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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pankreatitis - Panofka.

zerschabt oder auf der Fleischhackmaschine zerkleinert und der Brei durch ein Haarsieb getrieben. Dies Präparat kann frisch den Speisen beigemischt werden, welche aber niemals eine höhere Temperatur als 40° besitzen dürfen; man kann es aber auch, mit Kochsalz oder einem Drittel Fleischextrakt gemischt, in einem gut verschlossenen Glas einige Tage (nicht länger als eine Woche), im Sommer am besten im Eisschrank, aufheben. Zweckmäßig ist es, das Pankreas abends zuvor mit 0,5 Lit. Wasser und 8-10 Tropfen verdünnter Salzsäure zu macerieren, um den größten Teil des Ferments frei zu machen. Die Speisen, denen man das Pankreaspräparat beimischt (Suppen, Saucen etc.), müssen gewürzt werden, um den Geschmack desselben zu verdecken; doch ist anderseits zu starke Würzung zu vermeiden, um nicht einen schädlichen Magenreiz hervorzurufen. Man hat auch ein trocknes, geruchloses und sehr wirksames P. dargestellt, dessen Benutzung bei empfindlichen Patienten den Vorzug verdienen dürfte. Leube, welcher 1872 das Pankreas in die Therapie einführte, benutzte dasselbe zu ernährenden Klystieren, indem er 150-300 g geschabtes und noch recht fein gehacktes Rindfleisch mit 50-100 g fein gehacktem Pankreas und wenig lauwarmem Wasser zu einem gleichmäßigen Brei mischte, auch 25-50 g Fett sorgfältig in der Masse verteilte und diese Mischung mit Hilfe einer besondern Druckspritze möglichst hoch in den Darm trieb. In dieser Weise wird die Pankreasverdauung in den Mastdarm verlegt, welcher nur fertig gebildete oder in der Fertigbildung begriffene Verdauungsprodukte aufzusaugen vermag, aber kein eignes Verdauungsferment besitzt und daher aus den früher benutzten Milch- oder Eierklystieren nichts aufnahm. Man benutzt P. mit großem Vorteil in verschiedenen Krankheiten, bei denen entweder wegen Atrophie des Pankreas oder wegen allgemeiner Ernährungsanomalien die Funktion desselben nur teilweise oder gar nicht zur Geltung kommt, namentlich bei Verdauungsstörungen des verschiedensten Ursprungs und in erster Linie bei atonischer Dyspepsie, wo durch mangelhafte Sekretion oder Beschaffenheit der Verdauungssäfte die Verdauung beeinträchtigt ist und infolgedessen die allgemeine Ernährung daniederliegt; dann aber auch bei Rachitis, Skrofulose, Zuckerharnruhr, Fettdiarrhöen, Anämie, Chlorose, Leukämie und bei den Anfangs- und Endstadien der Tuberkulose sowie in der Rekonvaleszenz nach fieberhaften Krankheiten. Vgl. Leube, Über die Ernährung der Kranken vom Mastdarm aus (Leipz. 1872); Engesser, Das Pankreas (Stuttg. 1877); Löbisch und v. Rokitansky, Die neuern Arzneimittel in ihrer Anwendung und Wirkung (2. Aufl., Wien 1883).

Pankreatitis (griech.), Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Panmure (spr. pänn-mjuhr), Fox Maule-Ramsey, Lord, s. Dalhousie 2).

Pannartz, Arnold, Buchdrucker, arbeitete mit Konrad Sweynheym in der Druckerei von Fust und Schöffer bis 1462 und gründete dann mit jenem 1464 zu Subiaco bei Rom die erste Druckerei in Italien, die sie 1467 nach Rom verleiten. Sweynheym trennte sich 1473 von P., worauf dieser bis zu seinem 1476 erfolgten Tode das Geschäft fortführte, während ersterer sich der Schriftgravierung widmete und etwa zwei Jahre später starb. Aus ihren Pressen gingen viele altklassische Werke hervor.

Panneau (franz., spr. -noh), s. Paneel.

Pannerden, Dorf in der niederländ. Provinz Gelderland, bekannt durch den 1701-1707 in der Nähe gegrabenen Pannerdschen Kanal, zur Verbindung des Rheins und der Waal.

Pannetiers Grün (spr. pann'tjeh's), s. Chromhydroxyd.

Pannfisch, Gericht aus fein gehacktem Stockfisch und Zwiebeln, welche zusammen geschmort und dann mit Kartoffelbrei vermischt werden.

Panniculus adiposus (lat.), Fettpolster in den untern Hautschichten.

Pannonien, röm. Donauprovinz, wurde im W. durch den Mons Cetius (Wienerwald) von Noricum, durch die Julischen Alpen von Oberitalien, im S. durch den Sausfluß (Save) von Liburnien, im O. durch den Danubius (Donau) von Dacien und Sarmatien und im N. durch denselben Fluß von Germanien geschieden und umfaßte somit den östlichen Teil von Österreich, Steiermark, einen Teil von Krain, Ungarn zwischen der Donau und Save, Slawonien und den Nordrand von Bosnien. Nach der Unterwerfung Pannoniens durch die Römer wurde es unter Trajan in zwei Hauptteile geteilt; der westliche Teil hieß Oberpannonien (Pannonia superior), der östliche Unterpannonien (P. inferior). Seiner physischen Beschaffenheit nach bildet P. eine große, nur im NW. und S. von Gebirgen umschlossene Ebene, die bloß von niedrigen Hügelreihen durchzogen wird. Als Hauptflüsse sind außer dem Grenzstrom Danubius dessen Nebenflüsse: Arrabo (Raab), Dravus (Drau) mit Murus (Mur) und Saus (Save) mit Colapis (Kulpa) zu nennen. Der bedeutendste See war der Pelso (Plattensee). P. galt für rauh, steinig und wenig ergiebig. Das Holz war das wichtigste Produkt; den Metallreichtum des Landes scheinen die Alten noch nicht gekannt zu haben. Die Einwohner (Pannonier) waren illyrischer Abkunft, ein tapferes, kriegerisches, aber auf sehr niedriger Stufe der Kultur stehendes Volk. Seit dem 4. Jahrh. wanderten keltische Völker ein: Taurisker, Karner, Latoviker im W., Aravisker im NW., Skordisker im S., welche im ersten vorchristlichen Jahrhundert von den gleichfalls keltischen Bojern unterworfen wurden. Seit ca. 50 v. Chr. bildete P. eine Provinz des dacischen Reichs. Den ersten Angriff auf P. machte Augustus (35 v. Chr.), welcher den Süden bis zur Drau eroberte. Als jedoch bald darauf der Kampf Marbods gegen Rom begann, erhoben sich auch die Pannonier wieder und konnten erst nach blutigen Kämpfen unter Anführung des Tiberius (9 v. Chr.) von neuem unterworfen werden. In diesem Verhältnis blieb P. bis zur Zeit der Völkerwanderung; in diesem Zeitraum wurde das Land bedeutend kultiviert, der Verkehr gehoben, die Grenzen gesichert. Mitte des 5. Jahrh. wurde P. von Kaiser Theodosius II. an die Hunnen förmlich abgetreten; nach dem Untergang des Hunnenreichs kam es 453 in den Besitz der Ostgoten, 527 in den der Langobarden, die es um 568 den Avaren überlassen mußten. Die wichtigsten Städte waren in Oberpannonien: Vindobona (Wien), Carnuntum (Ruinen bei Hainburg), Savaria (Stein am Anger), Arrabona (Raab), Siscia oder Segestica (Sissek), Celeja (Cilli); in Unterpannonien: Pötovio (Pettau), Aquincum (Alt-Ofen), Taurunum (Semlin), Mursa (Essek) etc. S. Karte "Germanien".

Pannychides (griech.), s. Vigilien.

Panofka, 1) Theodor, Altertumsforscher, geb. 25. Febr. 1801 zu Breslau, studierte daselbst Philologie, bereiste seit 1822 Italien und Sizilien, ging 1826 nach Paris und habilitierte sich ein Jahr später in Berlin. Bald darauf begab er sich von neuem nach Paris, um die Kunstschätze des Herzogs von Blacas