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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Paléstro; Palet; Paletot; Palette; Pálffy; Pálffy von Erdöd

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Palestro - Pálffy von Erdöd.

an der Peterskirche in Rom ernannt und noch in demselben Jahr zum Kapellmeister befördert. In dieser Stellung erfreute er sich der besondern Gunst des Papstes Julius III., der ihn 1555 in das Sängerkollegium der Sixtinischen Kapelle berief, ebenso des Papstes Marcellus II. Da aber des letztern Nachfolger Paul IV. Anstoß daran nahm, daß P. nicht dem geistlichen Stand angehörte und sogar verheiratet war, so mußte er seinen Posten verlassen; doch erhielt er kurze Zeit darauf die eben erledigte Kapellmeisterstelle an San Giovanni im Lateran und 1561 die besser besoldete an Santa Maria Maggiore. In diese Zeit fallen seine achtstimmig für zwei Chöre geschriebenen Improperien (s. d.), die 1560 am Karfreitag zum erstenmal aufgeführt wurden und einen so tiefen Eindruck machten, daß der Papst Pius IV. eine Abschrift davon für die päpstliche Kapelle verlangte. Mit diesem Werk beginnt P., der sich bis dahin streng an die ältern Meister angeschlossen hatte, seinen eignen Weg zu gehen, und sein Beruf zum Reformator auf dem Gebiet der Kirchenmusik kündigte sich jetzt so deutlich an, daß die beim Konzil von Trient versammelte Behörde zur Verbesserung der Kirchenmusik ihn von allen lebenden Tonkünstlern für den fähigsten hielt, die Frage zu lösen, ob die polyphone Musik der kirchlichen Erbauung förderlich oder nachteilig und in letzterm Fall aus der Kirche zu verbannen sei. In ihrem Auftrag schrieb P. drei Messen, in denen (besonders in der dritten, welche er in dankbarer Erinnerung an seinen Gönner, den Papst Marcellus II., "Missa Papae Marcelli" benannte) neben kunstvollster Stimmenverflechtung die Hauptbedingungen einer wirkungsvollen Vokalmusik, Deutlichkeit der Melodie und Verständlichkeit der Textesworte, so vollständig erfüllt waren, daß die Beibehaltung der Kunstmusik in der Kirche von seiten des Konzils einstimmig beschlossen wurde. Durch diese Messen, deren erste Ausführung 19. Juni 1565 stattfand, war den Italienern ein ihnen eigentümlicher Kirchenstil geschaffen, der in seiner edlen Einfachheit und Erhabenheit das Prädikat "klassisch" mit Recht beanspruchen darf und später unter dem Namen "Palestrinastil" für alle weitern Arbeiten dieser Gattung mustergültig wurde. Infolge dieser That wurde P. zum Komponisten der päpstlichen Kapelle, 1571 (nach dem Tod Animuccias) auch zum Kapellmeister der Peterskirche ernannt. In demselben Jahr übernahm er an dessen Stelle die Leitung des Gesanges bei den Andachtsübungen des Filippo Neri (s. Musik, S. 924, und Oratorium) und eröffnete mit Nanini eine Musikschule, die im Gegensatz zur ältern des Goudimel die "neuere römische Schule" genannt wurde und bald zu großer Berühmtheit gelangte. So als ausübender wie als schaffender Musiker rastlos sich bethätigend, wurde er 2. Febr. 1594 vom Tod ereilt. Sein Leichnam ward in der Peterskirche beigesetzt und sein Grab durch die Inschrift "Musicae princeps" gekennzeichnet. Palestrinas zahlreiche Werke, mit Ausschluß zweier Bücher Madrigale sämtlich für die Kirche geschrieben, erschienen zu seinen Lebzeiten nur teilweise im Druck und der damaligen Sitte gemäß nur in Stimmenausgaben. In neuerer Zeit, nachdem sie zuerst durch Cherubini in weitere Kreise eingeführt worden, erschienen sie auch in Partitur (von Alfieri, einzelne Werke in Proskes "Musica divina"). Eine auf 30 Bände berechnete kritische Gesamtausgabe der Werke erscheint seit 1862 in Leipzig (Bd. 1-6 von Espagne redigiert, Fortsetzung 1879 von Haberl übernommen). Vgl. Baini, Memorie storico-critiche della vita e delle opere di Giovanni Pierluigi da P. (Rom 1828, 2 Bde.; deutsch von Kandler und Kiesewetter, Leipz. 1834); Bäumker, P., eine biographische Skizze (Freiburg i. Br. 1877).

Paléstro, Dorf in Oberitalien, bei Vercelli; hier 31. Mai 1859 siegreiches Gefecht der verbündeten Franzosen und Piemontesen gegen die Österreicher, Vorspiel zur Schlacht von Magenta.

Palet (franz., spr. -lä, "Wurfstein"), ein andrer Name für das sonst Boccia (s. d.) genannte Spiel. Statt mit Kugeln wirft man auch mit Münzen.

Paletot (franz., spr. palleto), Überrock, Überzieher.

Palette (franz.), eine kleine Tafel, worauf die Farben aufgetragen werden, welche der Maler braucht. Für die Ölmalerei besteht sie aus einer ovalen dünnen Scheibe von poliertem Apfel-, Nußbaum-, Ahorn- oder Birnbaumholz oder von Horn, Porzellan, Elfenbein, Schildkrötenschale etc. Nahe an dem einen Ende der längern Seite ist eine Öffnung angebracht, durch die der Maler mit dem Daumen der linken Hand, die zugleich auch Pinsel und Malerstock hält, die P. erfaßt. Auf die P. drückt der Maler der Gegenwart die Farben in ihren einzelnen Abstufungen aus Tüben auf, um aus ihnen die zum Gemälde anzuwendenden Töne zu mischen. Früher wurden die geriebenen Farben auf der P. erst mit Öl oder einem andern Bindemittel flüssig gemacht. Die P. für Freskomaler ist viereckig, von verzinntem Eisenblech und hat einen nach oben eingebogenen Rand, damit das Wasser nicht ablaufe. Paletten von Porzellan und Metall haben bisweilen Vertiefungen zur Aufnahme der Farben. Letztere werden besonders für Email- und Porzellanmalerei benutzt. Die neuere Kunstindustrie hat Paletten von Holz, Metall, Porzellan etc. in den Handel gebracht, welche, mit Skizzen und ausgeführten Malereien geschmückt, als Wandschmuck dienen sollen. Paletten berühmter Künstler sind in neuerer Zeit Gegenstände der Sammelwut geworden. In der Töpferei heißt P. ein hölzernes Instrument, welches bald breit-oval und mit einer Handhabe versehen, bald rund oder ausgehöhlt triangelförmig ist, bald in der Gestalt eines breiten Messers endigt und dazu dient, den Gefäßen die gehörige Rundung und Fläche zu geben.

Pálffy (spr. pahlfi), Albert, ungar. Novellist und Publizist, geb. 1821 zu Gyula im Bekeser Komitat, kam 1842 zur juridischen Praxis nach Pest, betrat hier die litterarische Laufbahn und gehörte zu dem "Bunde der Zehn", den Petöfi, Jokai, Obernyik u. a. bildeten. Er schrieb Novellen und Romane und gab 1848 ein lebendig und pikant geschriebenes Tagblatt: "Marczius tizenötödike" ("Der 15. März"), heraus, das vielfach verurteilt, aber immer mit großer Begierde gelesen ward. Nach der Revolution wurde er vor das Kriegsgericht citiert, fünf Monate lang im Pester "Neugebäude" gefangen gehalten und dann zu Budweis interniert, wo er zwei Jahre blieb. Nach seiner Befreiung setzte er seine litterarische Thätigkeit fort und bekundete auf dem Felde der Erzählung einen ansehnlichen Fortschritt. Die Kisfaludy-Gesellschaft wählte ihn 1864, die ungarische Akademie der Wissenschaften 1884 zum Mitglied.

Pálffy von Erdöd (spr. pahlfi), fürstliches und gräfliches ungar. Geschlecht. Nikolaus II., jüngster Sohn Peters, geb. 1552, 1581 in den Freiherrenstand erhoben, Gemahl der Mar. Magd. Fugger, bekleidete die Hauptmannschaften von Komorn, Gran und Neuhäusel, zeichnete sich durch glänzende Waffenthaten gegen die Türken, besonders durch die Einnahme der Festung Raab (29. März 1598), aus und ward dafür Obergespan des Preßburger Komitats; starb 23. April 1600. Sein Sohn Stephan II. (gest.