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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pavĭan

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Pavia - Pavian.

Die gleichnamige Hauptstadt der Provinz liegt in einer fruchtbaren, hauptsächlich mit Reis bebauten Ebene links am Ticino, der sich hier mit dem Naviglio di P. vereinigt und von hier an schiffbar ist. Über den Fluß führt eine unter Galeazzo II. Visconti 1353 erbaute gedeckte Brücke von sieben Marmorbogen, durch welche die Stadt mit der jenseits gelegenen Vorstadt (Sobborgo Ticino) verbunden wird. Außerdem führt über den Fluß eine 762 m lange Eisenbahnbrücke. Die Stadt hat teilweise noch erhaltene Wälle und Mauern mit zwölf alten Türmen. Unter den Plätzen sind die bedeutendsten: die Piazza grande, mit Arkaden und dem altertümlichen Rathaus; die Piazza d'Italia vor dem Universitätsgebäude, mit der Marmorstatue der Italia, und die weite, freie Piazza di Castello. Von den Straßen zeichnet sich namentlich der die ganze Stadt von N. nach S. durchschneidende Corso Vittorio Emmanuele aus. Ein andrer wichtiger Straßenzug ist der Corso Cavour. Unter den 18 Kirchen ist besonders der Dom bemerkenswert, ein großartiges, aber unvollendetes Bauwerk im Renaissancestil (1488 begonnen), mit dem prachtvollen Grabmal des heiligen Augustinus von 1362, in gotischem Stil. Ein interessanter Bau ist ferner die auf alten Fundamenten im 12. Jahrh. errichtete lombardische Basilika San Michele (1863-76 restauriert) mit reichen Skulpturen an der Fassade und an den drei Portalen, dreischiffig mit Kuppel. Sie diente als Krönungskirche der ersten Könige von Italien und wurde in neuester Zeit zur Basilica reale erklärt. Andre bemerkenswerte Kirchen sind: die Kirche Santa Maria del Carmine, ein Backsteinbau von 1373, San Francesco und die schöne kleine Kuppelkirche Santa Maria Coronata di Canepanova, 1492 nach dem Entwurf Bramantes erbaut. Von den weltlichen Gebäuden sind hervorzuheben: das geräumige, 1490 von Lodovico Sforza erbaute, später erweiterte und verschönerte Universitätsgebäude, zu welchem 1845 die imposante Aula hinzukam; das sogen. Castello (jetzt Kaserne), einst der Palast der Visconti, 1360 unter Galeazzo II. Visconti begonnen, mit schönem Arkadenhof; zwei Theater; der Palast Malaspina, mit Seitenbau für die von der Familie gegründete Kunstschule und mit Büsten des Boethius und Petrarca. Die Bevölkerung von P. beläuft sich (1881) einschließlich der Vorstädte auf 29,836 Einw. Die Industrie von P. ist gering; von einiger Wichtigkeit sind nur die Käsebereitung, der Orgelbau, die Fabrikation von Eisengußwaren, landwirtschaftlichen Maschinen und Marmorarbeiten, die Zubereitung von Fellen. Bedeutender ist der Handel, insbesondere mit Bodenprodukten der Umgebung; gefördert wird derselbe durch zahlreiche Eisenbahnen und Wasserstraßen. Zu erwähnen sind auch die Handels- und Gewerbekammer, die Filiale der Nationalbank und die Sparkasse. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten von P. (ein Taubstummeninstitut, Waisen- und Findelhaus, mehrere Spitäler) ist das großartige Zivilspital San Matteo mit 700 Betten hervorzuheben (1449 von den Bürgern Pavias errichtet). Ihre Bedeutung verdankt die Stadt hauptsächlich der im Mittelalter zu hohem Ruf gelangten Universität. Dieselbe soll von Karl d. Gr. gegründet worden sein; als wirkliche Universität wurde sie aber erst 1361 unter Kaiser Karl IV. durch Galeazzo Visconti errichtet. An ihr wirkte unter andern der Physiker Volta, dem hier 1878 ein Denkmal errichtet wurde. Die Universität umfaßt Fakultäten für Jurisprudenz, Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften, Philosophie und Litteratur, außerdem Kurse für Pharmazie und Hebammenkunde sowie eine Reihe von zugehörigen wissenschaftlichen Instituten und wertvollen Sammlungen, einen botanischen Garten und eine Bibliothek, welche namentlich an medizinischen und naturwissenschaftliche Werken sehr reich ist und ca. 200,000 Bände zählt. Die Universität von P. zählte 1883-84: 109 Lehrende u. 862 Studierende (mehr als die Hälfte Mediziner), während sie 1852 noch von 1800 Hörern besucht war. Zur Universität gehören noch zwei Konvikte für dürftige Studierende, das eine 1563 von dem Erzbischof von Mailand, Carlo Borromeo, das andre 1569 von Papst Pius V., dem in P. ein Standbild errichtet worden ist, gegründet. Andre Unterrichtsanstalten sind: ein technisch-agronomisches Institut mit agrarischem Garten, ein Gymnasiallyceum, ein Seminar, eine Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Schule der schönen Künste mit Zeichen- und Kupferstecherschule und bedeutender Kupferstichsammlung und eine Malerschule. P. ist Sitz der Präfektur und andrer Provinzialbehörden, eines Assisenhofs und eines Bischofs. 8 km nördlich von P. liegt an der Eisenbahn nach Mailand die berühmte Certosa (s. d.).

Geschichte. P. ist das alte Ticinum, ward später römisches Munizipium und von den Hunnen zerstört. 490 kam die Stadt an die Ostgoten, deren König Theoderich hier einen Palast erbaute und den Ort befestigte. Damals kam auch statt des römischen Namens Ticinum der alte keltische Name der Stadt, Papia, wieder in Gebrauch. Von dem Langobardenkönig Alboin an, welcher P. 572 nach dreijähriger Belagerung eroberte, war es die Hauptstadt des langobardischen Reichs und blieb auch nach dem Sturz desselben 774 Krönungsstadt der italienischen Könige. Otto d. Gr. ließ sich 951 mit der Eisernen Krone hier zum König von Italien kronen. 1004 wurde die Stadt durch eine Feuersbrunst zerstört. Mit Mailand hatte sie mehrmals, namentlich 1059, heftige Kämpfe zu bestehen; später stand sie unter eignen Herren. In den ghibellinisch-guelfischen Streitigkeiten schloß sie sich meist an die Partei der Ghibellinen an. Im Anfang des 14. Jahrh. stritten sich hier die ghibellinische Familie Beccaria und die guelfische Familie Langusco um die Regierung. Die erstere erhielt 1313 durch Kaiser Heinrich VII. die Herrschaft über P. und regierte daselbst unter dem Schutz der Visconti bis 1356, wo sie verjagt und P. mit Mailand vereinigt wurde. Hier Schlacht 24. Febr. 1525, in welcher König Franz I. von Frankreich gefangen genommen wurde. 1527 verheerten die Franzosen unter dem General Lautrec die Stadt, die endlich mit Mailand an die Spanier kam. Nach dem spanischen Erbfolgekrieg fiel P. an Österreich. 1848 war P. mehrmals der Schauplatz von Unruhen. Am 9. und 10. Febr. kam es zu einer förmlichen Insurrektion, die aber blutig unterdrückt ward und die Schließung der Universität zur Folge hatte. Am 20. März entstand ein neuer Aufruhr, worauf am 21. die Österreicher die Stadt verließen und am 23. die salinischen Freischaren einzogen. 1849 kehrten die Österreicher zurück, und 5. Nov. 1851 ward die Universität wieder eröffnet. Seit 1856 wurden die Festungswerke vergrößert. Im Frieden von Villafranca (11. Juli 1859) ward P. nebst der übrigen Lombardei an das Königreich Sardinien abgetreten. Vgl. Preventano, Istoria dell' antichità di P. (Pavia 1570).

Pavĭan (Hundskopfaffe, Cynocephălus Briss.), Affengattung aus der Familie der Schmalnasen (Catarrhini) und der Unterfamilie der Hundsaffen, große, häßliche, widerwärtige Affen mit stark verlängerter