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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Parabiago - Paradies.

rungspunktes gleiche Winkel; es ist daher FT = FP (und TM = 2 AM). Dieselbe Eigenschaft hat die Normale PN, mithin ist FP = FN. Die Fläche, welche von einem Parallelbogen und der zugehörigen Sehne begrenzt wird, ist ⅔ des von der Sehne und den Tangenten in ihren Endpunkten gebildeten Dreiecks, wie Archimedes gefunden hat. Vgl. übrigens Kegelschnitte. Die P. findet nicht nur in der reinen Mathematik Verwendung, sondern kommt auch in der Physik und Astronomie vielfach vor, z. B. als Wurflinie (s. Wurf), als Kometenbahn etc.

Parabiāgo, Flecken in der ital. Provinz Mailand, Kreis Gallarate, an der Olona und der Eisenbahn Mailand-Arona, mit Konviktkollegium, Seidenindustrie und (1881) 2711 Einw.

Parabolāni (griech.), die Krankenwärter in den christlichen Spitälern der griechischen Kirche; ihre große Zahl ließ sie zu einer gefährlichen Armee des Bischofs werden, die auf der Räubersynode von 449 unliebsamen Gebrauch von ihren Fäusten machte.

Parabōlisch (griech.), vergleichsweise; die Krümmung einer Parabel (s. d.) besitzend.

Paracatú, Stadt in der brasil. Provinz Minas Geraës, in menschenleerer Gegend, nahe der Westgrenze, hatte früher Goldgruben, jetzt noch lebhaften Handel und 8000 Einw.

Paracélsus, Philippus Aureolus Theophrastus P. von Hohenheim, genannt Bombastus, Arzt und Naturforscher, geb. 17. Dez. 1493 zu Maria-Einsiedeln im Kanton Schwyz, erhielt von seinem Vater, einem Arzt und Chemiker, den ersten Unterricht und beschäftigte sich dann unter der Leitung des Abtes Tritheim in Sponheim mit Chemie sowie bei dem Wundarzt Fugger mit Alchimie. Auf langen abenteuerlichen Irrfahrten wußte er seine Kenntnisse wesentlich zu bereichern, und als er dann wieder in Deutschland auftrat, erregte er durch glückliche Kuren großes Aufsehen. 1526 wurde er als Stadtarzt nach Basel berufen und hielt an der dortigen Hochschule vielbesuchte Vorlesungen; er verbrannte öffentlich die Werke des Galen und Avicenna, suchte sich die Alleinherrschaft in der Medizin anzumaßen und gewann in der That viele Anhänger. Wegen einer Streitigkeit mit dem Magistrat verließ er 1528 Basel, führte nun im Elsaß, in der Schweiz und im südlichen Deutschland ein unstetes Leben und starb 23. Sept. 1541 in Salzburg, wo sich in der St. Sebastianskirche sein Grabmal noch findet. In seinen Lehren (vgl. Medizin, S. 403) tritt er mit äußerst phantastische Doktrinen über die Herrschaft spiritueller Potenzen im Organismus hervor. Die Krankheit wird als wirklich personifizierter Feind angesehen, mit dem diese Potenzen auf Tod und Leben zu kämpfen haben. Auf die praktische Medizin gewann er insofern einen bedeutenden Einfluß, als er die Chemie in die Apotheken einführte. Sein ganzes Streben ging auf die Auffindung spezifischer Heilmittel und der wirksamen Grundprinzipien bei den verschiedenen Stoffen. Als Schriftsteller erscheint P. verworren und dunkel; sein Stil ist schwülstig, nicht selten pöbelhaft. Die vollständigsten Ausgaben seiner Schriften erschienen zu Basel (1589, 10 Bde.), Straßburg (1616-18, 3 Bde.) und Genf (1658, 3 Bde.). Vgl. M. B. Lessing, P. (Berl. 1839); Marx, Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim (Götting. 1842); Mook, T. P. (Würzb. 1876); Hartmann, Life of Ph. Theophrastus P. (Lond. 1887).

Paracentēse (griech., Durchstechung), die künstliche Eröffnung einer Leibeshöhle oder eines Hohlorgans zu dem Zweck, um widernatürlich angesammelte Flüssigkeiten oder Gase aus denselben zu entfernen. Die P. wird besonders häufig vorgenommen an der Bauchhöhle, um massenhaft angesammelte Flüssigkeiten aus dieser selbst oder aus in ihr liegenden Geschwülsten abfließen zu lassen (Bauchwassersucht, Eierstockscysten, Echinokokkusblasen), zumal dann, wenn durch jene Flüssigkeiten das Zwerchfell stark nach oben gedrängt und schwere Atemnot verursacht wird. Ebenso häufig wird die P. der Brusthöhle (Thorakocentesis) wegen Ansammlung von Wasser oder Eiter in derselben vorgenommen. Auch macht man zuweilen die P. der Harnblase (Blasenstich) bei Harnverhaltungen, wenn diese durch den Katheter nicht beseitigt werden können. Selten wird am Menschen die P. des Darmkanals wegen hochgradiger Auftreibung desselben durch zurückgehaltene Gase vorgenommen. Am seltensten ist die P. des Herzbeutels wegen Ansammlung von Eiter oder wässeriger Flüssigkeit in demselben. Man führt die P. mittels des Messers, häufiger vermittelst des Troikarts (s. d.) aus, welch letzteres Verfahren (Punktion) wegen der schnellen Wundheilung vorgezogen wird, sofern die Öffnung nicht dauernd erhalten werden soll.

Parachronismus (griech.), s. v. w. Anachronismus.

Parachute (franz., spr. -schüht), Fallschirm, s. Luftschiffahrt.

Parád (spr. párahd), Bad im ungar. Komitat Heves, liegt 190 m ü. M. in einem anmutigen Thal des Mátragebirges und hat heilkräftige Eisen-Alaunquellen sowie Eisen- und alkalische Schwefelsäuerlinge, welch letztere in großen Mengen versendet werden. Es ist Eigentum des Grafen Károlyi, der daselbst auch ein Schloß mit Park besitzt.

Parāde (franz.), im allgemeinen Schaustellung, Prunk; im Militärwesen die Aufstellung von Truppen bei feierlichen Gelegenheiten in glänzender Ausrüstung, der Paradeuniform. Nachdem der die P. "Abnehmende" die Truppen in der Paradestellung besichtigt, folgt der Parademarsch, der Vorbeimarsch vor demselben, gewöhnlich in Zügen, doch auch in Kompanie-, Eskadron- und Batteriefronte, bei größern Truppenmassen auch in geschlossenen Kolonnen. Die Paradeaufstellung kleinerer Abteilungen ist in Linie, bei größern Massen in Kolonnen und in mehreren Treffen. Vor dem Vorbeimarsch reitet oder geht der Vorgesetzte die Fronte der Truppen entlang, wobei diese unter präsentiertem Gewehr stehen. Wachtparade ist die Besichtigung der für die nächsten 24 Stunden aufziehenden Wachtmannschaft und gewöhnlich mit Austeilung der Parole und der Tagesbefehle verbunden. Kirchenparaden sind Paraden, mit denen ein Militärgottesdienst verbunden ist. Trauerparaden sind Ehrenbezeigungen (s. d.) beim Leichenbegängnis von aktiven Offizieren und Veteranen. - In der Fechtkunst ist P. Abwehr des Angriffs mit der Waffe; in der Reitkunst das Verhalten des Pferdes im Lauf, sei es zum Halten, sei es zum Übergang in eine kürzere Gangart.

Paradebett, ein mit schwarzem Stoff behängtes Gerüst, auf dem der Sarg mit der Leiche eines Vornehmen öffentlich zur Schau ausgestellt wird.

Paradieren (franz.), Parade machen, prunken.

Paradies (v. pers. pardes, s. v. w. Park), nach der Bibel (1. Mos. 2 u. 3) der Aufenthaltsort der ersten Menschen vor dem Sündenfall, im hebräischen Text Eden ("Wonne") genannt, lag an einem Strom, der sich in vier Arme teilte: Pischon, der um das goldreiche Land Hevila, Gihon, der um das Land Kusch, Chiddekel, der in Assyrien floß, und Phrat. Die beiden letzten Namen bedeuten zweifellos den Tigris