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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pater patratus - Pathologie.

Schaufelkette zieht sich durch eine parallelepipedische, den Schaufeln angepaßte Lutte, die Steigrinne; die niedergehende Schaufelkette stützt sich entweder auf ein bloßes Laufbrett oder auf eine oben offene Rinne. Die Länge der Rinne ist ca. 5-10 m und ihre Neigung gegen den Horizont 10-30°. Die Bewegung der Maschine geht wieder vom obern Kettenrad aus. Da die Schaufelwerke transportabel sind und auch bei unreinem Hubwasser gut arbeiten, so wurden sie früher nicht selten gebraucht, um Grundwasser aus mäßigen Tiefen (bis zu 3 m) emporzuheben. - Bei der Scheibenkunst trägt die Kette statt der Schaufeln kreisrunde Scheiben oder Kolben, und dieselbe steigt in einer vertikal stehenden cylindrischen, gewöhnlich aus Holz, besser jedoch aus Eisen gefertigten Röhre von 125-150 mm Weite, der sogen. Steigröhre, empor. Die Scheibenkette liegt über den gabelförmigen Armenden zweier Räder. Die Bewegung des obern Rades geschieht, wie bei den Schaufelwerken, mittels einer Kurbel durch Menschenhand. Die Scheibenkunst wird als Kettenpumpe mit gutem Erfolg zum Heben unreiner Flüssigkeiten, besonders als Jauchepumpe auf den Düngerstellen, verwendet. Über die Verwendung der Scheibenkünste zu Gebläsen (Kettengebläse) s. Gebläse, S. 977. Geschichte der P. s. Wasserhebemaschinen.

Pater patratus (lat.), s. Fetiales. ^[richtig: Fetialen.]

Pater patriae (lat.), "Vater des Vaterlandes", Ehrentitel der römischen Kaiser, früher auch andrer um das Vaterland verdienter Männer. Cicero war der erste, der vom Senat diesen Beinamen erhielt und zwar für seine Entdeckung der Catilinarischen Verschwörung. Augustus wurde der Titel 2 v. Chr. vom Senat verliehen.

Pater peccavi (lat.), "Vater, ich habe gesündigt" (nach Luk. 15, 18 u. 21), sprichwörtliche Formel für ein reumütiges Schuldbekenntnis.

Pater seraphicus (lat., "der seraphische Vater"), Benennung des heil. Franciscus.

Paterson (spr. péters'n), Fabrikstadt im nordamerikan. Staat New Jersey, am Passaicfluß, der hier 27 m hohe Fälle bildet, hat zahlreiche Baumwoll-, Seide-, Leinen- und Maschinenfabriken u. (1885) 63,260 Einw.

Paterson (spr. péters'n), William, engl. Geschäfts- und Staatsmann, geb. 1665 zu Skipmyre in Schottland, erlernte die Kaufmannschaft und schwang sich, nachdem er sich viel in der Welt umgesehen hatte, in London zum finanziellen Ratgeber des Königs Wilhelm III. auf. Von ihm stammt der Plan, nach welchem 1694 die Bank von England nach dem Muster der genuesischen Bank von San Giorgio gegründet wurde. 1695 veranlaßte er eine Expedition zur Anlegung einer schottischen Kolonie auf der Landenge von Panama (in Darien), die indes 1699 wieder aufgegeben wurde. Er starb 22. Jan. 1719. Vgl. Bannister, W. P. (2. Aufl., Lond. 1860).

Pâte sur pâte (franz., "Masse auf Masse"), ein von den Chinesen erfundenes, in neuerer Zeit in der Porzellanfabrik von Sèvres und seit 1871 auch in England (bei Minton u. Komp.) geübtes Verfahren in der Porzellanmalerei, welches weiße, glänzende Figuren und Ornamente hervorbringt, die sich von dunkelblauem (bleu Sèvres), grauem oder olivengrünem Grund kameenartig abheben. Man trägt auf den matt gefärbten Grund eines Gefäßes oder einer Platte das Relief mit weißer, in Wasser aufgeschlämmter Masse möglichst dünn auf. Bei dem Brand schmilzt das aufgetragen weiße Relief, so daß der farbige, emaillierte Untergrund durchschimmert (s. Tafel "Keramik", Fig. 2).

Patetico (ital.), pathetisch; in der Musik s. v. w. mit leidenschaftlichem Vortrag, scharfer Rhythmisierung und starken Accenten.

Pathetisch (griech.), leidenschaftlich; s. Pathos.

Pathogen (pathogenisch, griech.), Krankheit erzeugend; pathogene Bakterien, Spaltpilze, welche im tierischen Körper Krankheiten verursachen, z. B. die Bacillen der Tuberkulose, des Milzbrandes, der Cholera, des Aussatzes etc.

Pathogenie (griech.), Lehre von der Entwickelung der Krankheitsprozesse, s. Pathologie.

Pathognomik (griech.), die Kunst, die Gemütsbewegungen aus den Veränderungen des Körpers, hauptsächlich der Gesichtszüge, zu erkennen (vgl. Physiognomik); auch die Lehre von den Zeichen und der richtigen Beurteilung der Krankheiten. Pathognomische oder pathognostische Zeichen kommen nur einer ganz bestimmten Krankheit zu; ein blauschwarzer Rand an der Zahnfleischgrenze ist z. B. ein pathognomisches Zeichen für Bleikrankheit.

Pathologie (griech.), die Lehre vom Kranksein, bez. von den Krankheiten. Während die Anatomie und Physiologie die Formen und Verrichtungen des normalen Körpers lehren, gehört der P. der ganze übrige Hauptteil der Medizin an. Die P. ruht wesentlich auf der Erkenntnis der anatomischen Veränderungen, welche die Organe unter abnormen Lebensbedingungen erfahren (pathologische Anatomie), und auf der Kenntnis der chemischen Veränderungen, welche namentlich in den Absonderungen wahrnehmbar sind (pathologische Chemie). Da die P. eigentlich erst durch die Fortschritte in der Kenntnis der pathologischen Anatomie eine Wissenschaft geworden ist, so wird vielfach der Name P. in diesem engern Sinn selbst gebraucht; namentlich bezeichnet man als spezielle P. die anatomischen Veränderungen, welche die einzelnen Organe, Herz, Lungen, Leber, Nieren etc., in Krankheitsfällen erfahren, und die Wandlungen, welche sie durchmachen müssen, um wieder zur Norm zurückzukehren. Diese Kenntnis wird durch Sektionen und durch mikroskopische Untersuchung der erkrankten Gewebe (pathologische Histologie) gewonnen. Die allgemeine P. lehrt dieselbe Materie, aber mehr nach allgemeinen Gesichtspunkten geordnet, so daß sie mehr die Prozesse selbst, die Entzündungen, die wässerigen Ausscheidungen, die Vorgänge gesteigerter oder herabgesetzter Gewebsernährung ins Auge faßt und die Ergebnisse der speziellen P. so durch Vergleichung und durch Berücksichtigung ihrer Bedeutung für die Thätigkeit der ganzen Systeme (Atmung, Blutbewegung, Ernährung) nutzbar macht. Das notwendige Bindeglied, welches die P. zur wirklichen Grundlage für die Beobachtung am lebenden kranken Menschen macht, ist die experimentelle P. Das Experiment gewährt in Fragen der P. große Vorteile, welche darin bestehen, daß man nach Willkür Ort, Zeit und Bedingungen eines künstlich zu produzierenden krankhaften Zustandes wählen, letztern unter den mannigfaltigsten Modifikationen zur Anschauung bringen und den für die Untersuchung der Krankheit notwendigen Tod (des Tiers) eine bestimmte Zeit nach dem Experiment herbeiführen kann. Wir verdanken dem Experiment eine Reihe der schönsten und sichersten pathologischen Thatsachen. Um einige Beispiele anzuführen, so sind es einige Fragen in Bezug auf die Ursachen der Krankheiten, in welchen das Experiment eine ganz zuverlässig Antwort gegeben hat. Wir erinnern an die Vergiftungskrankheiten, an die Übertragung mehrerer pflanzlicher und tierischer Pa-^[folgende Seite]