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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pathophobīe; Pathos; Patia; Patiala; Patibŭlum; Patience; Patient; Patientiakräutlein; Patillos; Patin

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Pathophobie - Patin.

rasiten (Bandwürmer, Trichinen, Milzbrand), an die Kuhpockenimpfung, an die Beobachtungen über die Impfbarkeit der primären und sekundären Syphilis etc. Ebenso sind es einzelne pathologische Prozesse, welchen die P. durch das Experiment teils alleinigen, teils durch die Beobachtung am Krankenbett ergänzten Aufschluß verdankt. Wir erwähnen in dieser Beziehung nur die Experimente über die Gefäßverstopfungen und ihre Folgen, über Entzündung, über Gewebsneubildungen, über die Folge der Nervendurchschneidungen etc.

Wichtigste Litteratur: Rokitansky, Lehrbuch der pathologischen Anatomie (3. Aufl., Wien 1855-61, 3 Bde.); Förster, Handbuch der allgemeinen und speziellen pathologischen Anatomie (2. Aufl., Leipz. 1865, 2 Bde.); Klebs, Handbuch der pathologischen Anatomie (Berl. 1867-80); Ziegler, Lehrbuch der pathologischen Anatomie (5. Aufl., Jena 1887, 2 Bde.); Orth, Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie (Berl. 1883-86); Birch-Hirschfeld, Lehrbuch der pathologischen Anatomie (2. Aufl., Leipz. 1885, 2 Bde.); Virchow, Cellularpathologie (Berl. 1871); Lotze, Allgemeine P. und Therapie als mechanische Naturwissenschaften (2. Aufl., Leipz. 1848); Perls, Lehrbuch der allgemeinen P. und Pathogenese (Stuttg. 1877); Uhle-Wagner, Handbuch der allgemeinen P. (7. Aufl., Leipz. 1876); v. Recklinghausen, Handbuch der pathologischen Anatomie (in "Deutsche Chirurgie", Stuttg. 1883); E. Klebs, Die allgemeine P. (Jena 1887 ff., 3 Tle.); Felix v. Niemeyer, Lehrbuch der speziellen P. und Therapie (11. Aufl. von Seitz, Berl. 1884, 2 Bde.); Eichhorst, Handbuch der speziellen P. und Therapie (3. Aufl., Wien 1886-1887, 4 Bde.); Ad. Strümpell, Lehrbuch der speziellen P. und Therapie (3. Aufl., Leipz. 1886, 2 Bde.); Liebermeister, Vorlesungen über spezielle P. und Therapie (das. 1885-86, 2 Bde.); Jürgensen, Lehrbuch der speziellen P. und Therapie (das. 1886); v. Ziemssen u. a., Handbuch der speziellen P. und Therapie (das. 1875-84, 16 Bde.).

Pathophobīe (griech.), s. v. w. Hypochondrie.

Pathos (griech.), eigentlich das Leiden, das Ergriffensein von etwas; im ästhetischen Sinn jeder stärkere Eindruck auf das Gemüt, Affekt oder heftige Gemütsbewegung, die als Leidenschaft auch ein Leiden, ein Erlittenes voraussetzt. Pathetisch ist daher, was eine starke Gemütsbewegung, das Leidenschaftliche, jedoch mit Ernst und Würde, ausdrücke. Das P. muß in der Darstellung aus der innern Natur der Sache, der Fühlenden und Handelnden hervorgehen und deren Verhältnissen angemessen sein, wenn es nicht in geschmacklosen Schwulst ausarten soll. Die bloße Darstellung des Leidens als Leiden kann aber nicht Gegenstand der Kunst sein, und es ist daher nicht das Leiden selbst, sondern nur der geistige, durch Vernunftideen begründete Widerstand gegen dasselbe pathetisch. Aus der pathetischen Darstellung muß einesteils der leidende, andernteils der selbständige Geist durchscheinen. Wo aber der Dichter den leidenschaftlichen Zustand, den er schildern will, nicht innerlich mit durchlebt, wird das P. bald frostig und unnatürlich, wie in der klassischen Tragödie der Franzosen, oder überspannt und zügellos, wie in vielen neuern ihrer Tragödien. Daß auch die bildende Kunst der pathetischen Darstellung fähig sei, beweist unter anderm die Gruppe des Laokoon.

Patia (Rio P.), Fluß in der südamerikan. Republik Kolumbien, fließt 200 km weit in südlicher Richtung zwischen den Parallelketten der Kordilleren hin, durchbricht dann die äußere Kette in gewaltiger Schlucht und ergießt sich unter 4° 8' nördl. Br. in das Stille Meer. Er ist 150 km weit schiffbar. Der Fluß ist goldreich; Steinkohlen finden sich in seinem obern Lauf, Kupfer bei San Pablo.

Patiala, Vasallenstaat in der britisch-ind. Provinz Pandschab, besteht aus zwei Teilen, einem kleinern in den Vorbergen des Himalaja und einem größern in der Ebene südlich vom Satledsch, umfaßt 15,247 qkm (277 QM.) mit (1881) 1,467,433 Einw., zur Hälfte Hindu, außerdem Sikh, Mohammedaner u. a. P. liefert neben Getreide Schiefer, Blei und Kupfer in den Handel. Die Eisenbahn Dehli-Lahor zieht im N. hindurch, den Südwesten bewässert der aus dem Satledsch gespeiste Sirhindkanal. Mit den Engländern haben sich die Maharadschas von P. stets gut zu stellen gewußt und dafür wiederholt Landschenkungen erhalten. Während des Sipoyaufstandes unterstützte der damalige Herrscher die britische Regierung mit Truppen und Geld. Der Maharadscha besitzt ungeheure Reichtümer; 1874 erwarb er die Diamanten der Exkaiserin Eugenie von Frankreich. Die Einkünfte des Staats betragen 470,000 Pfd. Sterl. Der Fürst unterhalt eine Armee von 3538 Mann (2750 Kavallerie) mit 109 Geschützen. Vgl. Griffin, The Rajas of the Panjab (Lond. 1873).

Patibŭlum (lat.), ein Halsblock, Strafinstrument der alten Römer, fälschlich oft Furca genannt. Es bestand aus zwei Balken, die nach dem Zusammenlegen in der Mitte eine Öffnung ließen. In diese Öffnung wurde der Hals des Verurteilten gesteckt, die Hände an die beiden Seiten des P. gebunden oder genagelt. Sollte die Kreuzigung als Strafe hinzukommen, so wurde der Hinzurichtende in diesem P. nach dem Richtplatz geführt und hier an dem vorher errichteten Pfahl in die Höhe gezogen.

Patience (franz., spr. passĭāngs), Geduld; auch Name gewisser Spiele, besonders Kartenspiele, die ein einzelner vornimmt, um sich die Langeweile zu vertreiben. Vgl. "Illustriertes Buch der Patiencen" (5. Aufl., Bresl. 1884; neue Folge 1885); Merz, Die P. (Berl. 1886); "Buch der Patiencen" (Hannov. 1886).

Patient (lat.), ein Leidender, Kranker.

Patientiakräutlein, s. Cerastium.

Patillos (spr. -tilljos), Hafenort der Provinz Tarapacá des südamerikan. Staats Chile, südlich von Iquique, durch eine 150 km lange Eisenbahn mit den Salpeterlagern von Sular Grande verbunden. Südlich von ihr findet man Guano.

Patin (franz., spr. -täng), Stelzschuh, Schlittschuh. Daher Patineur (spr. -nör), Schlittschuhläufer; patinieren, Schlittschuh laufen; auch s. v. w. mit einer Patina (s. d.) überziehen, bronzieren.

Patin (spr. -täng), Henri Joseph Guillaume, berühmter Gelehrter, geb. 21. Aug. 1793 zu Paris, machte seine Studien auf der dortigen École normale, erhielt 1818 den Lehrstuhl der Rhetorik am Collège Henri IV., 1833 den der lateinischen Poesie an der Sorbonne, wurde 1865 Dekan der litterarischen Fakultät und starb 19. Febr. 1876 in Paris. 1843 in die Akademie aufgenommen, war er seit 1871 ständiger Sekretär derselben. Neben einer Anzahl von Lobreden (auf Bernardin de Saint-Pierre, Lesage, Bossuet etc.), die ihn als feinen Stilisten charakterisieren, schrieb er: "Études sur les tragiques grecs" (Par. 1841-43, 3 Bde.; 5. Aufl. 1877); eine Übersetzung des Horaz (neue Ausg. 1886, 2 Bde.); "Études sur la poésie latine" (das. 1869, 2 Bde.; 2. Aufl. 1875); "Mélanges de littérature ancienne et moderne" (Par. 1840) und "Discours et mélanges littéraires" (das. 1876).