Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

561

Ottenstein - Öttingen.

Ferdinand von Braunschweig 10. Nov. 1806, dessen Gebeine 1814 nach Braunschweig gebracht wurden.

Ottenstein, 1) Flecken im braunschweig. Kreis Holzminden, hat ein Schloß, ein Amtsgericht u. (1885) 1250 evang. Einwohner. -

2) Bad, s. Schwarzenberg.

Otter, s. v. w. Fischotter.

Otteraa, Fluß im südlichen Norwegen, entspringt im N. der Vogtei Seetersdalen, durchfließt letztere in einer Länge von 226 km und fällt bei Christianssand ins Meer. Im südlichen Teil seines Laufs wird der Fluß Torrisdalselven genannt.

Otterberg, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Kaiserslautern, am Otterbach, 251 m ü. M., hat eine katholische und 2 evang. Pfarreien, eine 1144 gestiftete, in der Reformationszeit aufgehobene Cistercienserabtei, deren prächtige Kirche im romanischen Stil seit 1705 Simultankirche ist, eine Synagoge, ein Amtsgericht, ein Forstamt, Zwirnerei und Nähfadenfabrikation, Wollspinnerei, Gerberei, Obstbau, Viehzucht und (1885) 2539 meist evang. Einwohner. In der Nähe die Ruinen der Otterburg.

Otterburn (spr. -börn), Dorf in der engl. Grafschaft Northumberland, am Rede (Nebenfluß des Tyne), 13 km nordöstlich von Bellingham, in dessen Nähe 10. Aug. 1388 die Schlacht von O. zwischen dem Grafen Douglas und Henry Percy (Heißsporn) stattfand, in welcher der erstere fiel.

Otterköpfchen, s. Kauri.

Ottern, s. v. w. Vipern (s. d.).

Otterndorf, Hauptstadt des Kreises Hadeln im preuß. Regierungsbezirk Stade, an der Medem und der Eisenbahn Harburg-Kuxhaven, hat ein altes Schloß, einen kleinen Hafen, ein Realprogymnasium, ein Amtsgericht, eine Knochenmehlfabrik, Schiffahrt und (1885) 1798 fast nur evang. Einwohner.

Otternfelle, die Felle der Fischottern, bilden ein beliebtes Pelzwerk, welches im Handel, von den geringsten zu den besten Qualitäten aufsteigend, in folgenden Sorten vorkommt: ostindische, mexikanische, spanische, französische, deutsche, russische, dänische, schwedische, süd- und nordamerikanische, die der Hudsonbailänder, aus Neuengland und Labrador. Diese letztern sind hellbraun bis bräunlichschwarz mit sehr dichtem und seinem Grundhaar und werden besonders in China zu Männermützen benutzt. In Bayern macht man daraus Hauben für Frauen, in Preußen Husarenmützen, in Kanada Frauenhandschuhe. Die Seeotternfelle (virginische Ottern, Kamtschatkabiber) aus Kalifornien, Alaska, Kamtschatka und Nordasien sind braunschwärzlich mit silberglänzendem, langem, dichtem, samtartigem Haar; sie sind sehr kostbar (bis 1500 Mk. pro Stück), werden in Rußland zu Mantelkragen und Kopfbedeckungen benutzt, und die Mandarinen, welche sie dem Zobel vorziehen, tragen ganze Röcke daraus.

Ottersleben (Groß- und Klein-O.), zwei Pfarrdörfer im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Wanzleben, 6 km südwestlich von Magdeburg, haben ausgezeichneten Ackerbau, 2 große Zuckerfabriken, 6 Zichoriendarren, Ziegeleien und (1885) 5723, bezw. 1751 meist evang. Einwohner.

Ottery-Saint-Mary (spr. -ssent-mähri), Stadt im östl. Devonshire (England), am Otter, hat Spitzenklöppelei und (1881) 2924 Einw.

Ottétto, s. Oktett.

Ottilienberg (Odilienberg), ein 820 m hoher Gipfel der Vogesen, mit schöner Aussicht, über der Stadt Barr in Unterelsaß (Kreis Molsheim). Auf der Höhe desselben befinden sich noch alte Befestigungen (Heidenmauer) und das Ottilienkloster (Hohenburg), an seinem Fuß Niedermünster, zwei Klöster, die um 680 vom Alemannenherzog Eticho I. zu Ehren seiner Tochter Ottilia, der Schutzpatronin des Elsaß, gegründet wurden, im Ruf hoher wissenschaftlicher Bildung standen, seit der Mitte des 16. Jahrh. aber verfielen. Das Kloster auf dem O. ist im 17. Jahrh. und zuletzt noch 1853 wiederhergestellt worden. Vgl. Schricker, Der Odilienberg (Straßb. 1874); Mampell, Die Heidenmauer auf dem O. (das. 1886); Reinhard, Le mont Sainte-Odile (Par. 1888).

Öttingen, ein seit 1806 mediatisiertes Reichsfürstentum im ehemaligen schwäbischen Kreis, eine fruchtbare Landschaft von 990 km (18 OM.), jetzt teils zum bayrischen Regierungsbezirk Schwaben, teils zu Mittelfranken, teils zum württembergischen Jagstkreis gehörig. Ein Teil derselben bildet das sogen. Ries. Die gleichnamige Hauptstadt liegt im bayrischen Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Nördlingen, an der Wörnitz und der Linie Pleinfeld-Augsburg-Buchloe der Bayrischen Staatsbahn, 415 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, eine Synagoge, eine Lateinschule, ein Schloß (Residenz des Fürsten von Ö.-Spielberg), eine Schranne, Orgelbauerei mit Dampfbetrieb, Tabaks- und Maschinenfabrikation und (1885) 3156 meist kath. Einwohner.

Öttingen, in den beiden Linien Ö.-Spielberg und Ö.-Wallerstein blühendes Geschlecht, das seine Abstimmung auf die alten schwäbischen Herzöge zurückführt, war schon in den frühsten Zeiten im Riesgau ansässig und seit dem 13. Jahrh. im erblichen Besitz der Grafschaft Ö. Ersterer Zweig wurde 1734 in den Fürstenstand erhoben, letzterer erhielt 1774 die Reichsfürstenwürde und 1808 das Oberhofmeisteramt des Königreichs Bayern als Kronlehen. Der gegenwärtige Fürst von Ö.-Spielberg ist Albrecht, erblicher bayrischer Reichsrat, geb. 21. Juni 1847; der gegenwärtig Fürst von Ö.-Wallerstein Karl, geb. 16. Sept. 1840. Der namhafteste Sprößling des Geschlechts ist des letztern Oheim Ludwig Krafft Ernst, Fürst von Ö.-Wallerstein, geb. 31. Jan. 1791, folgte seinem Vater, dem Fürsten Krafft Ernst, 1802 unter Vormundschaft seiner Mutter, einer Tochter des Herzogs Ludwig von Württemberg, weigerte sich 1806, in französische Dienste zu treten, was die Mediatisierung seines Fürstentums zur Folge hatte, studierte in Landshut, besonders unter Savigny, und wurde dann in Bayern Kronobersthofmeister und Reichsrat. 1812 übernahm er die Verwaltung seiner Besitzungen und begann eine Sammlung von mittelalterlichen Rüstungen und Waffen, Glasgemälden, Münzen und Schnitzwerken, besonders aber von Gemälden, welche König Ludwig I. 1828 großenteils für seine Galerie erwarb. 1813 leitete er die allgemeine Landesbewaffnung in Schwaben, Südfranken und einem Teil Altbayerns. Seine politische Wirksamkeit begann er 1815 als erster ständischer Kommissar auf dem württembergischen Landtag, wo er viel zur Vollendung des Verfassungswerkes beitrug. Nicht minder war er als Vertreter des konstitutionellen Prinzips bei Entwerfung des bayrischen Staatsgrundgesetzes thätig. Auf dem Landtag von 1822 rügte er freimütig die Mängel der Büreaukratie, zog sich aber dadurch die Feindschaft der herrschenden Partei in hohem Maße zu, so daß ihm die Regierung, als er sich 7. Juli 1823 mit Maria Crescentia Bourgin, der Tochter seines Garteninspektors in Hohenbaldern, vermählte und deshalb die Standesherrschaft seinem jüngern Bruder, Friedrich von Ö. (geb. 16. Okt. 1793, gest. 5. Nov. 1842), überließ, das Kronamt und den Sitz in der Kammer entzog. König Ludwig gab ihm jedoch