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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Palästina

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Palästina (Bodenbeschreibung).

(Wadi Modschib). Somit beträgt die größte Breite Palästinas im S. etwa 133 km, die geringste im N. 60-70 km, die größte Länge von Bersaba bis Dan 230, vom Arnon bis Dan 200 km. Der Flächeninhalt belief sich rund auf 24,800-27,500 qkm (450 bis 500 QM.); ihn genau anzugeben, ist unmöglich, da nach allen Seiten die Grenzen oft wechselten, wie denn z. B. die Stämme des Ostjordanlandes mit den Nachbarvölkern (Syrern und Moabitern) im steten Kampf um ihr Land lagen.

Das so umgrenzte Gebiet zerfällt in vier von Natur scharf geschiedene Teile: die Ebene am Meer, das westjordanische Hochland, die Jordanniederung und das ostjordanische Hochland. Die Ebene am Meer hat vom Vorgebirge Karmel im N. bis Gerar (Umm Dscherâr) im S. eine Länge von 165 km und eine durchschnittliche Breite von 15 km. Das Gestade selbst ist flach und sandig, mit Dünen besetzt und zu Landungsplätzen wenig geeignet. Erst nördlich von Cäsarea (Kaisarieh) tritt das Gebirge stellenweise steiler an das Meer heran und wird buchtenreicher, bis nördlich vom 33. Breitengrad im eigentlichen Phönikien Steilküsten die Regel bilden. Jene Ebene, das eigentliche Kanaan, ist ein besonders in seiner nördlichen Hälfte ungemein fruchtbarer Alluvialboden, welcher im Altertum, von wenigen Ausnahmen im Hochland abgesehen, die meisten und größten Städte von ganz P. trug. Ihre südliche Hälfte hieß Sephela, ihre nördliche Saron; Joppe oder etwa der 32. Breitengrad machte die Grenze. Auf diese Ebene, deren östlichste Teile am Fuß des Hochlandes eine Höhe von 50-80 m erreichen, folgt östlich ein terrassenförmiges Hügelland von derselben Breite wie die Ebene und von 200-500 m Meereshöhe und, damit zusammenhängend, das westjordanische Hochland von 600-900 m Höhe. Ursprünglich hingen das west- und ostjordanische Plateau, deren Höhenverhältnisse und geologische Beschaffenheit sich genau entsprechen, zusammen und wurden erst in der Tertiärzeit durch Spaltung und tiefe einseitige Senkung des dazwischenliegenden Teils, des jetzigen Jordanthals (Ghor), voneinander getrennt. Dies beweisen unter anderm die auf dieser Spalte hervortretenden heißen Quellen und Erdbeben. Erstere sprudeln in Hamath (jetzt Hamam) bei Tiberias, in Amatha beim heutigen Mkes und in der Kallirrhoe im Thal des Wadi Zerka Ma'in. Die geologische Zusammensetzung dieser Plateaus, welche, westlich vom Jordan durch Ebenen unterbrochen, das Verbindungsglied des Libanon und Hermon im N. mit dem Sinai und den westarabischen Gebirgen im S. bilden, ist im großen folgende. Urgebirgsmassen (Granit und Gneis) bilden die beiden Ufer des Roten Meers und die südliche Sinaihalbinsel und reichen nördlich vereinzelt bis in die Nähe des Toten Meers. Diese Urgesteine werden nördlich von einem (auch in Nubien weitverbreiteten) sehr harten, braunroten bis schwärzlichen Sandstein überlagert, welcher nordwärts bis an das südöstliche Ufer des Toten Meers reicht und an den Westabhängen des Libanon und Antilibanon wieder zu Tage tritt. Diesem Sandstein ist ein zur untern Abteilung der Kreideformation gehöriger Kalkstein (Neokom) aufgelagert, welcher die Hauptmasse des Libanon und Hermon, das ganze ost- und westjordanische Plateau und die nördliche Hälfte der Sinaihalbinsel bildet und noch im Nilthal weit nach S. hinaufreicht. Erdige Kreide, öfters mit Feuersteinbänken, Kreidemergel, Kreidekalk etc., liegt größtenteils in ungestörten Lagerungsverhältnissen übereinander. Nummulitenkalk, dem untern Tertiär angehörig, tritt nur selten (z. B. am Karmel, am Ebal und Garizim, nördlich und südlich von Sichem) auf. Der quartären Formation gehören die Ebenen, wie Jesreel (s. unten), Sephela und Saron, das Ghor u. a., an, während vulkanische Erscheinungen, namentlich Basalte, im N. auftreten. Vulkanisch ist der Dschebel Hauran mit seinen zahlreichen Eruptionskegeln und das Produkt derselben, das Lavaplateau Trachon (Ledscha), ferner die Landschaft Gaulonitis (Dscholân) westlich von Merom- und Tiberiassee, mit einer doppelten, genau nordsüdlich verlaufenden Vulkanreihe, sowie westlich vom Jordan einzelne Partien bei Nazareth, Tiberias und Safed.

Das westjordanische Plateau fällt gegen W. und O. mit sehr scharfen Rändern ab; diese Naturform war es, welche die Isolierung des Landes begünstigte, Schutz gegen feindliche Angriffe darbot und somit einen wesentlichen Einfluß auf die Entwickelung des jüdischen Volkes ausgeübt hat. Von S. (Idumäa) her ist der Aufstieg zum Gebirge Juda kein so steiler, wie aus folgenden Höhenzahlen erhellt: Bersaba 335 m, weiter nördlich Dhaharie 662 m, Es Semua 694 m, endlich Hebron auf dem Plateau 885 m. Letzteres selbst steigt unweit östlich von Hebron zu 963 m, in Herodion (Dschebel Ferdis) zu 813 m, westlich von Bethlehem zu 1040 m, in Jerusalem zu 760 m an. Die das Plateau mitten durchziehende große Straße von Hebron über Jerusalem nach Sichem hält sich stets auf oder nahe an der Wasserscheide und zeigt nur geringe Höhenunterschiede. An fruchtbaren Ebenen besitzt dieses Gebirge nur das Thal Rephaim, südwestlich von Jerusalem. Berühmt ist der Dschebel Karantel (s. Quarantana) über Jericho, welcher senkrecht über 300 m in das Ghor abfällt. Dieser Berg gehört schon zum Gebirge Ephraim, welches alles Land von Kiriath Jearim (Kariet el Enab) und Jerusalem bis zum Gebirge Karmel und der Ebene Jesreel umfaßt. Dasselbe ist ziemlich fruchtbar und auch heute noch relativ gut angebaut, umschließt auch, besonders in seinem nördlichen Teil, der Landschaft Samaria (s. d.), mehrere kleinere Ebenen, wie die von Sichem (ca. 600 m), Samaria (ca. 500 m) und Tamun. Gegen den Jordan hin sind seine Abhänge kahl und rauh, die Felsschluchten wild und öde und von jeher ein Zufluchtsort für Räuber. An einzelnen Bergen sind hier zu nennen: der von Mizpa (Nebi Samwil, 914 m), der spitze Karn Sartabe (310 m ü. M., 567 m über dem Jordanthal), der Ebal (924 m) und Garizim (864 m), in der Nähe von Sichem. An das Gebirge Ephraim schließen sich nördlich die Gebirge Gilboa (523 m, heute Dschebel Fukua) und Karmel an, welche beide von SO. nach NW. ziehen, die Ebene Jesreel einschließen und die Grenze zwischen Samaria und Galiläa bilden. Der Karmel (jetzt Eliasberg genannt) ist reich an Quellen und Vegetation, erhebt sich bis zu 570 m Höhe, ist ca. 52 km lang und fällt schroff gegen das Meer ab. Auch die Ebene Jesreel (Esdrelon) erstreckt sich von SO. nach NW. und ist, vom Kison (Nahr el Mukatta'a) durchflossen, heute zwar stellenweise sumpfig, aber sehr fruchtbar. Gegen O. steht sie durch den Einschnitt zwischen dem Gebirge Gilboa und dem Kleinen Hermon (Dschebel Dahi, 553 m) mit dem Jordanthal bei Bethsean (Besan) in Verbindung. Nördlich von ihr erhebt sich das großartige, fruchtbare Gebirgsland von Galiläa, welches im S. von Ebenen durchsetzt ist, im N. sich unmittelbar an den Libanon anschließt. Auf den Kleinen Hermon folgen nördlich der kegelförmige Tabor (615 m), die Berge von Nazareth (Nasira, 545 m), welche nördlich die