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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Papageienfeder; Papageifinken; Papageifisch; Papageigrün; Papāgo; Papāl; Papālsystem; Papantla

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Papageienfeder - Papantla.

Amazonenpapageien (Grün-, Kurzflügelpapageien, Chrysotis Swains.) sind gedrungen gebaut, mit sehr kräftigem, mäßig gewölbtem Schnabel, nach hinten zu kantig abgesetzter Firste, mäßig langen Flügeln mit wenig oder kaum vorragender Spitze und kurzem, breitem, abgerundetem Schwanz. Das Gefieder ist vorherrschend grün; Kopf und Flügelbug sind meist gelb, ein Spiegel auf den Flügeln meist rot. Sie finden sich von den La Plata-Staaten bis Südmexiko und in Westindien, besonders in den Uferländern des Amazonenstroms, sind echte Waldvögel, fliegen schwerfällig, schreien unaufhörlich und laut und nähren sich von Früchten. Sie sind vortreffliche und sehr gelehrige Käfigvögel und werden auch des wohlschmeckenden Fleisches halber viel gejagt. Der Amazonenpapagei (C. amazonica L.), 35 cm lang, 56 cm breit, dunkel grasgrün, unterseits kaum heller, an der Stirn lilablau, an Kopf und Backen hochgelb, am Flügelbug rot; die seitlichen Schwanzfedern sind innen blutrot, das Auge ist rot, der Schnabel gelb, an der Spitze dunkelbraun, der Fuß bräunlich. Er ist in Südamerika sehr gemein, namentlich in Mittel- und Nordbrasilien, Venezuela, Bogotá, Ecuador. Im Handel finden sich besonders der kleine Gelbkopf (C. ochroptera Gml.), der doppelte Gelbkopf (C. Levaillanti Gray) und die Rotbugamazone (C. aestiva Lath.). Die Zwergpapageien (Psittacula Kuhl) haben etwa die Größe eines Stars oder Sperlings, sind sehr gedrungen gebaut, mit sehr kräftigem, hohem, zuweilen auffallend dickem, seitlich abgerundetem, langhakigem Schnabel, langen, spitzen Flügeln und kurzem, sanft abgerundetem oder fast geraden Schwanz. Das Gefieder ist vorherrschend glänzend grün, mit sanfterm oder grellerm Rot am Kopf, lebhaftem Blau auf dem Bürzel und schönfarbiger Fleckenzeichnung auf dem Schwanz. Sie finden sich in Asien, Afrika, Amerika und Australien, bevölkern oft in Scharen den Wald und die buschreiche Steppe, richten oft in Getreidefeldern großen Schaden an und stehen hinsichtlich ihrer Begabung hinter den meisten größern P. entschieden zurück. Hierher gehört der Unzertrennliche (Inséparable, P. pullaria L.), welcher mittelgroß, lebhaft grasgrün, am Vorderkopf, Backen und Kinn zinnoberrot, am Bürzel himmelblau, auf dem Schwanz mit schwarzer Querbinde gezeichnet ist. Er bewohnt West- und Innerafrika und kommt häufig zu uns. Das Pärchen gibt ein anmutiges Bild vollkommener Harmonie und wild deshalb gern im Käfig gehalten; er ist aber etwas hinfällig, und wenn einer den schädlichen Einflüssen erliegt, so folgt der andre (man sagt oft, aus Gram) gewöhnlich bald nach. Der Rosenpapagei (P. roseicollis Viell.), in Süd- und Westafrika, brütet in den Nestern des Siedelsperlings und des Mahaliwebers und trägt Baumaterial zum Nest, indem er abgeschleißte Splitter zwischen den Bürzelfedern befestigt. Die Zierpapageien (Coryllis Finsch) sind meist noch kleiner als die Zwergpapageien, mit sehr schwachem, seitlich zusammengedrücktem, in eine lange, sanft gekrümmte, dünne Spitze auslaufendem Schnabel, langen Flügeln mit weit vorragender Flügelspitze u. kurzem, etwas abgerundetem Schwanz, sind lebhaft grün mit roten, gelben oder blauen Flecken auf Oberkopf und Kehle und stets rotem Bürzel, leben in dem Gebiet von Ceylon bis Malabar und von der Halbinsel Malakka bis Flores. Das Blaukrönchen (C. galgulus L.), mit ultramarinblauem Fleck auf dem Scheitel, findet sich auf Borneo, Sumatra, Bangka und Malakka und ist dadurch merkwürdig, daß es ruhend mit den Füßen sich anklammert und Leib und Kopf gerade herabhängen läßt (daher Fledermauspapagei). Wegen seiner Schönheit tritt der Papagei in der indischen Mythologie zu vielen Göttern in nahe Beziehung, namentlich reitet Kama, der Gott der Liebe, auf einem Papagei. Daher erscheint auch der Papagei häufig in Liebesgeschichten, wie in dem "Papageienbuch", von welchem das "Tutinâme" eine persische Version ist. In der christlichen Symbolik bedeutet der Papagei die unbefleckte Empfängnis und findet sich daher auf ältern Bildern der heiligen Familie. Vgl. Levaillant, Histoire naturelle des oiseaux des perroquets (Par. 1801-1805, 2 Bde.); Wagler, Monographia psittacorum (Münch. 1835); Finsch, Die P. (Leid. 1867-69, 2 Bde.); Ruß, Die P. (Bd. 3 von "Die fremdländischen Stubenvögel", Hannov. 1880).

Papageienfeder, Pflanze, s. Amarantus.

Papageifinken (Pitylinae), Unterfamilie der Finken.

Papageifisch (Scarus Bleek.), Fischgattung aus der Ordnung der Schlundkiefer und der Familie der Lippfische (Labroidei), schönschuppige und prächtig gefärbte Fische, bei denen der Unterkiefer über den Oberkiefer vorspringt und die Zähne so dicht miteinander verwachsen sind, daß sie eine einzige konvexe Schneideplatte bilden. Sie bewohnen namentlich die Meere der Tropen; nur S. cretensis C. V. kommt im Mittelmeer, bei den Kanaren und bei Madeira vor. Er ist länglich rund, 40 cm lang, mit stumpfer Schnauze, kleinem Mund, großer Schwanzflosse und großen, eiförmigen, abgerundeten, glattrandigen Schuppen; auf dem Rücken ist er purpurrot, an den Seiten rosenrot und violett, an Brust- und Bauchflossen orangegelb, letztere veilchenblau liniiert; Rücken- und Afterflosse sind grauviolett, rot gefleckt, die sehr große Schwanzflosse außerdem weiß gerandet. Aus dem griechischen Inselmeer ließ ihn Tiberius Claudius an die Küste von Kampanien versetzen, doch ist er jetzt aus den italienischen Meeren wieder verschwunden. Die Papageifische leben an felsigen Küsten in Spalten und Ritzen verborgen, sind äußerst gesellig und nähren sich wesentlich von Pflanzenstoffen. Das Fleisch ist nicht besonders geschätzt, doch werden im Roten Meer lebende Papageifische eingesalzen, getrocknet und versendet.

Papageigrün, s. v. w. Schweinfurter Grün oder eine Mischung desselben mit Scheelschem Grün.

Papāgo (Papabota), nordamerikan. Indianerstamm, in Arizona, 7300 Köpfe stark, treibt Ackerbau und Viehzucht.

Papāl (neulat.), päpstlich.

Papālsystem, im kathol. Kirchenwesen die Theorie von der absoluten Machtvollkommenheit des Papstes, im Gegensatz zum Episkopalsystem, welches die Gesamtheit der Bischöfe mit der höchsten Kirchengewalt ausstattet. Auf den Reformkonzilen des 15. Jahrh. war das Episkopalsystem zur Anerkennung und, indem man damals verschiedene Päpste absetzte, zur praktischen Anwendung gekommen. Das Konzil von Trient (1545-63), welches zwar dem P. günstiger war, gab keine direkte Entscheidung der Frage; doch war das P. thatsächlich das herrschende, bis es auf dem vatikanischen Konzil durch die Konstitution vom 18. Juli 1870 (Constitutio "Pastor aeternus") zum Dogma erhoben ward und in der damals proklamierten päpstlichen Unfehlbarkeit gipfelte (s. Kirchenpolitik).

Papantla, Dorf im mexikan. Staat Veracruz, in schöner Ebene am Nautla, dessen 2500 Einw. sich mit Einsammeln von Vanille beschäftigen. Dabei der berühmte "Teokalli von P.", aus Porphyrquadern erbaut, mit merkwürdigen Skulpturen.