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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pancsova - Pandora.

Auch ist er der erste Begründer des "Moniteur" (s. d.), der zum Teil noch heute das Eigentum der Panckouckeschen Familie ist. Er starb 19. Dez. 1798. Sein Sohn Charles Louis Fleury P., geb. 23. Dez. 1780 zu Paris, war gleichfalls Schriftsteller und Verleger. Seine bedeutendsten Verlagsartikel sind das "Dictionnaire des sciences médicales" (seit 1810, 60 Bde.); die "Description de l'Égypte", ein Prachtwerk in 25 Bänden mit 900 Kupfern, das Napoleon I. beginnen, Ludwig XVIII. vollenden ließ; die "Bibliothèque française-latine", eine kostbar ausgestattete Sammlung römischer Klassiker mit französischer Übersetzung, die jedoch den Stand der französischen Philologie in keinem günstigen Licht zeigt (er selbst lieferte dazu die Übersetzung des Tacitus). Von Panckouckes eignen Schriften sind zu erwähnen: "Essai sur l'exposition, la prison et la peine de mort"; "Voyage pittoresque aux îles Hebrides, etc.", mit 25 von ihm selbst gezeichneten Kupfern, u. a. Er starb 11. Juli 1844. Sein Sohn Ernest P., geb. 1808 zu Paris, übersetzte den Horaz für oben genannte "Bibliothèque" und war bis Ende 1868 Teilhaber der Druckerei und Gérant des "Moniteur"; seitdem lebt er vom Geschäft zurückgezogen.

Pancsova (spr. pantsch-), königliche Freistadt im ungar. Komitat Torontál, an der Temes (unweit ihrer Mündung in die Donau), mit (1881) 17,127 Einw. (meist Serben und Deutsche), hat eine Staats-Oberrealschule, eine katholische und eine griechisch-nichtunierte Kirche, Seidenzucht, Weinbau, Dampfmühlen, Stärkefabrikation, Bierbrauerei (jährliche Produktion 10,000 hl) und Branntweinbrennerei, lebhaften Handel und einen Gerichtshof. P. ward 1716 von den Österreichern unter Mercy den Türken entrissen und befestigt. Am 30. Juli 1739 siegte hier der österreichische Feldmarschall Wallis über die Türken; 1778 wurde die Stadt durch die Österreicher beim Rückzug verbrannt. Am 2. Jan. 1849 siegten daselbst die letztern unter Mayrhofer über die Ungarn unter Kiß.

Pandämonion (griech.), Inbegriff aller übermenschlich gedachten Wesen, besonders der bösen Geister oder Dämonen, welche das Reich des Teufels bilden.

Pandaneen, monokotyle, etwa 60 Arten umfassende Familie aus der Ordnung der Spadicifloren, Holzpflanzen mit einfachem oder oben gabelig verzweigtem Stamm und Büscheln langer, schmaler Schilfblätter. Oft stützen sich die Stämme stelzenartig auf Luftwurzeln. Die P. bewohnen das Monsungebiet Vorder- und Hinterindiens, die Sundainseln, viele Inseln des Stillen Ozeans und Neuguinea. In der vorweltlichen Pflanzenwelt traten sie zuerst während der Kreide- u. Juraepoche auf; aus Europa verschwanden sie erst während der Oligocänzeit. Vgl. Solms-Laubach, Monographia Pandanacearum ("Linnaea" 1878).

Pandanus L. fil. (Pandang, Schraubenbaum, Pandane), Gattung aus der Familie der Pandaneen, perennierende Gewächse mit häufig baumartigem, einfachem oder verzweigtem, auf einem Gerüst von Luftwurzeln ruhendem Stamm, großen, einfachen, linealen, am Rand und an der Mittelrippe dornigen, gedrängt und in ausgezeichneter dreifacher Spirale stehenden Blättern, monözischen, in meist verzweigten Kolben stehenden männlichen und in einem einfachen Kolben stehenden weiblichen Blüten und ein- bis mehrfächerigen Steinfrüchten. Etwa 60 Arten in den wärmern Ländern der östlichen Halbkugel, die meisten von ihnen auf den Inseln des Indischen Ozeans und den Maskarenen, wo sie in der Nähe des Meers wachsen und bisweilen große Strecken Landes mit einer undurchdringlichen Vegetation bedecken. P. utilis Bory, auf den Maskarenen und Madagaskar, mit 6 m hohem Stamm und sehr langen, schwertförmigen Blättern, wird besonders auf den Antillen und auf Mauritius kultiviert; seine kugeligen, orangenförmigen Früchte sind genießbar, und aus den Blättern gewinnt man Fasern, die zu Packmaterial verarbeitet werden. Dies gilt auch von den Blättern von P. odoratissimus L. (s. Tafel "Nahrungspflanzen II"), der ebenso hoch wird, zahlreiche Luftwurzeln treibt, mit roten Dornen besetzte, lange, schwertförmige Blätter, wohlriechende Blüten und kugelrunde, sehr große, gelbliche oder rötliche Früchte trägt. Er wächst auf den Inseln der Südsee, wird dort, in Ostindien und China kultiviert, und seine Früchte bilden auf mehreren Inselgruppen ein wichtiges Volksnahrungsmittel. Er eignet sich vor andern, in unsern Gewächshäusern ebenfalls kultivierten Arten besonders für das Zimmer und gedeiht auch in trockner Luft vortrefflich. Ebenso P. furcatus Roxb., aus Indien, welcher auch bei uns kolossale Dimensionen erreicht und überraschend schnell wächst. Man hat beobachtet, daß ein Blütenkolben sich in drei Stunden um fast 1 m verlängerte. Eine sehr schöne Blattpflanze ist P. javanicus hort. (s. Tafel "Blattpflanzen II"), welcher auch mit panaschierten Blättern vorkommt.

Pandareos, im griech. Mythus Sohn des Merops, nahm an den Diebereien des Tantalos teil und stahl unter anderm den goldenen Hund, der den Tempel des Zeus auf Kreta bewachte, entfloh hierauf nach Sizilien und ward hier in einen Stein verwandelt. Seine drei Tochter wurden von den Harpyien geraubt und den Erinnyen als Sklavinnen übergeben.

Pandataria, antiker Name einer Insel im Tyrrhenischen Meer, vor der Küste Kampaniens, welche unter den Kaisern öfters als Verbannungsort, namentlich der weiblichen Glieder der kaiserlichen Familie (der Julia, Agrippina, Octavia), diente; jetzt Ventotene.

Pandékten (griech., "allumfassend"), Justinians Sammlung von Erörterungen, Aussprüchen und Gutachten altrömischer Rechtsgelehrten; s. Corpus juris.

Pandemie (griech.), eine über ein ganzes Land, eine ganze Bevölkerung gleichzeitig sich verbreitende Krankheit, schließt die Epidemie und Endemie mit ein.

Pandemos (griech., "allem Volke gehörig"), Beiname der Aphrodite, deren Verehrung Theseus in Athen eingeführt haben soll (s. Aphrodite); dann im unkeuschen Sinn als der sich jedem Hingebenden (Venus vulgivaga).

Pandharpur, Stadt in der britisch-ind. Präsidentschaft Bombay, Distrikt Scholapur, an der Bhima, mit (1881) 16,910 Einw., meist Hindu, deren Wischnutempel bei den zu Ehren des Gottes abgehaltenen drei Messen von 160,000 bis 230,000 Wallfahrern besucht wird.

Pandion, Flußadler, s. Adler, S. 122.

Pandion, mythischer König von Athen, Sohn des Erechtheus (s. d.), Vater der Prokne und Philomela.

Panditen, s. Punditen.

Pandora (die "Allbegabte"), in der griech. Mythologie Name des Weibes, welches von Zeus den Sterblichen zum Unheil geschickt wurde, als Prometheus das Feuer vom Himmel geholt hatte. Hephästos hatte sie aus Erde und Wasser gebildet; Aphrodite und die Musen verliehen ihr Liebreiz, Hermes Lüge, einschmeichelnde Rede und List, Zeus endlich eine Büchse, in welcher alle Übel, aber auch die Hoffnung, verschlossen waren. Epimetheus, der Bruder des Prometheus, nahm sie zur Frau. Aus der geöffneten