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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ozorków; Ozumatlan

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Ozorkow - Ozumatlan.

wir drei Modifikationen des Sauerstoffs zu unterscheiden:

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Gewöhnlicher Sauerstoff Ozon Antozon.

Dies neue Antozon wäre aber von dem Schönbeinschen ganz verschieden, da man sich nicht aus seiner Vereinigung mit O. den gewöhnlichen Sauerstoff konstituiert denken kann.

Das O. als Bestandteil der Atmosphäre spielt offenbar vermöge seiner chemischen Eigenschaften eine große Rolle im Haushalt der Natur. Der Ozongehalt der Luft ist stets nur äußerst gering (100 Lit. Luft enthalten 0,000002-0,00001 g O.); aber man bemerkt auch stets nur den augenblicklich disponibeln Rest des überhaupt sich bildenden Ozons, weil das letztere immer sehr bald Gelegenheit findet, sich mit oxydierbaren Körpern zu verbinden. Zuverlässige Methoden zur Bestimmung des Ozongehalts der Luft sind nicht bekannt, doch gibt die Farbenveränderung der erwähnten ozonometrischen Papiere (Ozonometer) einigen Anhalt zur Schätzung desselben, wenn man Feuchtigkeitsgehalt und Bewegung der Luft mit in Betracht zieht, was bisher durchaus nicht immer geschehen ist. Mittels dieser Papiere hat man gefunden, daß Zimmerluft niemals O. enthält. Im Freien ist relativ feuchte Luft ozonreicher als trockne, und parallel dem Steigen und Fallen des Feuchtigkeitsgehalts der Luft im Lauf des Jahrs erreicht der Ozongehalt vom März bis Mai sein Maximum, vom September bis November sein Minimum. Süd- und Südwestwind erhöht mit der Feuchtigkeit den Ozongehalt der Luft, während Ost- und Nordostwind ihn herabdrückt. Bei feuchtwarmer, regnerischer, stürmischer Witterung und bei Gewitter ist die Luft in der Regel sehr ozonreich, bei starkem Nebel aber ganz ozonfrei: Mit der Stärke des Windes wächst der Ozongehalt, aber Blitze zeigen nur einen geringen, oft gar keinen Einfluß. Die Nähe der Meere und großer Seen, Wälder, feuchte Gebirgshöhen wirken günstig auf den Ozongehalt der Luft. Im Wald ist aber nicht die Sauerstoffausatmung des Laubes als Ozonquelle zu betrachten, sondern wahrscheinlich nur die Feuchtigkeit; ebenso bildet feuchter Boden an seiner Oberfläche O., und dadurch erklärt sich die bleichende Wirkung einer Schnee- oder feuchten Rasendecke. Enthält der Boden aber faulende organische Stoffe, so wirken die aus ihm aufsteigenden Gase desozonisierend; daher ist die Luft in dicht bevölkerten Städten ozonfrei, und auch in der Nähe von Dungstätten, Viehställen etc. findet man in der Regel kein O., im Wald aber die größte Ozonmenge in den Wipfeln der Bäume. Die Wirkung des Ozons in der Luft besteht vor allem in der Zerstörung von Fäulnisgasen, die aus zerfallenden Pflanzen- und Tierstoffen aufsteigen, und man hat deshalb auch dem O. der Atmosphäre eine große Bedeutung für das Auftreten epidemischer Krankheiten zugeschrieben. Die Luft enthält im Herbst am wenigsten O.; in dieser Zeit werden auch Darmkatarrhe, Ruhrkrankheiten häufiger, es entstehen Choleraepidemien, Malariakrankheiten, Typhusepidemien etc. Ob nun aber thatsächlich Beziehungen zwischen beiden Erscheinungen bestehen, ist bis jetzt noch völlig ungewiß. Man ist auch noch weiter gegangen und hat die Salubrität der Luft im allgemeinen nach dem Ozongehalt bemessen wollen. Das O. wirkt aber keineswegs direkt günstig auf den Körper. Ozonisierter Sauerstoff, welcher höchstens 10 Proz. O. enthält, tötet kleine Tiere, welche man darin atmen läßt. Die Respiration wird dabei verlangsamt, der Puls geschwächt und das Blut in allen Körperteilen in venöses verwandelt. Diese Wirkung ist auf das hohe Volumgewicht des Ozons (24), welches das der Kohlensäure noch übertrifft und darum die Diffusion der Kohlensäure aus dem Blut verzögert, zurückzuführen. Außerdem aber wirkt das O. reizend auf die Schleimhäute, zerstörend auf die Gewebe, und man hat es geradezu eins der energischten Gifte genannt. Ebenso wie die Infektionskrankheiten mit dem geringen Ozongehalt der Luft im Herbst in Verbindung gebracht sind, hat man auch die Krankheiten der Atmungsorgane, Katarrhe und Lungenentzündungen mit den Schwankungen des Ozongehalts der Luft verglichen und gefunden, daß jene Krankheiten gleichzeitig mit dem Ozongehalt ihr Maximum erreichen und mit dem letztern schnell abnehmen. Nachts ist die Luft ozonreicher als am Tag, und man weiß, wie leicht man sich in der Nachtluft einen Katarrh zuzieht. Nach allem diesem erscheint die Anwendbarkeit des Ozons zu Heilzwecken mindestens unsicher; die Benutzung einer Ozonlösung (Ozonwasser) ist aber, ganz abgesehen von deren zweifelhafter Natur, an sich sehr unrationell, weil ihr Ozongehalt im Magen jedenfalls völlig zerstört wird und sicher auch nicht die geringste Menge O. ins Blut gelangt. Auch bei der Einatmung zerstäubten Ozonwassers wird das O. schon auf dem Weg zu den Respirationsorganen völlig zersetzt. Überdies ist nachgewiesen, daß in den Lungen, wahrscheinlich durch den Blutfarbstoff, der eingeatmete Sauerstoff ozonisiert wird, so daß also der Körper jedenfalls viel mehr O. selbst erzeugt, als man ihm zuführen kann. Dieser Thatsache gegenüber scheint auch der höhere Ozongehalt der Luft im Wald oder im Gebirge für die Salubrität derselben mindestens von geringem Wert und nur insofern wichtig zu sein, als er unzweideutig die Reinheit der Luft darthut, während die Abwesenheit von O. dem Verdacht Raum gibt, daß die Luft der Gesundheit schädliche Stoffe enthalte. Man hat auch versucht, das O. technisch zu benutzen; doch fehlt bis jetzt eine hinreichend wohlfeile Ozonquelle. Rasenbleiche und Desinfektion mittels ätherischer Öle beruhen allerdings auf Ozonwirkung, ebenso das Bleichen von Elfenbein mit Terpentinöl am Licht und an der Luft; die Darstellung von ozonreicher Luft und deren Benutzung zur Darstellung von Essigsäure und zur Reinigung von Alkohol scheint aber mindestens aus dem Versuchsstadium noch nicht herausgetreten zu sein. Vgl. Dachauer, Ozon (Münch. 1864); Meißner, Untersuchungen über den elektrischen Sauerstoff (Götting. 1869); Hammerschmied, Das O. und seine Wichtigkeit im Haushalt der Natur und des menschlichen Körpers (Wien 1873); Fox, Ozone and Antozone (Lond. 1873); Day, Ozone in relation to health and disease (das. 1879); Engler, Historisch-kritische Studien über das O. (Leipz. 1880).

Ozorków, Stadt, s. Osorkow.

Ozumatlan, Stadt im mexikan. Staat Michoacan, etwa 60 km östlich von Morelia, früher durch seine Bergwerke blühend, die seit 1881 teilweise Eigentum einer amerikanischen Gesellschaft sind.