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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Perilaos - Periode.

Auftreten 1519 das Evangelium Matthäi durchpredigte und die reformierte Kirche ihren Predigern freie Wahl ließ. Auch in der evangelisch-lutherischen Kirche hat man es in neuerer Zeit mit neugewählten Reihenfolgen biblischer Abschnitte versucht, und faktisch ist der sogen. Perikopenzwang, dem gemäß der Prediger bloß über die P. predigen durfte, fast überall ermäßigt. Vgl. Ranke, Das kirchliche Perikopensystem (Berl. 1847); Derselbe, Zusammenstellung der im evangelischen Deutschland eingeführten Perikopenkreise (das. 1850); Bobertag, Das evangelische Kirchenjahr (Bresl. 1853).

Perilāos (Perillos), griech. Erzgießer, welcher für den Tyrannen Phalaris von Agrigent einen eisernen Stier verfertigte, dessen Rücken man öffnen konnte, um Verbrecher hineinzuschieben. Legte man Feuer unter, so drang das Jammergeschrei der Unglücklichen durch die Nasenlöcher des Stiers hervor und verursacht einen dem natürlichen Brüllen ähnlichen Laut. Die erste Probe machte Phalaris mit dem Künstler selbst.

Perim, kleine brit. Insel in der Straße von Bab el Mandeb, administrativ mit Aden zur Präsidentschaft Bombay gehörig, 11,8 qkm groß mit (1881) 149 Einw., ist ein kahler Lavafels mit umfangreichem Hafen, wurde 1857 von England in Besitz genommen und als Schlüssel zum Roten Meer stark befestigt, 1861 auch mit einem Leuchtturm versehen.

Perimĕter (griech.), Umfang einer Figur, insbesondere einer geradlinig begrenzten; die Gesamtlänge aller Begrenzungslinien (vgl. Peripherie); auch ein Instrument zur genauen Untersuchung der Peripherie des Gesichtsfeldes.

Perimetrītis (griech.), s. Gebärmutterkrankheiten, S. 965.

Perimorphose (griech., auch Kernkristall), Bezeichnung für die aus einem kristallographischen Individuum bestehenden Kristallhüllen, deren Kern ein Aggregat gewöhnlich ganz fremdartigen Materials bildet. Die besonders am Granat beobachtete und zuerst von Scheerer betriebene Erscheinung ist noch nicht vollkommen aufgeklärt, denn die Zurechnung zu den Umhüllungspseudomorphosen (s. Pseudomorphosen) stößt auf Schwierigkeit beim Versuch der Erklärung der Entstehung.

Perimysium (griech.), die einen ganzen Muskel oder eine erheblichen Anzahl von Muskelprimitivbündeln einhüllende Scheide.

Perinäum (griech.), s. Damm (Mittelfleisch).

Perinephrītis (griech.), Entzündung in dem die Nieren umgebenden Binde- und Fettgewebe.

Perineurĭum (griech.), Hülle, die den ganzen Nerv oder einzelne Nervenfasern umschließt.

Per intervalla (lat.), mit Zwischenräumen, von Zeit zu Zeit.

Periōde (griech., "Umlauf, Kreislauf"), in der Astronomie s. v. w. Umlaufszeit; sodann der Kreislauf der Zeit, daher überhaupt ein Zeitraum. In der Mathematik ist P. eine beständig wiederkehrende Reihe von Größen; daher heißen Dezimal- und Kettenbrüche periodisch, wenn in ihnen immer dieselbe Zahlengruppe sich wiederholt. Periodische Funktionen sind solche, welche wieder dieselben Werte annehmen, wenn die unabhängige Variable um eine gewisse Größe wächst, z. B. die trigonometrischen Funktionen. - In chronologischer Hinsicht wird P. häufig in der Bedeutung von Cyklus (s. d.) angewendet, ist aber eigentlich ein durch Wiederholung oder Verbindung zweier oder mehrerer Cyklen entstehender Zeitabschnitt. Diese Perioden werden hauptsächlich gebraucht, um verschiedene Zeitberechnungsarten untereinander auszugleichen. Die bekanntesten sind: die chaldäische P., Saros oder P. der Finsternisse, bestehend aus 223 synodischen Monaten (s. Monat), nach deren Ablauf die Finsternisse in derselben Weise wiederkehren; die Hundssternperiode oder Sothisperiode der Ägypter von 1460 Jahren, zur Ausgleichung des bürgerlichen Jahrs von 365 Tagen mit dem genauern Sonnenjahr von 365¼ Tagen, so genannt, weil im ersten Jahr derselben (1325 v. Chr.) der Frühaufgang des Hundssterns (Sirius) und die Nilüberschwemmung wieder mit dem Anfang des ägyptischen Jahrs (1. Thoth) zusammenfielen; die P. der Kopten von 532 Jahren; die Metonische P. oder der Metonische Cyklus (Mondzirkel, güldene Zahl) von 19 Jahren oder 6940 Tagen, zur Ausgleichung der Sonnen- und Mondjahre; die Kalippische P. von 76 Jahren (gleich 4 Metonischen Cyklen weniger 1 Tag); die Hipparchische P. von 304 Jahren (gleich 4 Kalippischen Perioden weniger 1 Tag); die P. des Sonnenzirkels von 28 Jahren, nach deren Ablauf Wochen- und Monatstage wieder zusammentreffen; die P. der Indiktionen (Römerzinszahl) von 15 Jahren; die P. der Hedschra von 30 Jahren, von denen 19 Jahre 354 Tage und die übrigen als Schaltjahre 355 haben; die P. Ludwigs d. Gr. von 11,600 Jahren, welche Cassini erfand, und die Julianische P., welche Joseph Scaliger aufstellte, indem er nach Julianischen Jahren (daher der Name) den Sonnen-, Mond- und Indiktionencyklus (zu 28, 19 und 15 Jahren) zu einer P. verband, welche mit dem Jahr beginnt, mit dem alle drei Cyklen zugleich anfangen. Die Anzahl der Jahre dieser P. ist 28 · 19 · 15 = 7980; das erste Jahr derselben ist das Jahr 4713 v. Chr. - In der Geschichte versteht man unter Perioden die durch die Epochen (s. d.) gegebenen Abschnitte in der geschichtlichen Entwickelung. Da die Geschichte ein fortlaufende Strom ist, so hat die Einteilung derselben in Perioden immer etwas Willkürliches und wird durch das individuen Urteil des Betrachters oder durch den Gesichtspunkt, unter dem man die Geschichte behandelt, ob in rein politischer oder kulturgeschichtlicher oder religiöser Beziehung, ob die Europas oder der ganzen Welt etc., bestimmt. In der Universalgeschichte ist die Einteilung jetzt allgemein angenommen, nach welcher man zunächst Altertum und neue Zeit durch die Völkerwanderung und das Herrschendwerden des christlichen Elements und in letzterer wiederum das Mittelalter und die neuere Zeit hauptsächlich durch die Entdeckung von Amerika und Luthers Reformation voneinander scheidet und dadurch die drei Hauptperioden der alten, mittlern und neuern Geschichte erhält. - In der Grammatik versteht man unter P. vorzugsweise einen kunstvoll gegliederten Satz, spricht aber auch von nackten Perioden, die aus einem einzigen Hauptsatz bestehen. Die eigentlichen, ausgeführten Perioden entstehen, wenn einzelne Teile eines Hauptsatzes sich zu Nebensätzen erweitern und somit diesen einen Hauptsatz zum Mittelpunkt des Ganzen machen. Die zusammengesetzten Perioden gehen aus der Verbindung mehrerer Hauptsätze hervor. Da nächst der logischen und grammatischen Richtigkeit rhythmische Bewegung Haupterfordernis einer guten P. ist, so unterscheidet man in dieser Beziehung fallende und steigende Perioden. Zu den erstern gehören alle die, in welchen der Gedanke, der das Ganze trägt, gleich zu Anfang steht, während alle Beziehungen, Bestimmungen und weitern Ausführungen