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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Papinianus; Papinscher Topf; Papirianum jus; Papirius; Papismus; Pappband; Pappe

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Papinianus - Pappe.

Huygens' Briefwechsel mit P., nebst der Biographie Papins (Berl. 1881).

Papinianus, Ämilius, der vorzüglichste unter den röm. Rechtsgelehrten, geboren um 140 n. Chr., stammte nach einigen aus Benevent in Italien, nach andern aus Syrien. Er war mit Septimius Severus ein Schüler des Cervidius Scävola, folgte dem erstern in der Würde eines Advocatus fisci, ward nach der Thronbesteigung des Severus Magister scrinii libellorum, dann Praefectus praetorio und begleitete als solcher den Kaiser auf seinem Feldzug nach Britannien. Sterbend empfahl Severus seine beiden Söhne, Caracalla und Geta, der besondern Obhut des P. Aber schon 212 ließ Caracalla seinen Bruder Geta und P. ermorden. P.' 37 Bücher "Quaestiones" und 19 Bücher "Responsa" bildeten bis auf Justinian den Mittelpunkt des unmittelbar an die Erläuterung von Rechtsfällen anknüpfenden Teils der Rechtswissenschaft. Außer diesen Hauptwerken werden von P. 2 Bücher "Definitiones", d. h. allgemeine Rechtsregeln, 2 Bücher und noch abgeändert ein Buch "De adulteriis" aufgeführt. Aus P.' Schriften sind Exzerpte in die Pandekten übergegangen, welche ungefähr den 18. Teil derselben bilden. Zu seinen Werken schrieben Ulpian, Paulus und Marcian Noten, welche zwar von Konstantin, Valentinian III. und Justinian verworfen, indessen teilweise mit den Exzerpten aus P. in die Pandektensammlung mit aufgenommen wurden.

Papinscher Topf, s. Digestor.

Papirianum jus, s. Papirius 1).

Papirius (früher Papisius), Name eines römischen, teils patrizischen, teils plebejischen Geschlechts (die mit dem Beinamen Cursor sind Patrizier, die mit Carbo Plebejer); seine namhaftesten Glieder sind:

1) Ein P., dessen Vorname verschieden angegeben wird, soll als Pontifex maximus in der ältesten Zeit eine Sammlung königlicher Gesetze (jus Papirianum) veranstaltet haben, die als erste Gesetzsammlung betrachtet und von Granius Flaccus zu Ende der Republik kommentiert wurde.

2) Lucius P. Cursor, fünfmal Konsul und zweimal Diktator, der Hauptheld des zweiten Samnitischen Kriegs (326-304 v. Chr.), ein ausgezeichneter Feldherr und ein Mann von altrömischer Strenge und Tüchtigkeit. 324 verurteilte er als Diktator seinen Magister equitum Quintus Fabius Maximus Rullianus (s. Fabius 8) wegen einer gegen seinen Befehl von ihm gelieferten Schlacht zum Tod und ließ sich nur durch die vereinten Bitten des Vaters, des Senats und des Volkes bewegen, ihn zu begnadigen; 320 rächte er die Niederlage der Römer in den caudinischen Pässen, indem er das zu den Samnitern abgefallene Luceria zur Übergabe zwang, alle bei Caudium verlornen Feldzeichen wieder erbeutete und 7000 Samniter durchs Joch schickte; 309 wiederum zum Diktator ernannt, besiegte er die Samniter bei Longula und triumphierte zum zweitenmal über sie. Seinen Beinamen Cursor (der Läufer) soll P. von seiner Schnelligkeit im Laufen erhalten haben. Auch sein Sohn Lucius P. Cursor, Konsul 293, kämpfte siegreich gegen die Samniter, und in seinem zweiten Konsulat (272) wurde die Unterwerfung Samniums vollendet. Er feierte einen besonders glänzenden Triumph über die Tarentiner, Samniter, Lukaner und Bruttier.

3) Gajus P. Carbo, Freund des Tiberius Gracchus, ausgezeichneter Redner, setzte im Dienste der Volkspartei als Volkstribun 131 v. Chr. ein Gesetz (lex tabellaria) durch, wonach für alle die Gesetzgebung betreffenden Volksbeschlüsse die schriftliche Abstimmung angeordnet ward; dagegen wurde in demselben Jahr sein Antrag, daß Volkstribunen auch für das nächstfolgende Jahr wieder wählbar sein sollten, hauptsächlich durch den jüngern Scipio Africanus verhindert. Als Scipio 129 plötzlich, wie es schien durch Meuchelmord, starb, wurde er vielfach für den Mörder gehalten. Er fiel später von der Sache der Volkspartei ab und gab sich 119, als er von dem berühmten Redner Lucius Licinius Crassus angeklagt wurde, selbst den Tod.

4) Gajus P. Carbo Arvina, Sohn des vorigen, 89 v. Chr. Volkstribun, 85 Prätor, wurde als Anhänger der optimatischen Partei in dem Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla 82 auf Befehl des jüngern Marius ermordet. Cicero nennt ihn den einzigen guten Bürger aus diesem Geschlecht. Von ihm und seinem Amtsgenossen im Tribunat, Marcus Plautius Silvanus, wurde im Bundesgenossenkrieg 89 das Gesetz (lex Plautia Papiria) gegeben, durch welches allen italischen Bundesgenossen, die sich binnen 60 Tagen beim Prätor melden würden, das römische Bürgerrecht gewährt wurde.

5) Gnäus P. Carbo, Prätor 89 v. Chr., eifriger Marianer und Genosse des Cinna, 85 und 84 Kollege desselben im Konsulat, ließ sich 82 zum drittenmal zum Konsul ernennen und führte mit dem jüngern Marius den Krieg gegen Sulla, lieferte demselben bei Clusium eine unentschiedene Schlacht, ward aber bei Faventia von Metellus geschlagen und floh nun nach Afrika und von da nach der Insel Cossyra, wo er ergriffen und nach Sizilien gebracht wurde, wo ihn Pompejus in Lilybäum hinrichten ließ.

Papismus (neulat.), die Lehre von dem Papst als dem Statthalter Christi auf Erden und von dessen Unfehlbarkeit in Sachen der Religion und Kirche, dann die daraus hervorgehende unbedingte Verehrung des Papstes; daher Papisten, die sich zu dieser Lehre bekennen. In neuerer Zeit gebraucht man für P. auch das Wort Romanismus oder Ultramontanismus. Vgl. Papst.

Pappband, s. Buchbinden, S. 545.

Pappe (Pappdeckel), Blätter aus Papiermasse von etwa 0,5-10 mm Dicke und sehr verschiedener Größe und Zusammensetzung, die auf dreierlei Weise hergestellt werden, entweder durch Schöpfen in Formen wie das Handpapier (s. Papier, S. 675) oder durch Gautschen oder durch Aufeinanderleimen von Papierblättern. Die erste Methode liefert die ordinärste, sogen. geformte P. und wird nur noch auf Maschinen zur Erzeugung der P. ohne Ende angewendet, die zur Anfertigung der Dachpappe, Papierröhren u. dgl. dient. In der benutzten Cylinderpapiermaschine (s. Fig.) ist A eine Schöpfbütte, welcher man durch ein Schöpfrad oder eine ähnliche Vorrichtung Papierstoff regelmäßig zuführt, der durch das Rührwerk a umgerührt wird. Von hier fließt der Stoff über nach dem Gefäß B, in welchem eine mit grobem Siebgeflecht überzogene Trommel C langsam rotiert.

^[Abb.: Pappenmaschine (Cylindermaschine).]