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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Palästina

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Palästina (Bewässerung, Klima, Vegetation).

fruchtbare Ebene Sebulon (heute Battauf) begrenzt; dann die Berge über Tiberias (Karn Hattin, 362 m) und das Asamongebirge (Dschebel Dschermak, 1220 m) westlich von Safed. Dann wird das Gebirge zum Fluß Lita (Litani) hin wieder niedriger.

Der dritte Hauptteil von P. ist das Thal des Jordans (s. d.), im Altertum Aulon, heute El Ghor genannt, durchweg eben, an den Mündungen der größern Zuflüsse, wie des Jarmuk (Scheriat el Menadhire), des Jabbok (Wadi Zerka), des Wadi Kefren, am See Genezareth, um Bethsean (s. oben) und namentlich um Jericho etc. fruchtbar, wenn auch wenig bebaut, sonst aus Steppe bestehend. Der Jordan, der einzig namhafte Fluß Palästinas, entspringt am Hermon in 370 m Höhe, durchfließt den See Merom und den See von Genezareth, tritt dann in die Thalspalte des Ghor ein und ergießt sich endlich in das 394 m unter dem Meer gelegene Tote Meer. Die Gebirge des Ostjordanlandes, unter dem Namen Gilead zusammengefaßt, steigen vom Toten Meer und dem Ghor aus steil an und verflachen sich ostwärts mit allmählicher Senkung in das Steppen- und Wüstengebiet Nordarabiens. Von den einzelnen Teilen sind zu nennen: das Gebirge Abarim in Moab mit dem Fluß Arnon (Wadi Modschib), die Gebirge Pisga mit dem Berg Nebo (845 m) und Mizpe (Dschebel Oscha bei Salt, 1058 m); dann nördlich vom Jabbokfluß das eigentliche Gebirge Gilead bis zum tief eingeschnittene Thal Jarmuk und nördlich davon bis zum Hermon und der Nordgrenze Palästinas die vulkanische Landschaft Golan (Dscholan), im Hami Kursuh zu 1198 m, im Tell esch-Schecha zu 1294 m ansteigend. Im allgemeinen ist das Ostjordanland heutigestags besser bewaldet und bewässert als das Westjordanland, und obwohl meist von Beduinen durchzogen und weniger Dörfer enthaltend, entbehrt es doch nicht fruchtbarer Ebenen; hervorzuheben sind namentlich die auf dem Plateau der Belka um Medaba und Baal Me'on (heute Madeba und Mai'n), im Thal des Jabbok und die nicht mehr zum eigentlichen P. gehörige, noch heute Korn exportierende weite Ebene Basan (jetzt En Nukra), westlich vom Hauran. - Unter Wüsten, von denen die Heilige Schrift spricht, ist Steppenland zu verstehen, welches wie im Altertum, so noch heute nur im Winter von Nomaden beweidet wird. So beschaffen ist der größte Teil des Ghor und namentlich die Wüste Juda, welche zwischen dem Toten Meer und den Orten Herodion, Thekoa, Kapharbarucha, Arad und Aroer sich hinzieht, nördlich von der Straße von Jerusalem nach Jericho, südlich etwa vom 31. Breitengrad begrenzt wird.

Der Unterschied im natürlichen Reichtum Palästinas von einst und jetzt ist nicht so bedeutend, als viele glauben. Einerseits sind die Schilderungen der Bibel ("das Land, wo Milch und Honig fließt") von orientalischer Phantasie eingegeben, anderseits ist P., wenn es auch früher eine größere Einwohnerzahl ernährte, wie die überall zahlreichen Reste von Ortschaften, Terrassen, Zisternen etc. beweisen, doch auch noch heute fruchtbar und für den Anbau von Wein, Öl, Gemüsen und allerhand Früchten, weniger von Getreide (wegen der zuweilen großen Trockenheit und der Heuschrecken) sehr geeignet. Nur fehlen ihm menschliche Kräfte und vor allem eine redliche, geordnete Verwaltung, um wieder aufzublühen. Waldreich war das Westjordanland (von Teilen seines westlichen zum Mittelmeer sich senkenden Abfalles abgesehen) wohl nie, und darum sind auch seine Bäche nie viel wasserreicher gewesen als jetzt. In der Regenzeit tosende Gießbäche, trocknen sie schon im April und Mai fast völlig aus und sind zudem für die Bewässerung des Landes wegen ihrer tief eingeschnittenen Schluchten von geringem Wert. Nach dem Meer fließen nur kleine Küstenflüßchen von 35-45 km Länge, wie der Kison (Nahr el Mukatta'a), Kana (Wadi e' Scha'ir), Nahr el Audsche bei Jafa u. a. Die westlichen Nebenflüsse des Jordans und des Toten Meers sind noch kürzer; darunter der bei Jerusalem entspringende und ins Tote Meer mündende Kidron (Wadi en Nar). Bedeutender sind die östlichen Zuflüsse, wie der Jarmuk (Scheriat el Menadhire), der Wadi Adschlun, der Jabbok (Wadi Zerka), der Lasa (Wadi Zerka Ma'in) und der Arnon (Wadi Modschib). Was das Klima Palästinas anlangt, so unterscheiden seine Bewohner eigentlich nur die Regenzeit und die regenlose Periode. Der Frühling fällt von Mitte März bis Mitte Mai und ist, abgesehen von Regenschauern und selbst Hagel und Schnee (auf dem Plateau), die angenehmste Jahreszeit. Im März und April fallen die zum Gedeihen des Getreides und der Weide unentbehrlichen Spätregen, deren Ausbleiben oft Mangel und Hungersnot erzeugt. Von Anfang Mai bis Ende Oktober ist der Himmel fast ohne Ausnahme wolkenlos. Gegen den Sommer hin erscheinen noch Nebel in den Bergen, verschwinden aber im Hochsommer ganz, wo dann die Atmosphäre wunderbar klar ist. Meist fällt alsdann auch während der Nacht Tau, oft tritt sogar empfindliche Kalte ein. Der Wind kommt gewöhnlich von NW.; Ostwind bringt Dürre, während der ermattende, heiße Südwind (Chamsin) immer nur wenige Tage anzuhalten pflegt. Schon Mitte Mai bekommt das Land infolge des Regenmangels ein vertrocknetes Ansehen, und nur bei künstlicher Bewässerung erhält sich die Vegetation noch frisch. Die "Wüste" ist im Sommer völlig verdorrt, so daß die Nomaden sich in die Berge ziehen. Alles Obst reift, die Bäche trocknen aus, der Boden wird steinhart. In den tiefer liegenden Gegenden wird das Getreide schon gegen Ende Mai, weiter oben in der ersten Hälfte des Juni geerntet, so daß um Pfingsten in alter Zeit das Erntefest gefeiert werden konnte. Gegen Ende Oktober zeigen sich zuerst wieder Wolken, und es fallen einige Gewitter- und Frühregen, worauf das Pflügen und Säen beginnt. Die Regen, von einigen schönen Tagen noch unterbrochen, werden häufiger, zu Anfang November entlauben sich die Bäume; der Dezember ist schon stürmischer, nebelig und regnerisch, und schon gegen Ende des Jahrs fällt auf den Bergen etwas Schnee. Januar und Februar sind kalt und bilden den eigentlichen Winter; sie bringen Schnee, der sich aber nur auf den Bergen länger als 24 Stunden hält, und spärliches, rasch schmelzendes Eis auf den Gewässern. Gegen Anfang März bedecken sich die Fluren wieder mit Grün. Die Temperaturunterschiede in P. sind bedeutend; die mittlere Jahreswärme in Jerusalem beträgt +17,5° C. Ganz abweichende Verhältnisse zeigt wegen seiner tiefen Depression das Jordanthal, wo die Hitze schon zu Anfang Mai über 50° steigt und die Ernte bereits Mitte April beginnt.

Die Vegetation des Küstenstrichs ist im ganzen die Mittelmeerflora und wird durch eine Menge immergrüner, schmal- und lederblätteriger Sträucher und rasch verblühender Frühlingskräuter (Oleander, Myrte, Pinie, Ölbaum, Scilla, Tulpe, Anemone, einjährige Gräser) charakterisiert. Östlich vom Libanon und von dem Gebirge Juda beginnt die orientalische Steppenvegetation, durch große Mannigfaltigkeit der Arten, geringen Baumwuchs, dagegen viele Dorngesträuche ausgezeichnet, während das Ghor eine mit indischen und nubischen Formen verwandte