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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Peribole - Périer.

am Stamm und Wurzelscheitel vieler Phanerogamen unterhalb des Dermatogens (s. d.) liegt und später die Rinde erzeugt.

Peribŏle (griech.), Umwurf, Umschweif; auch rednerische oder dichterische Ausschmückung.

Períbŏlos (griech.), die Umhegung des Tempelbezirks, oft mit Hallen oder Säulengängen umzogen und mit einem monumentalen Zugang versehen; im Mittelalter ein mit Mauern umgebener heiliger Ort.

Pericarpium, s. Perikarp.

Perichätium (griech.), bei den Laubmoosen die Hülle, welche das unentwickelte Sporogonium und später den untersten Teil des Kapselstiels umfaßt.

Perichondrītis (griech.), Entzündung der Knorpelhaut, tritt oft bei Schwindsucht, Syphilis, Typhus, Variola auf und führt zu Abscessen, die namentlich am Kehlkopf verhängnisvoll werden.

Perichondrĭum (griech.), s. Knorpel.

Pericŭlum in mora, lat. Sprichwort: (es ist) Gefahr im Verzug.

Pericystītis (griech.), Entzündung des die Blase übergehenden Bauchfells.

Perideipnon (griech.), Leichenschmaus.

Peridérm (griech.), in der Pflanzenanatomie das Produkt des korkerzeugenden Gewebes (Phellogen, s. Kork). Die Bildung des Periderms findet in vielen Fällen nur an der Oberfläche der Stämme statt (Oberflächenperiderm). Nur sehr wenige Holzgewächse behalten ihre Epidermis zeitlebens oder wenigstens viele Jahre hindurch, wie Acer striatum; bei der Mehrzahl beginnt die Erzeugung von P. an den einjährigen, eben ausgewachsenen Zweigen. Stets ersetzt das P. die Epidermis und folgt längere Zeit hindurch dem Dickenwachstum des Stammes. Je nachdem die Korkentwickelung schwach oder mächtig ist, zeigen die Bäume eine glatte Rinde mit dünner Korkhaut, wie die Buche, die Hainbuche und die Weißtanne, oder einen rissigen, dicken Korküberzug, wie die Korkeiche. Bei einer großen Zahl von Holzpflanzen folgt auf das Auftreten des Oberflächenperiderms die Bildung eines innern Periderms, welches periodisch im Innern der Rinde auftritt und alle außerhalb gelegenen Partien des Stammes als sogen. Borke zum Absterben zwingt; oft werden schuppenförmige Teile der Rinde (Schuppenborke), selten ringförmige Partien abschnitten (Ringelborke). Die Bildung von innerm P. beginnt bei Ulmus effusa im 3.-4., bei der Linde im 10.-12., der Erle im 15.-20., bei den einheimischen Eichen im 25.-35. Jahr. Die Borke erhält durch Vertrocknen, Schrumpfen und Zerreißen der Gewebe sowie durch den Einfluß der Atmosphäre das charakteristische zerklüftete Aussehen. Bei der Birke beginnt die Borkenbildung am untern Stammende etwa im 5.-6. Lebensjahr und schreitet allmählich nach aufwärts vor; die Kiefer pflegt mit der Anlage ihrer dicken Schuppenborke im 8.-10. Jahr zu beginnen. Bildung von Ringelborke kommt bei Vitis, Clematis, Lonicera, Ribes und Cupressus vor. Eine eigentümliche Peridermbildung sind auch die Lenticellen (s. d.).

Peridermium Link, Pilzgattung, s. Rostpilze 8).

Peridium (griech.), die Hülle, welche die Fruchtkörper mancher Pilze umschließt (s. Pilze).

Peridōt, s. v. w. Olivin.

Peridrōm (griech. Peridromos, "Umlauf"), bei altgriechischen Tempeln der Gang zwischen Säulenstellung und Zellenmauer.

Periëgeten (griech., "Herumführer"), bei den alten Griechen Name der Verfasser von Reisehandbüchern, in welchen die Merkwürdigkeiten, namentlich die Bau- und Kunstdenkmäler, einzelner Städte und Landschaften aufgezählt und beschrieben waren. Die bedeutendsten Vertreter dieser Schriftstellerei, die besonders seit dem 3. Jahrh. v. Chr. betrieben wurde, waren Polemos aus Troas (um 200 v. Chr.) und der Athener Heliodoros, deren Schriften aber bis auf geringe Bruchstücke verloren sind. Größere Fragmente besitzen wir von der Reisebeschreibung eines gewissen Herakleides und von dem interessanten Werk des Kallixenos von Rhodos (um 215 v. Chr.) über Alexandria. Vollständig erhalten ist von Schriften dieser Art nur die Beschreibung Griechenlands von Pausanias (um 170 n. Chr.). Außerdem wurden auch die eigentlich geographischen Schriftsteller, z. B. Dionysios, mit dem Namen P. bezeichnet. Die Reste der periëgetischen Litteratur sind gesammelt in Müllers "Fragmenta historicorum Graecorum" (Par. 1841-70, 5 Bde.).

Périer (spr. -rĭeh), Casimir, franz. Staatsmann, geb. 21. Okt. 1777 zu Grenoble, trat 1798 beim Geniekorps der italienischen Armee ein, begründete aber 1802 mit seinem ältern Bruder, Scipion (s. unten), zu Paris ein Bankierhaus, das schon unter der Kaiserzeit zu einer bedeutenden Blüte gelangte. Seine scharfe Kritik der Anleihen des Ministeriums 1817 öffnete P. den Eintritt in die Deputiertenkammer, wo er allen reaktionären Maßregeln mit der größten Entschiedenheit entgegentrat. Namentlich bekämpfte er das System des Ministeriums Villèle mit seinem gewaltigen Rednertalent. 1828 trat er unter Martignac als Handels- und Finanzminister ins Kabinett, schied jedoch, als Polignac ans Ruder kam, sofort wieder aus. An der Julirevolution beteiligte er sich lebhaft, um die konstitutionelle Julimonarchie zu begründen, und trat, nachdem er 3. Aug. zum Präsidenten der neukonstituierten Kammer gewählt worden, am 11. in das Ministerium ohne Portefeuille. Als aber Laffitte 2. Nov. die oberste Leitung erhielt, schied P. wieder aus, da ihm die Politik desselben zu revolutionär erschien, und nahm seine Stelle als Präsident der Kammer wieder ein. Am 13. März 1831 übernahm er jedoch selbst an Laffittes Stelle als Konseilspräsident die Bildung eines neuen Ministeriums und in diesem zugleich das Portefeuille des Innern. Seine Maxime war die des sogen. Juste-milieu. Gegen alle anarchischen Bestrebungen schritt er mit großer Strenge ein und verlor dadurch seine Popularität. Er starb 16. Mai 1832 an der Cholera. Seine "Opinions et discours" gab Rémusat 1838 heraus. Von seinen beiden Söhnen widmete sich Paul P., geb. 1809, dem Bankiergeschäft; Auguste Casimir Victor Laurent P. (seit 1874 Casimir-P.), geb. 20. Aug. 1811, betrat dagegen die diplomatische Laufbahn, war 1830-46 an verschiedenen Höfen Geschäftsträger, 1846 Mitglied der Deputiertenkammer und 1849 der Gesetzgebende Nationalversammlung. Anfangs der Politik Ludwig Napoleons zugeneigt, protestierte er gegen den Staatsstreich, weshalb er auf einige Tage verhaftet wurde. Er widmete sich seitdem agrarischen Unternehmungen. 1871 in die Nationalversammlung gewählt, übernahm er 12. Okt. 1871 das Ministerium des Innern, das er jedoch schon 2. Febr. 1872 niederlegte, wurde 1876 zum Senator ernannt und starb 6. Juli d. J. Vgl. Rémusat, Casimir P. (1874). - Der älteste Bruder des ältern Casimir P., Augustin P., geb. 12. Mai 1773 zu Grenoble, trat in das Bankiergeschäft seines Vaters, ward 1827 in die Deputiertenkammer gewählt und erhielt 16. Mai 1832 die Pairswürde; starb 2. Dez. 1833. Ein andrer Bruder, Antoine Scipion