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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Palaver; Palawan; Palazzo; Palazzo Adriāno; Palazzōlo; Pale; Palē; Pale Ale; Palĕa; Palearĭo; Palefroi; Palembang

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Palaver - Palembang.

Wilson, der hier scheiterte und auf Orulong freundliche Aufnahme fand, bekannter. Seitdem werden die Inseln häufig von englischen Schiffen besucht, welche Trepang, Schildpatt und Muscheln daselbst holen. Vgl. Semper, Die P. (Leipz. 1873); Kubary, Die sozialen Einrichtungen der Pelauer (Berl. 1885); Marche, Luçon et Palouan (Par. 1887). Eine treffliche Karte der P. (1:300,000) entwarf Friederichsen (Hamb. 1873).

Palaver (engl., spr. -lawwer, "Geschwätz"), Bezeichnung für die Zusammenkünfte der Angehörigen von Neger- und andern Volksstämmen, um unter Vorsitz der Häuptlinge gemeinsame Angelegenheiten, Kriegszüge etc. zu besprechen. In mehreren Gegenden Afrikas (z. B. in Camerun und im Niam-Niamland) sowie auf Neuguinea bedient man sich eigentümlich kombinierter Paukensignale, die, auf laut klingenden Holztrommeln von Niederlassung zu Niederlassung wiederholt, eine ziemlich entwickelte Schalltelegraphie darstellen und die Stammesangehörigen unter gleichzeitiger Verständigung, um was es sich handelt, in großer Schnelligkeit zusammenrufen.

Palawan, zu den Philippinen gehörige Insel, die sich nordöstlich von Borneo zwischen dem Chinesischen Meer und der Mindorosee von SW. nach NO. lang hinstreckt, 11,855 qkm (215 QM.), mit den umliegenden Inseln (Busuanga, den Calamianen, Dumaran, Balabac) 14,123 qkm (256 QM.) groß, ist an den Küsten eben, im Innern aber gebirgig, waldig, dabei reich bewässert und sehr fruchtbar. Das Klima ist jedoch höchst ungesund. Die malaiische Bevölkerung (ca. 28,000) beschäftigt sich mit Ackerbau (Mais, Yams, Muskatnüsse etc.); auch werden Gold und Eisen gefunden. Der kleinere nördliche Paragoa genannte Teil (1542 qkm), mit dem Hafenort Taitai an der Ostküste, gehört zur spanischen Provinz Calamianes (s. d.), der größere südliche zum Reich des Sultans von Sulu.

Palazzo (ital.), Palast.

Palazzo Adriāno, Stadt in der ital. Provinz Palermo (Sizilien), Kreis Corleone, in gebirgiger Gegend gelegen, mit (1881) 5810 Einw., welche von einer im 15. Jahrh. gegründeten, bis heute erhaltenen albanesischen Kolonie abstammen.

Palazzōlo, 1) P. Acreide, das alte Akrä, Stadt in der ital. Provinz Syrakus (Sizilien), Kreis Noto, mit Resten der alten Stadt (Theater, Odeon), einer Sammlung von Altertümern (im Palazzo Indica) und (1881) 11,069 Einw. Vgl. Indica, Le antichità di A. (1819). -

2) P. sull' Oglio, Ortschaft in der ital. Provinz Brescia, Kreis Chiari, am Oglio und der Eisenbahn Venedig-Mailand, mit Burgruinen, lebhafter Seidenzucht und Seidenspinnerei, Fabrikation von hydraulischem Kalk und (1881) 3573 Einwohnern.

Palē (griech.), der Ringkampf, eine wichtige Übung in der altgriech. Gymnastik (s. d.), welche in der Gruppe des Pentathlon (s. d.) die fünfte Stelle einnahm. Mit dem Diskoswerfen und Springen reicht die P. in die ältesten Zeiten der griechischen Gymnastik zurück und war nach den Schilderungen Homers schon in der Heroenzeit einer der beliebtesten Wettkämpfe; in den Ringschulen (s. Palästra) fand sie später noch eine höhere Ausbildung. Die gewöhnlichsten Manöver, um den Gegner zu werfen, waren: das feste Umfassen des Leibes mit beiden Armen, Ergreifen und Emporziehen eines oder beider Schenkel, das Beinstellen, das Treten mit der Ferse in die Kniekehle des Gegners, das Umschlingen und Drosseln des Halses mit den Armen, gewaltsames Zusammenstoßen der Stirnen, Zusammendrücken der Finger des Gegners, bis derselbe von Schmerz bezwungen sich für besiegt erklärte. Alle unerlaubten Griffe, namentlich Schlagen und Beißen, waren verpönt.

Pale (engl., spr. pehl, "Grenzpfahl"), Gau, Bezirk; zur Zeit, wo Irland nach und nach unter englische Botmäßigkeit kam, der hauptsächlich von Engländern bewohnte, etwa ein Drittel des Landes begreifende Bezirk an der Ostküste, welcher bereits englische Sprache, Sitten und Verfassung angenommen hatte, während die übrigen zwei Drittel bei ihren alten Einrichtungen verharrten und die Anerkennung der englischen Oberhoheit noch immer verweigerten. Wenn daher der königliche Statthalter das Parlament versammelte, so erschienen nur die aus England stammenden Lords, daher dasselbe Parlament of the P. genannt wurde.

Palĕa (lat.), Name der Blütenspelzen der Gräser (s. Ährchen), auch Deckblätter der Kompositen sowie der Spreublätter der Farne.

Pale Ale (engl., spr. pehl ehl, "blasses Ale"), s. Bier, S. 918.

Palearĭo, eigentlich Antonio dei Pagliarici (latinisiert Aonius Palearius), evangel. Märtyrer, geboren um 1500 in der Campagna di Roma, lehrte, in ganz Italien und im Ausland hochgefeiert, an verschiedenen Orten Italiens, meist in Siena, Rhetorik und Philologie, ward aber 1567 von der Inquisition eingekerkert und 2. Juli 1570 in Rom erdrosselt und verbrannt, wie er selbst schon geahnt hatte, als er zu Siena schrieb, in dieser Zeit dürfe ein Christ nicht in seinem Bett sterben. Berühmter als seine Dichtungen und theologischen Schriften wurde das ihm seit 1737 fälschlich zugeschriebene Buch "Del beneficio di Giesù Cristo crocifisso" (Vened. 1543 u. öfter), das in viele Sprachen übersetzt, aber seit 1549 von der Inquisition allenthalben unterdrückt ward. Neuerdings wurde es zu Cambridge wieder aufgefunden und gleichzeitig (1855) sowohl dort von Babington als auch in Leipzig von Tischendorf (1856) mit deutscher Übersetzung ("Von der Wohlthat des Todes Christi") herausgegeben. Ranke und insbesondere Benrath ("Zeitschrift für Kirchengeschichte" 1877) haben als den wirklichen Verfasser einen Benediktiner, Namens Benedetto aus Mantua, erwiesen, welcher es in Catania abfaßte und es von seinem Freund Flaminio verbessern ließ. Vgl. Young, Life and times of A. P. (Lond. 1860, 2 Bde.); Bonnet, A. Paleario (deutsch, Hamb. 1863).

Palefroi (franz., spr. palfrŏá), Paradepferd eines Ritters, auch Damenroß, Zelter; dann die farbige oder ornamentierte Decke, mit der man im Mittelalter die Rüstungen der Streitrosse behängte.

Palembang, eine Regentschaft von Niederländisch-Indien, auf der Südostküste von Sumatra, zwischen der Regentschaft Ostküste von Sumatra und den Lampongschen Distrikten, umfaßt mit dem tributären Sultanat Dschambi ein Areal von 140,873 qkm (2558,4 QM.) mit (1886) 627,914 Einw. (darunter 318 Europäer, 4894 Chinesen und 2201 Araber), wovon auf Dschami 76,000 Einw. kommen. Die eingeborne Bevölkerung besteht teils aus mohammedanischen Malaien, teils aus heidnischen Stämmen, Resten der Urbevölkerung, welche, in die dichten Waldgebirge des Innern zurückgedrängt, daselbst ein primitives Jägerleben führen. Das Land ist von großer Fruchtbarkeit; seine reichen Produkte (Pfeffer, Zimt u. a.) werden zum großen Teil auf dem Fluß Musi zur Hauptstadt P. geführt, die, 73 km oberhalb der Mündung desselben gelegen, wegen häufiger Überschwemmungen fast ganz auf Pfählen erbaut ist