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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pekin; Peking

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Pekin - Peking.

Pekin, Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, am Illinoisfluß, 15 km unterhalb Peoria, hat Schweineschlächterei, viel Handel und (1880) 5993 Einw.

Peking (d. h. nördliche Hauptstadt), Hauptstadt des chines. Reichs, Residenz des Kaisers, liegt unter 39° 45' nördl. Br. und 116° 28' 48'' östl. L. v. Gr., in einer nur 37 m ü. M. erhobenen Ebene, ganz nahe den südöstlichsten Ausläufern der Bergzüge, welche das Plateau der Mongolei im S. begrenzen, zwischen den Flüssen Wenho und Peiho und durchflossen von drei Bächen, welche, zum Kanal von Tatung vereinigt, bei Tungtscheu in den Peiho sich ergießen. Die Stadt nimmt einen Raum von 6340 Hektar ein, doch ist ein großer Teil dieses Raums nicht von Wohnhäusern, sondern von Gärten, Tempeln, großen Teichen und verlassenen Palästen eingenommen. P. besteht aus der nördlichen Tatarenstadt, einem regelmäßigen Viereck, und einer durch eine 9 m hohe und sehr breite Mauer davon geschiedenen Chinesenstadt, welche eine größere Ausdehnung nach O. und W. besitzt. Beide Städte sind von Mauer und Graben umgeben. Die Chinesenstadt ist zwar nicht die volkreichste, hat aber dafür den bedeutendern Verkehr. Die Tatarenstadt ist zwar regelmäßiger gebaut, aber keineswegs besser, ausgenommen bei den auswärtigen Gesandtschaften und den langen Triumphalstraßen, welche auf Marmorbrücken mit symbolischen Tierfiguren die Kanäle überschreiten. Die Straßen sind breit, aber sehr staubig, unreinlich und voll Gruben stinkenden Unrats; sie kreuzen sich in rechten Winkeln. Die Häuser sind niedrig, jene der Privaten von armseligem Ansehen; die Häuser der bessern Klassen sind von der Straße durch eine hohe Mauer abgeschlossen und haben im Innern des Gevierts große Hofräume. In allen Richtungen sind Bäume durch die Stadt zerstreut. Der Straßenverkehr ist, besonders in der Chinesenstadt, außerordentlich groß; beim Gehen kommt man mit Fußgängern, Sänften, einspännigen und zweispännigen Fuhrwerken stets in starkes Gedränge. Den Mittelpunkt der Tatarenstadt bildet die kaiserliche Stadt, umgeben von einer Mauer, deren vier Thore sich nach den vier Himmelsgegenden öffnen. Den größern Teil dieser Stadt nehmen ein künstlicher See und Baumanlagen ein. Zwei Hügel erheben sich hier, deren einer die ganze Stadt beherrscht. Die Gebäude bestehen aus einer Menge von Einzelhäusern, alle aus roten Backsteinen erbaut; die Dächer des Palastes sind gelb (die Farbe des kaiserlichen Hauses), jene der Mandarinen und Regierungsbüreaus, die alle in der kaiserlichen Abteilung der Stadt liegen, hellgrau, die Tempeldächer dunkelblau; die großen freien Plätze sind mit farbig glasierten Ziegeln gepflastert. Innerhalb dieser vor dem Palastviertel sich ausdehnenden Tatarenstadt steht in der Südostecke die alte Sternwarte der jesuitischen Missionäre mit ihren kunstvollen Instrumenten chinesischer Arbeit, darunter ein 2 m im Durchmesser haltender Himmelsglobus, auf welchem die Sternbilder durch kupferne Abbildungen dargestellt sind. Die russische Sternwarte enthält eine ausgezeichnete Sammlung chinesische Werke, die Lazaristenmission ein sehr schönes Naturalienkabinett. Dagegen ist die früher so umfassende Bibliothek der kaiserlichen Akademie bei der Einnahme der Stadt durch die Engländer und Franzosen ihrer größten Schätze beraubt worden. Unter der Mingdynastie wurden in den hier von der Regierung unterhaltenen Schulen Siamesisch, Birmanisch, Persisch, Türkisch, Tibetisch und Dialekte der Völker im südwestlichen China gelehrt; seit dem Opiumkrieg hat man eingesehen, daß die Kenntnis des Englischen, Französischen, Deutschen und Russischen weit wichtiger ist. Etwa 5 km außerhalb der Mauer steht der Tempel der Glocke, mit der berühmten großen (eisernen) Glocke (1250 Ztr. schwer); vor einem der Westthore liegt der sehenswerte Begräbnisplatz der Jesuiten, die sich durch ihre Missions- wie wissenschaftlichen Arbeiten berühmt gemacht haben, vor einem der Nordthore der Friedhof der Europäer. Nahe der Mauer der Chinesenstadt residieren die Gesandten der europäischen Mächte und befindet sich die russische Kolonie sowie die wenigen christlichen Kirchen und europäischen Anstalten (Hospitäler etc.) der Stadt. Die dem Tatarenteil vorliegende Chinesenstadt ist das bürgerliche P. mit seiner aus Chinesen, Mandschu, Mongolen, Koreanern, Japanern, Tibetern etc. gemachten bunten Bevölkerung; hier liegen alle Warenhäuser und Verkaufsbuden, von deren Dächern ein Wald von Stangen emporragt, jede ein in der Luft flatterndes, mit dicken Buchstaben bemaltes Aushängeschild von Papier tragend. Der großartige Eindruck, welchen das rege Verkehrsleben, die große Zahl stattliche Spitztürmchen, Brücken und glockenbehängter Tempel machen, wird verwischt durch die zahlreichen Beweise des Verfalls einstiger Größe. Die Straßen gleichen eher einem Bachbett, knietief liegt Schutt und Trümmerwerk aller Art; übelriechender Staub, von jedem Luftzug in dichten Schichten emporgewirbelt und Gesichts- wie Geruchswerkzeuge beleidigend, überdeckt alles. Im südlichsten Teil der Chinesenstadt stehen zwei Tempel, welche an Größe mit dem kaiserlichen Palast wetteifern, der Tempel des Himmels und der Tempel des Ackerbaues. Der erstere erhebt seine mit Fayence und Holzschnitzereien in Blau, Rot, Goldgelb und Grün geschmückte und von zwei übereinander sich erhebenden Dächern gekrönte Rotunde auf einer hohen Marmorterrasse; der zweite ist zwar kleiner, aber noch höher gelegen, hat drei Dächer und ist von einem wahren Wald von Säulen umgeben, welche die Balkone und Treppen stützen und zieren. Hier liegt auch der "heilige Acker", auf welchem der Kaiser früher jährlich mit einem Pflug von Elfenbein und Gold eine Furche pflügte. Die Buddhisten besitzen in der Tataren- und in der Chinesenstadt je ein Kloster für 2-3000 Insassen, welche Bauten ebenso wie die kaiserlichen Tempelgebäude in gutem Stand erhalten sind. Die Bevölkerung wird sehr verschieden angegeben: wie es scheint, weil einige auch die Umgegend hinzurechnen, während andre ihre Zahlangaben auf die Stadt allein beziehen. Die letzte amtliche chinesische Zahlung, die bekannt ist (1845), ergab: 1,648,814 Einw. für P., 2,553,159 für P. mit den Distrikten Dassin und Wanpin; neuere Reisende gehen bis auf 900,000, ja (Bretschneider) bis auf 500,000 Einw. herunter. Eine Stadtverfassung hat P. nicht; die Bevölkerung wird durch den Polizeistock in Ordnung gehalten, das Polizeikorps ist auf 90 Stationen verteilt. Von Militär liegen kaum 10,000 Mann Miliztruppen in der Stadt; die Garde garnisoniert nördlich von P. in dem 1860 arg verwüsteten Sommerpalast Juan min juen, die Feldtruppe neuerer Organisation am untern Peiho. An Schul- und Bildungsanstalten ist P. reich; seit 1868 besitzt es eine Universität unter der Leitung des durch seine chinesischen Übersetzungen von Wheatons und Bluntschlis "Völkerrecht" bekannten Dr. Martin mit einem Kollegium europäischer Lehrer aller Nationen. P. ist Sitz des Generalinspektors der Seezölle (Sir Robert Hart), der mit einem Stab von Sekretären von dort aus den europäisch organisierten Zolldienst der 19 Vertragshäfen leitet. Als oberste