und zahlreiche andre Bildwerke. Unsre Abbildung (s. Tafel "Baukunst III", Fig. 10) gibt die Ansicht des ersten Vorhofs.

Oszillation (lat.), Schwingung (s. d.); oszillieren, schwingen.

Öta, Gebirgskette im alten Griechenland, zwischen dem Pindos und dem Malischen Meerbusen, dort den Thermopylenpaß bildend und im Kallidromos, Knemis etc. sich südöstlich fortsetzend. Das rauhe, über 1800 m hohe Gebirge heißt jetzt Katavothra. Nach dem griechischen Mythus verbrannte sich Herakles daselbst, daher sein Beiname Ötäos.

Otago, eine der neun Provinzen, in welche Neuseeland bis 1876 administrativ geteilt wurde, der südlichste Teil der Südinsel, namentlich wertvoll durch ihre Goldproduktion, die bis 31. März 1886 den Wert von 17,621,610 Pfd. Sterl. erreichte, sowie durch ihre großen Kohlenlager.

Otagra (griech.), s. Ohrenzwang.

Otaha, eine der Gesellschaftsinseln, s. Tahaa.

Otaheiti, s. Tahiti.

Otakústik (griech.), die auf die Heilkunde angewandte Akustik.

Otalgie, s. Ohrenzwang.

Otaria, Seebär.

Otavalo, Stadt im südamerikan. Staat Ecuador, Provinz Imbabura, 2000 m ü. M., hat Manufaktur von Bayetas, Ponchos und Teppichen und 8000 Einw.

O tempora, o mores! (lat., "o Zeiten, o Sitten!"), Citat aus Ciceros Reden gegen Verres, das er später in andern Reden wiederholte.

Ote-toi de là que je m'y mette (franz., "hebe dich weg, damit ich deine Stelle einnehme!"), von Saint-Simon (s. d.) gebraucht, um die Bestrebungen der sogen. Légistes, d. h. der in der Gesellschaft unter der Fahne des Liberalismus nach der Herrschaft strebenden Advokaten u. Rechtsgelehrten, zu kennzeichnen.

Otfried, Verfasser einer poetischen "Evangelienharmonie" (s. d.), die zu den wichtigsten Denkmälern unsrer althochdeutschen Sprach- und Litteraturperiode gehört, war aus Weißenburg im Elsaß gebürtig und genoß eine Zeitlang den Unterricht des berühmten Hrabanus Maurus in Fulda und wahrscheinlich auch den Salomos, des spätern Bischofs von Konstanz. Von Fulda kehrte O. in das Benediktinerkloster Weißenburg zurück, und hier hat er sein Gedicht, dem er den Titel: "Liber Evangeliorum Domini gratia theodisce conscriptus" gab, um 868 beendet. Dasselbe enthält fünf Bücher und ist dem König Ludwig dem Deutschen gewidmet. O. beabsichtigte mit seiner Dichtung der Volkspoesie (dem "laicorum cantus obscoenus") entgegenzuwirken und eine Art von christlichem Kunstepos zu bieten, für welches ihm heidnische und christliche Autoren, wie Vergil, Lukan, Ovid, Juvencus, Aratos, Prudentius etc., seiner eignen Angabe zufolge als Vorbilder vorschwebten. Der poetische Wert seines Werkes ist nicht groß und namentlich unvergleichlich geringer als der des stoffverwandten "Holland". Der Verfasser bringt seine Gelehrsamkeit, wo es irgend geht, in den Vordergrund; er schiebt mit Vorliebe mystische und moralische Deutungen in die Darstellung ein, trockne Lehrhaftigkeit macht den überwiegende Charakter der letztern aus. Seine litterarhistorische Wichtigkeit beruht zum größern Teil in dem Umstand, daß er zuerst mit Entschiedenheit den freilich oft sehr ungenauen Endreim statt der Allitteration als Bindemittel der Verse angewendet hat, die übrigens dem Grundtypus nach noch ganz wie in der Allitterationspoesie gebaut und nur nach dem Muster der lateinischen Hymnenpoesie geregelt sind. Bemerkenswert ist, daß schon O. sich in allerlei sprachliche Künsteleien versucht hat, wie denn in den Zueignungsgedichten, mit denen er sein Werk an König Ludwig, Salomon von Konstanz und Liutbert sandte, nicht nur aus den Anfangs-, sondern sogar aus den Endbuchstaben Akrosticha gebildet sind. Es existieren von Otfrieds Gedicht zwei ausgezeichnet schöne Handschriften zu Heidelberg und Wien (die letztere wahrscheinlich von O. selbst revidiert) sowie eine minder wertvolle in München; außerdem in Wolfenbüttel, Bonn, Berlin Bruchstücke einer vierten Handschrift. Herausgegeben wurde das Gedicht zuerst von Matthias Flacius aus Illyrien (Basel 1571); neuere Ausgaben besorgten Kelle (Regensb. 1856-1869, 2 Bde.; Glossar, das. 1879-81), Piper (2. Ausg., Freiburg 1884, 2 Bde.; kleinere Ausg., das. 1882) und Erdmann (Halle 1883, Textabdruck 1882); Übersetzungen Rapp (Stuttg. 1858), Rechenberg (Chemn. 1862) und Kelle (Prag 1870). Vgl. Lachmann (in Ersch und Grubers "Encyklopädie"); Wackernagel (in den "Kleinen Schriften", Bd. 2, Leipz. 1875); Behringer, Krist und Heliand (Würzb. 1870); Fertsch, O., der Weißenburger Mönch (Weißenb. 1874).

Othaematoma, Ohrblutgeschwulst, s. Ohrenkrankheiten.

Othello, der "Mohr von Venedig", vornehmer Afrikaner in Venedig und Feldherr der Republik, war mit Desdemona vermählt, ließ dieselbe aber aus Eifersucht ermorden. Shakespeare hat den aus einer italienischen Novelle von Giraldi Cintio entlehnten Stoff zu einem Trauerspiel verarbeitet.

Othman (Osman), dritter Kalif, Mohammeds Schwiegersohn, war einer der frühsten Anhänger desselben und schon alt und schwach, als er 644 nach Omars Tod zum Beherrscher der Gläubigen erwählt wurde. Er ließ sich ganz von Verwandten und Günstlingen leiten, welche früher zu den heftigsten Gegnern Mohammeds gehört hatten, jetzt aber dessen treuesten Anhängern vorgezogen wurden und die Sache des Islam durch Erpressungen und Sittenlosigkeit schändeten, und erregte dadurch allgemeine Unzufriedenheit und Empörung fast in allen Provinzen. 656 wurde er von einem aufständischen Statthalter, Mohammed, in Medina ermordet. Er erwarb sich um den Islam ein großes Verdienst dadurch, daß er durch Revision aller Abschriften einen in Sprache, Anordnung und Inhalt korrekten Text des Korans herstellen und alle übrigen Ausgaben vernichten ließ.

Otho, Marcus Salvius, röm. Kaiser, geb. 32 n. Chr. zu Ferentinum in Etrurien, ward Neros Vertrauter und Genosse seiner Ausschweifungen, trat demselben 59 seine Gemahlin Poppäa Sabina ab und wurde, um von Rom entfernt zu werden, nach Lusitanien als Statthalter der Provinz geschickt, die er der von ihm zu hegenden Erwartung entgegen mit Milde und Einsicht verwaltete. Als Galba sich 68 gegen Nero empörte, war O. der erste, welcher zu jenem übertrat, und leistete ihm große Dienste. Da jedoch derselbe statt seiner Piso zu seinem Nachfolger wählte, gewann O. einen großen Teil der Prätorianer für sich und ließ sich nach Ermordung Galbas 15. Jan. 69 von diesen zum Kaiser ausrufen. Indessen aber hatten die Legionen in Germanien ihren An-^[folgende Seite]