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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Paris

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Paris (Geschichte bis 1754).

König Ludwig der Heilige (1226-70) beseitigte viele bei der Prévôté eingeschlichene Mißbräuche, führte ein Appellationsgericht sowie vereidigte Notare ein, gab den Künstlern und Handwerkern eine geregelte Verfassung, hob den Handel, erließ Abgaben, schuf ein organisiertes Korps städtischer Truppen und ordnete überhaupt die städtischen Verhältnisse auf eine durchgreifende Weise; auch erbaute er die Ste.-Chapelle und das Hospital der Quinze-Vingts. Unter Philipp IV., dem Schönen, verlegte das Parlament 1302 seinen Sitz nach P., und seitdem wurde diese Stadt der Vereinigungspunkt der höhern Staatsanstalten; auch versammelten sich die Generalstände daselbst. 1348 raffte der schwarze Tod ein Drittel der Bevölkerung hinweg. Während der Gefangenschaft des Königs Johann in England erregte 1358 König Karl der Böse von Navarra im Verein mit dem Prévôt der Kaufleute, Marcel (s. d.), bedeutende Unruhen in P., um es in die Hände der Engländer zu liefern; doch wurde Marcel von Maillard ermordet und der Dauphin des Aufstandes bald wieder Herr.

Die unter Philipp II. August aufgeführten Mauern und Wälle hatten das Wachstum der Stadt nicht zu hemmen vermocht, und unter Karls V. Regierung waren die Neubauten außerhalb der Ringmauern so bedeutend angewachsen, daß man 1367-83 die nördliche Ringmauer erweitern mußte. Damals zählte die Stadt bereits 280,000 Einw. 1382 kam es zum Aufstand der Maillotins, wie die Aufrührer nach den schweren bleiernen Hämmern benannt wurden, die sie als Waffen führten, gegen die vom Regenten, dem Herzog von Anjou, aufgelegten neuen Steuern, der blutig unterdrückt wurde. In dem Streit der Burgunder und Armagnacs während des französisch-englischen Kriegs nahmen die Pariser für die erstern Partei. 1411 erlangten die Zünfte unter Führung der Schlächter, namentlich des Tierabhäuters Caboche (Cabochiens), die Herrschaft in P. und vereinigten sich mit der burgundischen Partei, wurden zwar 1413 gestürzt, erhoben sich aber 1418 zum zweitenmal unter Perrinet le Clerc, ermordeten den Grafen von Armagnac und rächten sich grausam an ihren Unterdrückern. Sie riefen den Herzog von Burgund nach P. und lieferten die Stadt 1420 in die Hände der Engländer. 1429 versuchte Jeanne d'Arc vergebens einen Sturm auf sie, aber 1436 eroberte sie Dunois für Karl VII. Da sie durch Pest und Hungersnot über 100,000 Menschen verloren hatte, so zog man viele Fremde herbei, so daß die Stadt bei Ludwigs XI. Tod 1483 schon wieder 300,000 Einw. zählte, die sich in 17 Viertel oder Quartiere verteilten. Überhaupt genoß die Stadt jetzt einer längern Friedenszeit und wurde nur durch Epidemien, welche hauptsächlich der Straßenschmutz erzeugte, wiederholt heimgesucht. 1464 wurde die Briefpost, 1470 die erste Buchdruckerei in den Gebäuden der Sorbonne (Universität) errichtet, und 1472 erhielt P. medizinische Unterrichtsanstalten.

Zur Zeit des Königs Franz I. war die Stadt schon der Vereinigungspunkt alles dessen, was Frankreich Großes und Schönes aufzuweisen hatte. Ein Freund der Wissenschaften und Künste, stiftete Franz das königliche Kollegium, die alte Burg des Louvre verschwand, die durch Jean Goujon mit herrlichen Skulpturarbeiten geschmückten Paläste nahmen die Meisterwerke der italienischen Maler auf, neue Straßen wurden angelegt. 1553 wurde der Bau des neuen Stadthauses begonnen. Nun folgte die Schreckenszeit der Religionskriege und der bürgerlichen Zerrüttungen, in denen die Bürgerschaft von P. leidenschaftlich für den Katholizismus und die Liga Partei nahm. Hier fand 24. Aug. 1572 die "Bluthochzeit" statt, bei der die Pariser 2000 Hugenotten ermordeten. P. litt dann durch Belagerung, Pest und Hungersnot und ergab sich, nachdem es am "Tag der Barrikaden" (12. Mai 1588) Heinrich III. vertrieben, erst 1593 nach zweimaliger Belagerung, als bereits 13,000 Menschen den Hungertod gestorben waren, an Heinrich IV., nachdem derselbe in St.-Denis eine Messe besucht hatte. Heinrich vollendete den Pont neuf und das Stadthaus, erweiterte die Tuilerien, begann die Galerie, durch welche diese mit dem Louvre in Verbindung stehen, legte die Place-Royale an, ließ die Kais ausbauen und fortsetzen und erweiterte die Bibliothek. Maria von Medici legte 1615 den Grund zum Palais Luxembourg. 1622 wurde P. zum Erzbistum erhoben. Der Bau der Sorbonne, die Stiftung des Collège Louis le Grand, die Anlage des botanischen Gartens und die Errichtung der Académie française waren besonders für wissenschaftliche Bestrebungen von bedeutendem Einfluß. Richelieu, von dem ein Teil dieser Anstalten gegründet ward, begann 1629 auch den Bau des Palais Cardinal (später Royal). 1642 wurde ein neues Quartier (Faubourg St.-Germain) in Angriff genommen, und gleichzeitig wurden mehrere Dörfer mit den Vorstädten St.-Honoré und St.-Antoine verbunden. Während der Minderjährigkeit Ludwigs XIV. war P. Hauptschauplatz der Unruhen der Fronde und erbitterter Kämpfe in seinen Vorstädten. Ludwig XIV. legte 80 neue Straßen an und erweiterte und verschönerte die schon vorhandenen Plätze und Räumlichkeiten. Mit Bäumen bepflanzte Promenaden (Boulevards) entstanden auf der Nord- und Südseite der Stadt, und die Wälle wurden in Straßen verwandelt. An die Stelle der engen Pforten traten die Triumphbogen der Thore St.-Denis, St.-Martin, St.-Antoine und St.-Bernard, von denen aber nur zwei die Revolution überdauerten. Die Stadt erhielt die Plätze Vendôme und des Victoires und die Kolonnade des Louvre (1665). 1664 wurden die Tuilerien vollendet, Lenôtre legte den Tuileriengarten und die Elysäischen Felder an; das Invalidenhaus, Findelhaus und Hospital général erstanden, der Justizpalast wurde erweitert, die Höhe St.-Roche geebnet, die Ponts au Change, de la Tournelle und Rouge umgestaltet und der Pont-Royal zur Beförderung des Verkehrs zwischen den Tuilerien und der Vorstadt St.-Germain errichtet. Auch erhielt P. damals seine erste Straßenbeleuchtung.

Obwohl Ludwig XIV. die Residenz nach Versailles verlegte, wo sie bis 1789 blieb, war P. doch immer der Mittelpunkt der französischen Gesellschaft, wohin alle durch ihre Stellung und ihren Geist bedeutenden Persönlichkeiten Frankreichs und des Auslandes zusammenströmten, um feinere Sitten zu lernen und dann in ihrer Heimat zu verbreiten. Künste und Wissenschaften feierten in P. ihre Glanzperiode, die Universität erhielt das Collège Mazarin, Akademien wurden gegründet, das Observatorium ward erbaut, die Oper und das Théâtre-Français errichtet, und die französische Litteratur erlebte jetzt in P. ihr goldenes Zeitalter. Unter Ludwig XV. wurde die Stadt 1726 mit neuen Ringmauern versehen. Der Adel schmückte die Vorstädte St.-Honoré und St.-Germain mit neuen Palästen, 1722 begann der Bau des Palais Bourbon, 1751 wurde die Militärschule auf dem Marsfeld gegründet und die Kirche Ste.-Geneviève neu aufgebaut. 1754 wurde der Platz Ludwigs XV. mit seinen Kolonnaden an-^[folgende Seite]