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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pedalflügel - Pedro.

Tons bewirkt wird, der Ton etwas Harfenartiges erhält und bedeutend schwächer ausfällt. Bei Pianinos regiert das linke P. meist eine besondere Dämpfvorrichtung, welche die Saiten verhindert, ausgiebige Schwingungen zu machen. Früher hatte man beim Klavier eine größere Anzahl Pedale, welche allerlei Spielereien in Funktion setzten, z. B. den Pantalonzug, das Jeu de buffle u. a. (s. Klavier, S. 817). Auch in neuerer Zeit hat man noch Pedale besonderer Art zu konstruiert versucht, z. B. das Prolongationspedal (Prolongement), welches gestattet, einzelne Teile der Besaitung nachklingen zu lassen, während andre abgedämpft sind. Bei der Harfe endlich heißen P. die sieben Fußtritte, welche die Saiten verkürzen, d. h. ihren Ton erhöhen (s. Harfe).

Pedalflügel, ein Flügel, der auf einen Kasten gestellt ist, welcher eine hervorstehende Pedalklaviatur im Umfang des Orgelpedals nebst zugehörigem Saitenbezug enthält (Kontra-C bis klein d). Der P. dient als Übungsinstrument für Orgelspieler.

Pedalharfe, s. Harfe.

Pedant (ital.), ursprünglich Erzieher, Hofmeister; dann ein steiler, nur seine Wissenschaft kennender Gelehrter sowie verallgemeinert jeder, der steil und kleinlich an gegebenen Formen, Regeln und Ansichten festhält und eine Freiheit des Geistes im Beurteilen und Handeln weder selbst besitzt, noch andern gestatten will. Pedanterie oder Pedantismus, das Wesen oder Benehmen eines Pedanten; pedantisch, s. v. w. schulfuchsmäßig, steif, geschmacklos, kleinlich. Das Wort P. wird auf das griechische paideuein (erziehen) zurückgeführt.

Pedantésca poesia (ital.), s. v. w. Maccaronische Poesie (s. d.).

Pedee (Great P., spr. greht pedih), Fluß in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, entspringt in Nordcarolina unter dem Namen Yadkin, fließt südöstlich nach Südcarolina, nimmt dort den Little P. auf, ist von Cheraw an für kleine Fahrzeuge schiffbar und mündet nach 570 km langem Lauf durch die Winyahbai in den Atlantischen Ozean.

Pedell (mittellat. pedellus, bidéllus, v. althochd. pital, Diener, Späher; vgl. Büttel), sonst s. v. w. Gerichtsbote, Diener öffentlicher Behörden; jetzt vorzugsweise Titel der Diener der Universitätsbehörden. Die Pedelle versehen die akademische Polizei, citieren die Studenten vor das Universitätsamt etc. Auf einigen ältern Universitäten war früher die Stellung der Pedelle eine höhere, indem diese zugleich als Notare fungierten.

Pedést (ital.), s. Podest. Pedesterstatue, Standbild, Bildsäule zu Fuß im Gegensatz zu Reiterstatue.

Pedéstrisch (lat.), auf den Füßen stehend oder gehend, zu Fuß; auch s. v. w. niedrig, prosaisch.

Pedicellarien, s. Echinoideen.

Pedicularis L. (Läusekraut), Gattung aus der Familie der Skrofulariaceen, perennierende, selten zweijährige Kräuter (Wurzelschmarotzer) mit wechsel- oder quirl-, selten fast gegenständigen, meist fiederteiligen Blättern, endständigen, oft einseitswendigen Ähren oder Trauben und zusammengedrücktem schiefer bis sichelförmiger Kapsel. 120 Arten, meist in den Gebirgen Europas, Mittel- und Nordasiens und Nordamerikas. P. palustris L. (Sumpfläusekraut, Sumpfrodel), 15-30 cm hoch, mit gefiederten Blättern und hellpurpurnen Blüten, auf sumpfigen Wiesen in Europa und Asien, riecht unangenehm, schmeckt scharf, wird von keinem Tier gefressen und soll bei ihnen Darmentzündungen und Blutharnen erzeugen. Es wird zu Waschungen benutzt, um Haustiere vom Ungeziefer zu reinigen. Mehrere Arten werden als Zierpflanzen kultiviert.

Pediculus, Laus; Pediculina (Läuse), Familie aus der Ordnung der Halbflügler, s. Läuse.

Pedigree (engl., spr. péddigri), der urkundlich nachgewiesene Stammbaum des Pferdes.

Pedir, Stadt, s. Atschin.

Pedites (lat.), Fußgänger, insbesondere im alten Rom die zu Fuß dienenden Soldaten, im Gegensatz zu den Equites (Reiterei) und den Classiarii (Schiffssoldaten). Auch hießen P. die nicht zum Ritterstand gehörigen Volksklassen.

Pedlar (Pedler, engl., spr. peddler), Hausierer, besonders in Nordamerika.

Pedometer (lat.-griech.), s. Schrittzähler.

Pedro, span. und portug. Form des Namens Peter, als deren Träger hauptsächlich zu nennen sind:

Kaiser von Brasilien: 1) Dom P. I. d'Alcantara, Herzog von Braganza, Sohn Johanns VI., Königs von Portugal und Kaisers von Brasilien, geb. 12. Okt. 1798 zu Lissabon, erhielt 1801 den Titel eines Prinzen von Beira, wuchs seit 1807 in Brasilien auf, wurde nach dem Regierungsantritt seines Vaters 1816 zum Prinzen von Brasilien ernannt und vermählte sich 1817 mit der Erzherzogin Leopoldine, der Tochter des Kaisers Franz I. von Österreich. Als 1820 die konstitutionelle Bewegung Portugals auch in Brasilien Platz griff, schuf er eine freisinnige konstitutionelle Verfassung, die er im Namen seines Vaters 26. Febr. 1821 einführte. Am 22. April 1821 von seinem nach Portugal zurückkehrenden Vater als Regent an die Spitze der brasilischen Regierung gestellt, 12. Okt. 1822 vom Volk zum Kaiser ausgerufen und 1. Dez. gekrönt, regierte er ganz in konstitutionellem Geist, verdarb aber auch viel durch seine Leidenschaftlichkeit und vermochte namentlich nicht die Brasilier mit den Portugiesen zu versöhnen. Nach dem Tod seines Vaters, 10. März 1826, trat er als P. IV. die Regierung von Portugal an, aber nur, um dem Land eine Verfassung zu geben, worauf er 2. Mai die portugiesische Krone seiner Tochter Dona Maria da Gloria abtrat und seinen Bruder Dom Miguel unter der Bedingung, daß er das Grundgesetz annehme und sich mit Dona Maria verlobe, zum Regenten ernannte. Pedros unglücklicher Feldzug gegen die Argentinische Republik, seine Verwickelung in den portugiesische Thronstreit (1828), seine Leidenschaftlichkeit, die ihn in viele Streitigkeiten mit den Cortes brachte, entfremdeten ihm jedoch die Brasilier in dem Grade, daß die Cortes ihm die Mittel zur Vertreibung des portugiesische Usurpators Dom Miguel verweigerten und 6. April 1831 ein Volksaufstand ausbrach, welcher P. bestimmte, 7. April zu gunsten seines Sohns Dom Pedro II. abzudanken und nach Frankreich zu gehen. Hier nahm er den Titel eines Herzogs von Braganza an, führte 20. Febr. 1832 eine Expedition zunächst nach Terceira, dann von den Azoren nach Oporto und focht so erfolgreich gegenden Usurpator Dom Miguel, daß er 28. Juli 1833 in Lissabon einziehen konnte. Am 23. Sept. erhob er darauf seine Tochter auf den Thron und ordnete in ihrem Namen den zerrütteten Staat. Nachdem sein Bruder in der Kapitulation zu Evora 26. Mai 1834 allen Ansprüchen auf Portugal entsagt hatte, ward P. 23. Aug. von den Cortes mit 90 Stimmen gegen 5 förmlich zum Regenten gewählt; doch legte er wegen seiner leidenden Gesundheit schon 18. Sept. die Regentschaft in die Hände der versammelten Cortes nieder, die nun die junge Königin für volljährig