Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Paris

722

Paris (öffentliche Gebäude, Bevölkerung).

dem alten Louvregebäude mit der von Perrault 1674 in kolossalen Verhältnissen ausgeführten Fassade mit Säulenordnung und den die Place Napoléon flankierenden Bauten des neuen Louvre mit vorspringenden Pavillons und reicher Skulpturausstattung. Diese neuern Bauten stellen die Verbindung mit dem Tuilerienpalast her, so daß der ganze Gebäudekomplex ein aus drei Abteilungen bestehendes, von O. nach W. gestrecktes längliches Viereck bildet, welches den eigentlichen Louvrehof, die Place Napoléon und die Place du Carroussel umschließt. Der Tuilerienpalast, 1564 unter Katharina von Medici von Philibert Delorme begonnen und mit wiederholten Unterbrechungen fortgeführt, wurde 1871 von den Kommunarden in Brand gesteckt und 1883 ganz abgetragen; nur zwei zum Louvre führende Flügel (Pavillon de Marsan und de Flore) sind erhalten. Die Place Napoléon ist mit Gartenanlagen versehen; auf der Place du Carroussel steht der von Napoleon I. 1806 nach dem Muster des Triumphbogens des Septimius Severus erbaute Arc de Triomphe du Carroussel, von einer Quadriga gekrönt. Das Louvre enthält gegenwärtig die reichhaltigen Museen (s. unten), welche im J. 1871 glücklicherweise von der Zerstörung verschont blieben (nur die wertvolle Louvrebibliothek verbrannte), im nördlichen Bau des neuen Louvre ist das Finanzministerium untergebracht, dessen ehemaliges Palais in der Rue de Rivoli 1871 gleichfalls verbrannt wurde. Nahe dabei steht das Palais-Royal, dessen ältester Teil 1629-34 von Kardinal Richelieu erbaut wurde, später von verschiedenen Mitgliedern der königlichen Familie (insbesondere aus der Linie Orléans) bewohnt, jetzt Sitz des Staatsrats und des Kassationshofs; es besteht aus einem Vorbau mit Säulenhalle und drei Gebäuden, welche einen großen gartenähnlichen Hof (Jardin du Palais-Royal) einschließen und in ihren dem Garten zugekehrten, einem lebhaften Verkehr dienenden Galerien zahlreiche Restaurants und Kaufläden für Luxusartikel enthalten. Im nördlichen Teil des Palastes befindet sich das Théâtre du Palais-Royal, während südlich das Théâtre-Français angebaut ward (1782). Von öffentlichen Gebäuden und Palästen sind ferner zu erwähnen: das Palais d'Elysée, aus dem 18. Jahrh., von der Marquise von Pompadour reich ausgestattet, seit der Revolution Staatseigentum, jetzt Residenz des Präsidenten der Republik, mit großem Garten; der in seinen Hauptteilen der Renaissanceperiode angehörige, unter Katharina von Medici 1615-20 von Jacques Desbrosses erbaute Palast Luxembourg, welcher, auf dem südlichen Seineufer gelegen, der Reihe nach fürstliche Personen, Regierungen und politische Körperschaften beherbergte, dazwischen in der großen Revolution als Staatsgefängnis diente, in seinen prächtigen Sälen eine ansehnliche Kunstsammlung (s. unten) enthält und von einem schönen Garten umgeben ist; der Palast des Gesetzgebenden Körpers, 1722 als Palais Bourbon erbaut, seit 1804 dem Parlament eingeräumt, mit reichdekorierten Sälen; das 1810-35 erbaute monumentale Palais du Quai d'Orsay, 1871 niedergebrannt; der Palast der Ehrenlegion, 1786 erbaut, nach dem Brand von 1871 wiederhergestellt; das Palais de Justice, ein großer Gebäudekomplex auf der Citéinsel, ursprünglich Residenz der Könige von Frankreich, dann Sitz des Parlaments, jetzt der Justiz- und Polizeiverwaltung dienend, nach den wiederholten Zerstörungen (1618, 1776 u. 1871) restauriert, mit wenigen vom ursprünglichen Bau erhaltenen Resten (Tour de l'Horloge etc.), der Ste.-Chapelle (s. oben), der großen Salle des Pas perdus und andern Sitzungssälen; das gegenüberliegende Handelsgericht (1860-66) mit Kuppel und stattlicher Treppe; das Ministerium des Äußern (1845) am Quai d'Orsay; das Hôtel de Ville, 1533-1628 von Boccadoro u. a. in französischem Renaissancestil erbaut, seit 1837 erweitert und im Innern prachtvoll ausgestattet, 1871 von den Kommunarden niedergebrannt, seither aber in der frühern Gestalt wieder aufgebaut; das 1671-74 unter Ludwig XIV. erbaute Hôtel des Invalides, welches eine reiche Waffensammlung, das Musée d'Artillerie, enthält und den Invalidendom in sich schließt, einen quadratischen Kuppelbau von 1706 mit Krypte, in welchem sich seit 1841 das Grab Napoleons I. befindet, ferner mit den Grabmälern von Turenne und Vauban; die 1838 vollendete École des Beaux-Arts mit schöner Fassade; das Conservatoire des Arts et Métiers, eine ehemalige, 1060 gegründete Abtei St.-Martin, von deren Räumen namentlich die Kirche und das Refektorium, beide aus dem 13. Jahrh., erhalten sind; das großartige Opernhaus, 1861-75 von Garnier erbaut, mit reicher, aber etwas gedrückter Fassade, verschwenderisch ausgestattetem, beinahe überladenem Zuschauerraum mit 2156 Plätzen und einem mit trefflichen Deckengemälden geschmückten Foyer (Gesamtkosten 36 Mill. Frank); das umfangreiche, 1751 errichtete Gebäude der École militaire, jetzt Kaserne (die Schule wurde nach St.-Cyr verlegt); die Börse, 1808-27 in Form eines griechischen Tempels erbaut, mit korinthischen Säulen und Standbildern; das Hôtel des Monnaies (Münzgebäude), am Quai Conti 1771 errichtet; der alte Industriepalast in den Champs-Elysées, für die erste Pariser Weltausstellung 1855 erbaut, jetzt zu der jährlichen Kunstausstellung ("Salon") dienend; der Trocadéropalast, ein aus Anlaß der Weltausstellung 1878 in orientalischem Stil errichteter halbkreisförmiger Festbau. Auch für die Weltausstellung des Jahrs 1889 werden auf dem Marsfeld große Bauten (darunter der viel angefochtene Eiffelturm) aufgeführt.

Bevölkerung.

Die Zahl der Einwohner betrug 1886 bei mehr als 76,000 Wohnhäusern 2,344,550, dagegen 1881: 2,269,023, 1861:1,696,141, 1836: 909,126, 1798: 640,504. Das Anwachsen der Pariser Bevölkerung ist selbstverständlich weniger der natürlichen Zunahme infolge Überschusses der Geburten über die Sterbefälle als vielmehr dem fortwährenden Zufluß ortsfremder Bevölkerung nach P. zuzuschreiben. Von 1000 Bewohnern sind denn auch nur 322 in P., 38 in andern Orten des Departements Seine, 565 im übrigen Frankreich und 75 im Ausland geboren. Die Bevölkerungsbewegung ergab 1884 folgende Hauptdaten: 20,562 Trauungen, 63,840 Geburten, 5019 Totgeborne, 56,970 Sterbefälle.

Dem Glaubensbekenntnis nach umfaßt die ihrer überwiegenden Mehrheit nach katholische Pariser Bevölkerung zufolge der letzten Erhebung (1872) 19,424 Calvinisten, 12,634 Lutheraner, 9615 sonstige Protestanten, 23,434 Juden und 1572 Mohammedaner und Buddhisten; 13,905 Individuen erklärten, überhaupt keinem Kultus anzugehören, und 11,041 bekannten sich zu religiösen Überzeugungen, die in ihrer Eigentümlichkeit sich jeder Klassifizierung entziehen. An der Spitze des aus 1193 Geistlichen zusammengesetzten Klerus von P. steht der Erzbischof. Der Posten gilt für ebenso ehren- und einflußreich wie gefährlich; drei Erzbischöfe von P. sind im Lauf