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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pentastichon - Penthièvre.

Pentastichon (griech.), Gedicht oder Strophe von fünf Versen; auch s. v. w. Pentastylon.

Pentastomiden, s. Spinnentiere.

Pentastylon (griech.), die mit fünf Säulen versehene Fronte eines Gebäudes.

Pentasyllabum (griech.), fünfsilbiges Wort.

Pentateuch (griech.), die "fünf Bücher" Moses' im Alten Testament. Bei den Juden führen diese Bücher von ihrem Hauptinhalt den Namen Thora, d. h. Gesetz. Die einzelnen Bücher werden hebräisch nach den Anfangsworten, griechisch mit eignen, den Hauptinhalt bezeichnenden Namen benannt. Den Inhalt des ersten Buches (Genesis, Entstehung, nämlich der Welt und der Menschen, bei den Juden Bereschit) bildet die Geschichte der Entstehung der Welt und des jüdischen Volkes; den des zweiten Buches (Exodus, Auszug, nämlich der Israeliten aus Ägypten) bilden die Schicksale der Nachkommen Abrahams in Ägypten, der Auszug aus Ägypten und die Stiftung des Bundes am Sinai. Das dritte Buch (Leviticus) enthält vorzugsweise die kultische Gesetzgebung, die Hauptbestandteile des sogen. Priesterkodex. Auch das vierte Buch (Numeri, Zählung, nämlich des Volkes) bringt noch Nachträge zur Gesetzgebung, setzt dann aber die Geschichte des Zugs durch die Wüste fort vom zweiten Jahr nach dem Auszug bis zum 40. Jahr. Im fünften Buch (Deuteronomium, zweites Gesetz) haben wir eine ganz andre Gestalt, nach gewöhnlicher, jedoch unrichtiger Annahme eine ergänzende Wiederholung des Gesetzes mit Bezug auf spätere Verhältnisse. Während die althergebrachte Meinung, daß Moses Verfasser des ganzen Pentateuchs (nur den Bericht von seinem Lebensende ausgenommen) sei, von keinem namhaften biblischen Kritiker mehr verteidigt wird, bezeichnen jetzt die meisten die fünf Bücher als ein schichtenmäßig entstandenes Aggregat verschiedenartige Bestandteile, unter welchen besonders die beiden sich schon äußerlich durch die verschiedenen Gottesnamen Elohim und Jehovah bemerklich machenden hervorzuheben sind. Man spricht daher als von Quellenschriftstellern von einem Jehovisten (Jahvisten) und einem, neuerdings zwei, Elohisten, wobei übrigens noch verschiedene andre Elemente, wie das uralte "Bundesbuch", unterschieden werden. Das letzte der fünf Bücher ist erst unter Hiskias' Regierung entstanden (vgl. 2. Kön. 22), aber das Ganze ist wahrscheinlich sogar noch spätern Ursprungs und hat jedenfalls erst nach dem Exil seine jetzige Gestalt empfangen. Vgl. Kayser, Das vorexilische Buch der Urgeschichte Israels (Straßb. 1874); Reuß, L'histoire sainte et la loi (Par. 1879).

Pentathlon (griech., "Fünfkampf"), in der alten griech. Gymnastik (s. d.) und bei den Festspielen ein aus den fünf Kampfgängen des Weitsprungs, Speerwurfs, Wettlaufs, Diskoswurfs und Ringens zusammengesetzter Wettkampf. Zum Weitsprung wurden alle Bewerber zugelassen, zum Speerwurf nur die, welche das Normalmaß im Springen erreichten; im Wettlauf stritten nur noch die vier besten Speerwerfer; bei ihm wie auch bei dem folgenden Diskoswurf schied je einer aus, so daß zuletzt im Ringen noch zwei um den Preis kämpften. Durch die Aufdeckung dieses Verlaufs des antiken P. (vgl. Pinder, Der Fünfkampf der Hellenen, Berl. 1867) angeregt, hat man neuerdings von turnerischer Seite bei Wettkampfspielen ein ähnliches Verfahren in Anwendung gebracht.

Pentatoma, s. Wanzen.

Pentedaktylon, Gebirge, s. Taygetos.

Pentekóste (griech., "der fünfzigste", nämlich Tag nach Ostern, franz. Pentecote), s. v. w. Pfingsten.

Pentekóstys (griech.), im spartan. Heer eine Unterabteilung des Lochos (s. d.), 50 Mann stark.

Pentelikon (auch Brilessos, jetzt Mendeli), Gebirge in Attika, nordöstlich von Athen, 1110 m hoch, mit einer merkwürdigen Stalaktitenhöhle und der Quelle des Kephisos, war schon im Altertum berühmt durch seinen trefflichen weißen Marmor (pentelischer Marmor), welcher sowohl zu Prachtgebäuden und Tempeln als auch zu Bildsäulen verwendet wurde. Die nördlichen und westlichen Abhänge des P. sind jetzt mit Kiefernwald bedeckt, während an der Südseite glatte Marmorwände abfallen, die in der Neuzeit ausgebeuteten von weißer Farbe, die antiken gelblich schimmernd. Dieselben standen im Altertum unter dem Schutz der Athene, deren Bild auf dem P. selbst aufgestellt war.

Pentenisia, mehrere kleine griech. Inseln im Golf von Ägina, südwestlich von Salamis, mit dem heutigen Hypsili die Pelopis insulae der Alten.

Penthemimeres (griech.), jede Verscäsur, welche nach dem fünften Halbfuß eintritt, insbesondere die Hauptcäsur des heroischen Hexameters nach der Arsis des dritten Fußes (s. Hexameter); dann das durch diese Cäsur abgeschnittene Versglied, das, als selbständiger Vers betrachtet, Archilochischer Vers heißt und verdoppelt den Pentameter (s. d.) bildet.

Penthesileia, im griech. Mythus Tochter des Ares und der Otrera, Königin der Amazonen, kam mit ihrem Heer dem Priamos zu Hilfe und fiel durch die Hand des Achilleus, der, als er die Heldin sterben sah, von Liebe zu ihr ergriffen ward. Der Stoff ward von H. v. Kleist in einem Drama behandelt.

Pentheus, im griech. Mythus Sohn des Echion und der Agave, Tochter des Kadmos, welchem er in der Herrschaft von Theben nachfolgte. Als Dionysos nach Theben kam und die Weiber ihm auf dem Kithäron bacchantische Feste feierten, eilte er dorthin, um es zu hindern, ward aber von der eignen Mutter, die ihn in bacchantischer Wut für ein wildes Tier hielt, und deren ebenfalls rasenden Schwestern zerrissen. Sein Enkel ist Menökeus, des Kreon und der Iokaste Vater. Die Sage hat Euripides in seiner Tragödie "Die Bakchen" dramatisch behandelt.

Penthièvre (spr. pangtjähwr), alte Grafschaft in der Bretagne, ungefähr das jetzige franz. Departement Côtes du Nord, war im Mittelalter Apanage der jüngern Söhne der Herzöge von Bretagne; Johanna, Gräfin von P., Tochter Guys von Bretagne, brachte sie 1337 dem Grafen Karl von Blois als Heiratsgut zu. Später kam P. durch Heirat an die Häuser Brosse u. Luxembourg und wurde von König Karl IX. 1569 in ein Herzogtum verwandelt, das aber in der Folge an die Krone fiel. Ludwig XIV. stellte 1697 das Herzogtum wieder her und gab es einem seiner Söhne von der Montespan, dem Grafen von Toulouse, der 1737 starb. Dessen Sohn Louis Jean Marie de Bourbon, Herzog von P., geb. 16. Nov. 1725 zu Rambouillet, als letzter Erbe aller legitimierten Prinzen der reichste Privatmann Frankreichs, ward 1737 Großjägermeister und Großadmiral von Frankreich sowie Gouverneur von Bretagne. Er erbte auch zwei Infanterieregimenter, an deren Spitze er in den Schlachten von Dettingen und Fontenoy tapfer focht. Nach dem österreichischen Erbfolgekrieg zog er sich auf sein Schloß Sceaux zurück und lebte hier der Übung der Wohlthätigkeit und dem Umgang mit Schriftstellern. Von der Revolution blieb er verschont; dagegen fiel als ein Opfer dersel-^[folgende Seite]