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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Papen; Papenburg; Papenwasser; Paperling; Papeterie; Papetto; Paphlagonien; Páphos; Papias; Papier

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Papen - Papier.

um (wie bei den Pocken); bei andern Ausschlägen bleiben sie unverändert und heilen unter einfacher Abschwellung, häufig unter Abschelferung der Epidermis. Zu den papulösen, d. h. wesentlich oder für immer aus Knötchen bestehenden, Hautausschlägen rechnet man die Schwindknötchen und die Schälknötchen. Die Schwindknötchen (Schwindflechte, Lichen) stellen kleine P. von roter oder weißer Farbe dar, welche zuweilen vereinzelt (d. h. nicht zusammenfließend), meist aber in Gruppen bei einander stehen, bisweilen einen leichten Hof haben und sich unter kleienartiger Abschelferung verlieren. Die Schälknötchen (scrophulus), durch äußere Hautreize hervorgerufen, stehen vereinzelt oder in Gruppen auf einem geröteten Boden (Feuerflechte), besonders im Gesicht und auf den Armen, und kommen bei Säuglingen sowie zur Zeit des Zahnens vor.

Papen (Pfaffen, Erdkegel), kleine, steil abgestochene Kegel, welche man beim Graben von Kanälen oder bei Abtragung von Höhen stehen läßt, um den kubischen Inhalt der ausgestochenen oder abgetragenen Erde danach zu berechnen.

Papenburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Osnabrück; Kreis Aschendorf, an der Linie Münster-Emden der Preußischen Staatsbahn und am Papenburger Moor, das mit den Mooren Ostfrieslands und des Kreises Hümmling in Verbindung steht, ist erst seit 1860 Stadt und die blühendste Fehnkolonie der Provinz Hannover, deren Anlage 1675 durch Dietrich v. Veelen in unwirtbaren Mooren nach holländischem Muster bewirkt wurde. Von den Kanälen, die zusammen eine Länge von 34 km haben, ist der Hauptkanal 8 km lang und mündet durch die 1865 neuerbaute Emsschleuse, Halte gegenüber, in die Ems, in die bis dahin die Flut hinausgeht. Der Ort selbst hat eine Länge von 8 km; seine Häuser liegen zu beiden Seiten der Kanäle. P. ist zugleich der wichtigste Seehandelsplatz der Provinz und besitzt (1886) 106 Seeschiffe von 17,028 Reg.-Tons. 1886 liefen mit Ladung ein: 254 Seeschiffe zu 37,172, aus: 356 Seeschiffe zu 24,298 Reg.-Tons. Es hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, ein Realprogymnasium und eine Navigationsschule, ein Amtsgericht, mehrere Assekuranzgesellschaften, große Schiffswerften und alle zum Schiffbau nötigen Einrichtungen, Tau- und Reepschlägerei, Ankerschmieden, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik, eine chemische und eine Glasfabrik, Strohpapierfabrikation, Dampfschneide- und Dampfölmühlen, große Holzlager, bedeutenden Torfstich und (1885) 6916 meist kath. Einwohner.

Papenwasser, s. Oder.

Paperling (Boblink, Dolichonyx oryzivorus Sws.), Sperlingsvogel aus der Familie der Stärlinge (Icteridae), 18 cm lang, 29 cm breit, mit gedrungenem Leib, großem Kopf, mittellangem, starkem, kegelförmigem, geradem Schnabel mit am Mundwinkel eckig herabgebogener Schneide, mittellangen Flügeln und Schwanz (letzterer mit scharf zugespitzten Federn), ziemlich langen, kräftigen Füßen und spornartiger Kralle an der Hinterzehe. Das Männchen ist im Hochzeitskleid am Kopf, Schwanz und der Unterseite schwarz, am Nacken bräunlichgelb, auf dem Oberrücken, den Schwingen und Flügeldeckfedern schwarz, aber jede Feder gelb gesäumt; Schulter und Bürzel sind weiß, Augen und Schnabel braun, die Füße lichtblau. In der Wintertracht ähnelt das Männchen dem einfacher gefärbten Weibchen. Der P. bewohnt Nordamerika, geht im Winter bis Mittelamerika und Westindien, lebt gesellig in großen Scharen, brütet zwischen Gras und Getreide und richtet in letzterm große Verwüstungen an, vertilgt aber auch viele schädliche Kerbtiere und singt vortrefflich. In der Gefangenschaft ist er sehr lebendig und regsam.

Papeterie (franz.), zierliche Mappe mit Briefpapier, Briefumschlägen etc.; im Französischen auch s. v. w. Papierfabrikation, -Handel, -Handlung.

Papetto, alte ital. Münze, = 20 Bajocchi.

Paphlagonien, im Altertum Landschaft in Kleinasien, am Pontus Euxinus, zwischen Bithynien, Galatien und Pontos gelegen, war fast durchweg gebirgig, besonders im S. durch den hohen Olgassys (jetzt Ilkas Dagh). Unter den Vorgebirgen sind Karambis (Kerembe) und Syrias (Indsche Burun) die hervorragendsten. Außer den Grenzflüssen Halys (Kisil Irmak) im O. und Parthenios (Bartin Tschai) im W. enthielt das Land nur unbedeutende Küstenflüsse sowie im Innern den Amnias (Gök Irmak), einen Nebenfluß des Halys. P. zeichnete sich aus durch treffliche Maultiere, viel Schiffbauholz und Metallgruben. Die Bewohner waren der Hauptmasse nach syrischer oder leukosyrischer Abstammung und zeichneten sich als treffliche Reiter aus; im übrigen standen sie in schlimmem Ruf wegen ihres Aberglaubens, ihrer Grobheit und Beschränktheit. Am meisten Kultur herrschte in den hellenischen Küstenstädten. - In früherer Zeit selbständig, wurde das Land von Krösos unterworfen und kam nach dessen Fall unter persische Oberhoheit. Unter letzterer ward es von Satrapen aus dem Haus der Achämeniden verwaltet, welche in der Diadochenzeit von hier aus das zu einem Königreich erhobene pontische Gebiet erwarben. In der römischen Zeit herrschten anfangs tributpflichtige Fürsten, als deren letzter Dejotarus Philadelphus, der zu Gangra residierte, genannt wird. Nach der Besiegung des Pompejus, welchem Dejotarus in der Schlacht bei Pharsalos beigestanden, wurde P. zu Bithynien und bei der neuen Einteilung des Reichs im 1. Jahrh. zu Galatien geschlagen. Unter den Städten Paphlagoniens sind die wichtigsten: Sesamos, später Amastris (Amasra), Kytoros (Kidros), Stephane (Istifan), Sinope (Sinob), Gangra (Kiankari), Kastamon (Kastamuni).

Páphos, zwei Städte auf der Insel Kypros: Altpaphos, eine phönikische Kolonie, auf der Westküste, 10 Stadien vom Meer, beim heutigen Kuklia, und Neupaphos, von jenem etwa 11 km westlich gelegen, beim heutigen Baffa. Beide Städte zeichneten sich durch schöne Tempel aus; namentlich aber war Altpaphos berühmt als Lieblingsaufenthalt der Aphrodite, die hier dem Meer entstiegen sein sollte und hoch verehrt wurde. Mit dem überaus reichen Tempel derselben war ein Orakel verbunden. Die Stadt ward öfters von Erdbeben heimgesucht und namentlich 14 v. Chr. unter Augustus fast ganz zerstört; unter dem Namen Augusta wieder aufgebaut, blieb sie bis auf Konstantin Sitz des römischen Prätors. Von beiden Städten sind Ruinen vorhanden.

Papias, einer der frühsten Kirchenschriftsteller, Bischof zu Hierapolis in Phrygien, soll noch ein Schüler des Johannes gewesen sein und um 163 zu Pergamon den Märtyrertod erlitten haben. P. war ein Hauptvertreter des Chiliasmus (s. d.). Von seiner leider verlornen Schrift "Auslegung von Herrnsprüchen" (s. Evangelium) finden sich wenige Reste bei Eusebios. Vgl. Weiffenbach, Das Papiasfragment (Gießen 1874); Derselbe, Die Papiasfragmente (Berl. 1878).

Papier, ein blattförmiges, durch Verfilzung feiner Fäserchen entstandenes Fabrikat, das in den verschiedensten Größen (Formaten) und Dicken hergestellt