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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ozeanien

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Ozeanien (Besitzungen europäischer Staaten).

verstehen sie es, Thongefäße herzustellen, eine Kunst, welche den Polynesiern unbekannt war. Am besten gearbeitet unter allen ihren gewerblichen Produkten sind ihre Waffen, was bei ihrem kriegerischen Charakter natürlich ist. Bogen und Pfeile (öfters vergiftet) finden sich fast überall, dazu kommen Speere, Keulen, Schilde. Alles in allem steht die Gewerbthätigkeit der Melanesier nur in einigen Punkten hinter derjenigen der Polynesier zurück, übertrifft sie aber in vielen andern. Die Hauptnahrung besteht in Vegetabilien, und zwar bildet sie in Ostmelanesien der Taro, in Westmelanesien, speziell Neuguinea, der Saga. Die Zubereitung ist ganz ähnlich der polynesischen. Als geistiges Getränk ist auch hier die Kawa üblich, die aber nach W. zu abnimmt, wo Tabak und Betel an ihre Stelle treten. Bei den meisten melanesischen Stämmen besteht noch heute die Menschenfresserei; auf Fidschi bediente man sich dabei besonderer Gabeln. In der Familie nimmt die Frau eine sehr untergeordnet Stellung ein; durch Kauf erworben, hat sie ein hartes Los; fast alle Arbeiten liegen ihr ob. Polygamie herrscht fast überall. Von den religiösen Vorstellungen der Melanesier wissen wir wenig, allein dies wenige genügt, um eine Verwandtschaft derselben mit denen der Polynesier darzuthun. Verehrung wird nicht sowohl den von allen Mitgliedern eines Stammes anerkannten obern Göttern zu teil als vielmehr den aus den Seelen Verstorbener hervorgegangenen Göttern, welche durch Bilder, aber auch durch Tiere, Steine u. a. repräsentiert werden. Priester, welche auch als Zauberer auftreten, bringen die Opfer dar, die in Speisen, auch in Menschen bestehen. Auf den südlichen Inselgruppen gilt auch das Tabu. Die Leichenfeierlichkeiten sind bei Vornehmen groß, die Bestattung ist überall sorgfältig und der Glaube an eine Fortdauer nach dem Tod allgemein. Die politischen Institutionen sind denen der Polynesier verwandt; doch herrscht auf manchen Gruppen vollständige Demokratie, wogegen auf andern die Häuptlinge bestimmte und nicht geringe Verehrung genießen. Über die Sprachen der Melanesier s. Malaiisch-polynesische Sprachen.

Der erste Verkehr der Melanesier mit Europäern begann im Anfang dieses Jahrhunderts und zwar auf den südlichsten Archipelen, welche von europäischen und australischen Händlern, um das dort wachsende wertvolle Sandelholz zu holen, besucht wurden. Dieser Verkehr wurde für die Eingebornen im höchsten Grad unheilvoll. Später kamen englische protestantische und französische katholische Missionäre, deren Einfluß ein sehr günstiger gewesen ist, und der sich gegenwärtig bereits über mehrere Inselgruppen erstreckt. Die Besitzergreifungen ganzer Inselgruppen durch europäische Mächte haben auf diesen wenigstens einen lebhaften Verkehr zwischen Europäern und Eingebornen entstehen lassen, der auch durch die Anwerbungen von Arbeitern für die Pflanzer von Queensland, Samoa, Neukaledonien u. a. befördert worden ist, allerdings sehr wenig zum Vorteil der Eingebornen selber, die häufig genug nur durch gewaltsamen Raub in den Dienst ihrer weißen Herren gebracht werden konnten.

Besitzungen europäischer Staaten.

Von dem Gesamtareal Ozeaniens ist nur noch der kleinere Teil im Besitz der eingebornen Herren. Spanier und Holländer haben hier schon seit zwei Jahrhunderten allerdings meist nur nominelle Erwerbungen gemacht, die Engländer erst seit Beginn dieses Jahrhunderts, die Franzosen in neuerer, Deutschland aber erst in der allerneuesten Zeit. Amerikaner erheben offiziell auf keinen Teil Ozeaniens Ansprüche. Die Niederlassungen amerikanische Unternehmer auf einigen kleinen Inselgruppen zur Ausbeutung von Guano und zur Bereitung von Kopra und Trepang sind durchaus privater Natur und wurden nach Erschöpfung der Fundstätten bereits wieder aufgegeben; doch haben die Vereinigten Staaten von Nordamerika sich auf der Insel Tutuila in der Samoagruppe den Hafen Pago Pago als Kohlenstation abtreten lassen, gerade wie das Deutsche Reich die Häfen Taulanga auf Wawau (Tonga), Makata (Duke of York) und Jaluit (Marshallgruppe) erwarb. Gegenwärtig aber ist der Besitzstand des Deutschen Reichs einer der bedeutendsten im Stillen Ozean. Sicherlich wird auch der noch freie Teil Ozeaniens bald in die Hände der europäischen Mächte, welche sich in diesem Gebiet Konkurrenz machen, also Deutschlands, Englands und Frankreichs, und wohl auch der Vereinigten Staaten von Nordamerika übergehen. Der Hawai-Archipel wird den letztern vermutlich sehr bald als reife Frucht zufallen, während der Samoa-Archipel durch den Einspruch Deutschlands und Englands bisher noch vor Annexion bewahrt wurde. Die Besitzergreifung sämtlicher noch freier Inseln durch England wird sehr entschieden von den australischen Kolonisten befürwortet, die durch ihre energischen Proteste die beabsichtigte Okkupation der Neuen Hebriden durch Frankreich verhinderten. Der gegenwärtig Besitzstand europäischer Mächte in O. ist der folgende:

QKilom. QMeil. Bewohner

Neuseeland 270392 4910,6 605736

Kermadecinseln 55 1,0 -

Lord Howes Insel 9,3 0,15 65

Aucklandsinseln 509 9,25 -

Norfolkinsel 44 0,8 663

Fidschiinseln 20807 377,78 127448

Rotumah 36 0,65 2450

Caroline 5,5 0,1 -

Starbuck 3 0,05 -

Malden 89 1,6 79

Fanning 40 0,7 150

Südöstliches Neuguinea 229100 4161,0 137500

Englische Besitzungen: 521090 9463,68 874091

Niederländ. Besitzungen:

Westhälfte von Neuguinea und Nebeninseln 397202 7213 250000

Nordöstliches Neuguinea 181650 3299 109000

Neubritannia-Archipel 47100 855,4 188000

Marshallinseln 400 7,3 11000

Nördliche Salomoninseln 22200 403 80000

Deutsche Besitzungen: 251350 4564,7 388000

Neukaledonien u. Dependenzen 19950 362,3 56463

Uea 96 1,7 3500

Tahiti und Dependenzen 3658 66,4 22646

Französische Besitzungen: 23704 430,4 82609

Marianen 1140 20,7 8665

Karolinen 1450 26,3 36000

Spanische Besitzungen: 2590 47,0 44665

Der Wert der Inseln Ozeaniens (mit Ausschluß von Neuseeland) liegt in den Produkten, welche der Boden spontan oder seit dem Kommen der Europäer durch die Kultur hervorbringt, und dem Erträgnis der Seefischerei. Von Mineralien hat man bisher nur auf Neukaledonien (Gold, Kupfer: Nickel) eine nennenswerte Ausbeute gefunden. Die gegenwärtig in den Welthandel kommenden Produkte sind in erster Linie Kopra, Baumwolle, Zucker, Kaffee, Perlmutter: Perlen, Trepang. Diese Produkte werden teils von den Eingebornen eingehandelt, teils auf den von den Euro-^[folgende Seite]