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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Peele; Peene; Peer; Peerlkamp

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Peele - Peerlkamp.

dern des Kabinetts, Carnarvon und Cranborne, im März 1867 zurück, da ihm die von Disraeli eingebrachte Reformbill zu weit zu gehen schien. Er starb 13. Febr. 1879.

3) Sir Robert, brit. Staatsmann, Sohn von P. 1), geb. 4. Mai 1822 zu London, betrat die diplomatische Laufbahn, ward 1844 Attaché bei der englischen Gesandtschaft in Madrid, 1846 Legationssekretär in der Schweiz, kam 1850 an seines Vaters Stelle für Tamworth ins Unterhaus, wo er sich der Toryfraktion Derby anschloß, und bekleidete 1855-57 im Ministerium Palmerston das Amt eines Lords der Admiralität. 1857 wurde er wegen einer Rede, die er vor seinen Wählern in Tamworth gehalten, von Palmerston entlassen und suchte sich seitdem im Parlament durch oft alles Maß übersteigende Angriffe an diesem zu rächen. Trotzdem übernahm er 1861, als Palmerston ein neues Ministerium bildete, das ihm, um ihn zu versöhnen, angebotene Amt eines Obersekretärs für Irland, schied aber im November 1865 wieder aus.

4) William, brit. Seemann, Bruder des vorigen, geb. 2. Nov. 1824, trat 1838 in die Marine, wohnte 1840 dem Bombardement von Akka bei, wurde 1844 zum Leutnant, 1846 zum Commander ernannt und befehligte zu Anfang des Krimfeldzug die Fregatte Diamond im Schwarzen Meer, sodann die bei der Belagerung von Sebastopol verwandte Matrosenbrigade; er ward bei der Erstürmung der Festung schwer verwundet. 1857 wurde er nach China beordert, von da aber bald nach Ostindien berufen, um mit seinen Matrosen Lord Elgin in der Unterdrückung des Aufstandes der Sipoy zu unterstützen. Im März 1858 wurde er bei Lakhnau schwer verwundet und starb 27. April d. J. in Khanpur. Er schrieb: "A ride through the Nubian desert" (Lond. 1852).

5) Arthur Wellesley, brit. Staatsmann, jüngster Sohn von P. 1), geb. 1829, erzogen in Eton und Oxford, war von 1868 bis zum Januar 1871 Sekretär im Armenamt, von da bis zum August 1873 Sekretär im Handelsamt, dann bis zum Februar 1874 Sekretär des Schatzamtes und vom April bis zum Dezember 1880 Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern. Im Unterhaus, wo er seit 1865 Warwick vertritt, gehörte er der liberalen Partei an und wurde im Februar 1884 zum Sprecher des Unterhauses gewählt, welches einflußreiche Amt er, im Januar und im Juli 1886 wieder gewählt, noch jetzt bekleidet.

Peele (spr. pihl), George, engl. Dramatiker, einer der Vorläufer Shakespeares, über dessen Leben jedoch nichts weiter bekannt ist, als daß er 1579 Magister der freien Künste in Oxford und dann Stadtpoet in London wurde, wo er noch vor 1597 starb. Er hinterließ fünf Stücke: "The arraigement of Paris" (gedruckt 1584); "Edward I" (1593); "The old wives' tale" (1595); "Love of King David and Fair Bethsaba", sein Hauptwerk (erst nach seinem Tod 1599 gedruckt), und "The Turkish Mahomet and Hyron, the fair Greek", das nie gedruckt wurde und verloren gegangen ist, sowie einige Gelegenheitsgedichte. P. war roh, aber genial und besaß eine für seine Zeit seltene Herrschaft über Sprache und Form; eigentliches Interesse bietet er indessen nur durch den Vergleich mit seinem großen Nachfolger. Ausgaben seiner Werke besorgten Dyce (Lond. 1838, 3 Bde.) und Morley (das. 1887).

Peene, 1) der westliche Mündungsarm der Oder, 42 km lang, verläßt ganz im W. das Pommersche Haff, erweitert sich darauf zum Achterwasser, einem vielverzweigten Binnensee auf der Insel Usedom, geht darauf an Wolgast vorüber und mündet unterhalb Peenemünde in den Greifswalder Bodden; vor seiner Mündung liegt die kleine Insel Ruden. -

2) Fluß in Mecklenburg und Pommern, entspringt in Mecklenburg beim Dorf Grubenhagen aus zwei gleichnamigen Quellen, durchfließt den Malchiner und Kummerower See, nimmt die Tollense und Trebel (Große und Kleine Trebel, mit der Recknitz verbunden) auf, bildet anfangs die Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern, trennt später die Regierungsbezirke Stettin und Stralsund, fließt sehr langsam durch ausgedehnte Bruch- und Wiesengründe, ist von Malchin ab für kleinere, von Demmin ab für größere Schiffe (im ganzen auf 111 km) schiffbar und mündet 10 km unterhalb Anklam in den gleichnamigen Mündungsarm der Oder.

Peene, Hyppolyt Johan van, vläm. Dramatiker, geb. 1. Jan. 1811 zu Caprycke in Ostflandern, studierte Medizin und ließ sich 1837 als Arzt in Gent nieder, wo er 19. Febr. 1864 starb. Schon als Student hatte er für eine dramatische Gesellschaft, die er gestiftet, ein französisches Vaudeville geschrieben: "La vieillesse de Stanislas", welches 1835 aufgeführt wurde. Seine erste vlämische Originalarbeit: "Keizer Karel en de Berchemsche boer", welche zugleich das erste vlämische Vaudeville war, das seit 1830 geschrieben worden, hatte 1841 bei der Aufführung in Gent einen ungewöhnlichen Erfolg. Seitdem schuf der Dichter unermüdlich dramatische Stücke jeder Art für das vlämische Theater, von denen viele bei Gelegenheit von Preiskämpfen gekrönt wurden, wie z. B. die Oper "Brigitta" (1847), das Vaudeville "Een domme vent" (1848), das Drama "Jan de Vierde" (1848) u. a., und die meistens zum stehenden Repertoire des vlämischen Theaters gehören. Als sehr populär sind noch anzuführen: "Jacob van Artevelde" (1841); "Thijl Uilenspiegel" (1842); "Een man te trouwen" (1845); "De slotenmaker van Wyninghem" (1852); "Twee hanen en een henne" (1854); "Vader Cats" (1855); "Jellen en Mietje" (1858). Eine vollständige Ausgabe seiner Werke erschien in Gent (1880-82, 38 Bde.).

Peer (engl., spr. pihr), s. v. w. Pair (s. Pairs); Peerage (spr. pihredsch), Würde eines Peers, Gesamtheit der Peers.

Peerlkamp, Petrus Hofman, bedeutender holländ. Philolog, geb. 2. Febr. 1786 zu Groningen, studierte hier und in Leiden, ward 1803 Gymnasiallehrer zu Haarlem, 1804 Rektor des Gymnasiums zu Dockum, 1816 zu Haarlem, 1822 Professor der Philologie und Geschichte zu Leiden, nahm wegen Kränklichkeit 1849 seine Entlassung und lebte zu Hilversum (bei Utrecht), wo er 28. März 1865 starb. Sein Hauptgebiet war die höhere Kritik, wobei er jedoch, durch sein subjektives Gefühl verleitet, vielfach zu weit ging. Seine Hauptwerke sind die Ausgaben von Horaz' "Oden" (Haarl. 1834; 2. Ausg., Amsterd. 1862), von denen er einen guten Teil für untergeschoben erklärte, und von Vergils "Äneide" (Leiden 1843, 2 Bde.). Daneben sind zu nennen: die Ausgaben von Xenophon von Ephesos (Haarl. 1818), Tacitus' "Agricola" (Leid. 1827, 2. Aufl. 1864), Horaz' "Ars poetica" (das. 1845) und "Satiren" (Amsterd. 1863), Properz' 11. Elegie des 4. Buches (aus seinem Nachlaß von Boot, das. 1865). Auf die Litteraturgeschichte seines Vaterlandes beziehen sich: "Vitae excellentium Batavorum" (Leiden 1806); "Epistolae excellentium Batavorum" (das. 1808); "Vita C. Hugenii" (Haarl. 1817); "De vita, doc-^[folgende Seite]