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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Paladilhe - Palamas.

starb 26. Juni 1876 in Prag. Von seinen Werken sind noch hervorzuheben: "Würdigung der alten böhmischen Geschichtschreiber" (Prag 1830, neue Ausg. 1869); "Synchronistische Übersicht der höchsten Würdenträger, Landes- und Hofbeamten in Böhmen" (das. 1832); "J. ^[Joseph] Dobrowskys Leben und gelehrtes Wirken" (das. 1833); "Litterarische Reise nach Italien im Jahr 1837 zur Aufsuchung von Quellen der böhmischen und mährischen Geschichte" (das. 1838); "Die ältesten Denkmäler der böhmischen Sprache" (mit Schafarik gemeinschaftlich, das. 1840); "Archiv český", seit 1840); "Über Formelbücher, zunächst in Bezug auf böhmische Geschichte" (das. 1842-47, 2 Lfgn.); "Österreichs Staatsidee" (das. 1866); "Die Geschichte des Hussitentums und Professor Konstantin Höfler, kritische Studien" (das. 1868); "Urkundliche Beiträge zur Geschichte des Hussitenkriegs" (das. 1872-74, 2 Bde.); "Documenta Magistri Joannis Hus vitam, doctrinam, causam etc. illustrantia" (das. 1869); "Gedenkblätter etc. aus den letzten 50 Jahren" (das. 1874); "Zur böhmischen Geschichtschreibung; aktenmäßige Aufschlüsse und Worte der Abwehr" (das. 1871). - Auch sein Sohn Johann, geb. 10. Okt. 1830 zu Prag, Professor daselbst, hat sich durch wissenschaftlich-geographische Arbeiten in tschechischer Sprache bekannt gemacht.

Paladilhe (spr. -dīj), Emile, franz. Komponist, geb. 3. Juni 1844 in einem Dorf bei Montpellier, kam schon mit neun Jahren auf das Pariser Konservatorium, wo er Schüler Marmontels (Klavier) und Halévys (Komposition) wurde, gewann 1860 den großen Römerpreis und ist gegenwärtig Professor und Mitglied der Studienkommission am genannten Konservatorium. P. hat bisher drei komische Opern geschrieben, von denen die ersten beiden: "Le passant" (1872) und "L'amour africain" (1874), ein modernes Gewand zeigen, während er mit seiner "Suzanne" (1878) sich der ältern auf Melodiebildung bedachten Richtung zugewandt hat. Von seinen sonstigen Kompositionen seien noch genannt: eine Symphonie, zwei Messen, das Klavierstück "Mandolinata", welches seinen Namen in Deutschland populär gemacht hat.

Paladīn (franz., ital. paladino, v. mittellat. palatinus), mittelalterliche Bezeichnung der zur Umgebung eines Fürsten gehörigen und in seiner Hofstatt (palatium) wohnenden Vornehmen; in den alten Ritterromanen Name der Ritter von der Tafelrunde des Königs Artus und später der Helden Karls d. Gr.; dann allgemein s. v. w. Ritter, Beschützer.

Pala d'oro, ein aus dem 10. Jahrh. stammendes, von Goldarbeitern in Konstantinopel ausgeführtes Antependium (Altarvorsatz) in der Markuskirche zu Venedig, welches sich jetzt an der Rückseite des Hochaltars befindet und nur an hohen Festtagen gezeigt wird. Es ist 3,5 m breit und 1,4 m hoch und aus Gold- und Silbertafeln zusammengesetzt, die mit zahlreichen Emailmalereien (Szenen aus dem Leben Christi etc.), mit Perlen und Edelsteinen geschmückt sind.

Palafox y Melzi (spr. -fōs i meldsi), Don José de P., Herzog von Saragossa, geb. 1780 aus einer vornehmen aragonischen Familie, diente in der spanischen Garde zuletzt mit dem Rang eines Brigadegenerals und ward nach dem Ausbruch des Aufstandes gegen die französische Herrschaft zum Generalkapitän von Aragonien ernannt. Nachdem er den Einfall der Franzosen in Aragonien unter dem Marschall Lefebvre vergeblich zu verhindern gesucht, verteidigte er Saragossa vom 27. Juli bis 14. Aug. 1808 gegen den Feind, mußte sich aber, seit 20. Dez. hier von neuem belagert, 21. Febr. 1809 kriegsgefangen ergeben. P. ward krank nach Frankreich abgeführt, wo er bis zum Abschluß des Vertrags von Valençay (11. Dez. 1813) zurückgehalten wurde. Bei der Auflösung der Cortes 4. Mai 1814 erklärte sich P. für die unumschränkte königliche Gewalt und ward darauf zum Generalkapitän von Aragonien ernannt, wo er der Anarchie der Bürgermilizen Einhalt that. Bei der Revolution von 1820 verlor er alle seine Würden und blieb bis zur Befreiung des Königs (1823) ohne Anstellung, dann lebte er als General in Madrid. Nach Ferdinands Tod erklärte er sich für die junge Königin und das Estatuto real, ward 1836 zum Herzog von Saragossa, 1837 zum Mitglied des immerwährenden Ausschusses der Granden und zum Generalkapitän der Garden ernannt. Er starb 16. Febr. 1847 in Madrid.

Palafreniēre (ital., franz. Palefrenier), Pferde-, Stall-, Reitknecht.

Palagonite, nach dem Fundort Palagonia auf Sizilien benannte Mineralien, kommen derb, oft auch (in Tuffen) in Körnern und Brocken, in vielen vulkanischen (Island, pazifische Küsten) und Basaltdistrikten (Kassel) vor. Die P. sollen amorph sein, sind meist gelblich und bräunlich, fettglänzend, durchscheinend, pechsteinartig, von diesen ähnlichen Substanzen aber durch ihre Härte (4-5) unterschieden. Sie sind im allgemeinen stark wasserhaltige und mehr oder weniger eisenreiche Silikate von Thonerde, Kalk, Bittererde, Kali und Natron. Die stets vorkommende teilweise Vertretung der Thonerde durch Eisenoxyd unterscheidet sie von den Zeolithen.

Palagonīttuff, s. Basalte, S. 415.

Palais (franz., spr. -läh), Palast (s. d.).

Palais, Le (spr. lö paläh), Stadt im franz. Departement Morbihan, Arrondissement Lorient, Hauptort der Insel Belle-Isle, am Ozean, hat einen Hafen, eine starke Citadelle und Umwallungsmauern, einen Leuchtturm, ein Militärhospital und (1881) 2662 Einw., welche Fischfang, Zubereitung von Fischen, Fabrikation von Konserven und lebhaften Handel betreiben. In den Hafen von P., welcher mit dem von Auray in täglicher Paketbootverbindung steht, sind 1885: 513 Schiffe mit 16,385 Ton. eingelaufen.

Palais-Royal (spr. palä-rŏajáll, "königlicher Palast"), ein vom Kardinal Richelieu 1629-34 gegenüber dem Louvre zu Paris erbauter Palast, welchen nach seinem Tode die Witwe Ludwigs XIII. mit ihren Söhnen Ludwig XIV. und Philipp von Orléans bewohnte. Später bewohnte ihn letzterer allein mit seiner Gattin Elisabeth Charlotte von der Pfalz. Von da ab blieb er im Besitz der Orléans. Philipp Egalité ließ 1781 bis 1786 den Garten mit Gebäuden umgeben, welche sich nach dem Garten in Arkaden öffneten. Sie wurden an Kaufleute und Gastwirte vermietet und dienen noch heute diesem Zweck. Zur Zeit der Revolution war dieser Teil des P. der Sammelplatz aller unruhigen Köpfe. Während der Revolution von 1848 wurde das Innere des P. gänzlich verwüstet, und während der Kommuneherrschaft im Mai 1871 wurde der südliche Flügel niedergebrannt, aber später wieder aufgebaut. Er dient jetzt dem Staatsrat. Im südwestlichen Teil befindet sich das Théâtre-Français (s. d.). - Ein andres im P. befindliche Theater, das Théâtre du P., 1783 erbaut, besonders seit 1830 in Aufnahme gekommen, kultiviert namentlich Lustspiel und Posse niedern Genres. Vgl. Hugot, Histoire du théâtre du P. (Par. 1886).

Palamas, Gregorios, aus Asien gebürtig, lebte am Hof des Kaisers Johannes Kantakuzenos in angesehener Stellung, zog sich aber als Mönch in ein