Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

858

Perniones - Perowskit.

bert Viktor Anton P., geb. 14. April 1832, seit 1857 Professor der Rechte zu Göttingen, 1862 zum Mitglied der hannöverschen Kammer ernannt, legte 1866 seine Professur nieder, war 1867 als Bevollmächtigter des depossedierten Kurfürsten von Hessen in Berlin beschäftigt und starb 21. April 1875 in Halle. Er veröffentlichte: "Denkschrift über die anhaltische Verfassung" (Dess. 1862); "Zur Würdigung der v. Warnstedtschen Schrift: Staats- und Erbrecht der Herzogtümer Schleswig-Holstein" (Halle 1864); "Kritische Erörterungen zur schleswig-holsteinischen Successionsfrage" (Kassel 1865-66, 6 Hefte); "Die Verfassungsrechte der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie" (Halle 1872, Heft 1). Ein dritter Sohn, Lothar Anton Alfred P., geb. 18. Aug. 1841, habilitierte sich 1867 in Halle als Privatdozent, wurde daselbst 1871 außerordentlicher, 1872 ordentlicher Professor des römischen Rechts, ging in demselben Jahr in gleicher Eigenschaft nach Greifswald, 1877 wieder nach Halle, 1881 nach Berlin, wo er 1884 Mitglied der Akademie der Wissenschaften ward. Er schrieb: "Zur Lehre von den Sachbeschädigungen nach römischem Recht" (Weim. 1867); "Marcus Antistius Labeo. Das römische Privatrecht im 1. Jahrhundert der Kaiserzeit" (Halle 1873-78, 2 Bde.).

Pernĭones (lat.), Frostbeulen.

Pernis, s. Weihen.

Perniziös (lat.), verderblich, schädlich, bösartig.

Perogrullo (spr. -grúlljo), ein zum Nationaltypus eines Einfaltspinsels gewordener Spanier, der Albernheiten und augenscheinliche, von niemand bestrittene Wahrheiten als neue, höchst wichtige Entdeckungen erzählt; daher Perogrullos Wahrheiten (span. verdades de P., perogrulladas).

Per omnes passus et instantias (lat.), durch alle Gerichtsstellen (etwas durchführen).

Péron (spr. -óng), François, Reisender, geb. 22. Aug. 1772 zu Cerilly (Allier), nahm 1800-1804 als Zoolog an der von Baudin geleiteten Expedition nach der Südsee teil und schrieb als Resultat derselben mit Freycinet: "Voyage de découvertes aux terres Australes" (Par. 1807-10, 2 Bde.; 2. Aufl. 1824-1825, 4 Bde.). Er starb 14. Dez. 1810 in Cerilly.

Perone (lat.), Wadenbein.

Perōni, Adele, Schauspielerin, Gattin von Adolf Glaßbrenner (s. d.).

Péronne (spr. -ónn), Arrondissementshauptstadt und Festung dritter Klasse im franz. Departement Somme, an der Somme und der Linie St.-Just-Epéhy der Nordbahn, hat eine schöne Kirche, St.-Jean, und ein von vier alten Türmen flankiertes Schloß, beide aus dem 16. Jahrh., (1881) 4509 Einw., Zuckerfabrikation, Gerberei, Handel mit Leinwand, Batist, Leder und Vieh, eine Mineralquelle, einen Gerichtshof und ein Collège. - P. wird schon zur Zeit der Merowinger erwähnt und war die Hauptstadt der Landschaft Santerre; hier starb Karl der Einfältige 929 als Gefangener. 1435 wurde P. nebst andern Städten an der Somme im Vertrag von Arras an Philipp von Burgund abgetreten. Als Ludwig XI. 1468 einer Einladung des Herzogs Karl des Kühnen nach P. folgte, wurde er hier 14. Okt. zu dem schimpflichen Vertrag von P. gezwungen, welcher ihn zu großen Zugeständnissen und zum Anteil am Rachezug gegen Lüttich verpflichtete. Nach Karls des Kühnen Tod bemächtigte sich Ludwig XI. der Stadt, und im Madrider Frieden wurde sie von Karl V. förmlich an Frankreich abgetreten. Am 26. Juni 1815 wurde P. von den Briten unter Wellington beim ersten Sturmangriff genommen; im deutsch-französischen Krieg 1870/71 kapitulierte die Stadt nach mehrtägigem Bombardement 9. Jan. 1871. Vgl. Dournel, Histoire générale de P. (Par. 1879).

Peronospŏra Corda, Pilzgattung aus der Familie der Peronosporeen in der Ordnung der Oosporeen, pflanzenbewohnende, endophyte Schmarotzerpilze mit schlauchförmigen, querwandlosen, ästigen Myceliumfäden, welche nur zwischen den Zellen der Nährpflanze wachsen, oft aber Haustorien in dieselben hineinsenden, und mit einzeln aus der Epidermis hervorwachsenden, baumartig verzweigten Fruchthyphen, welche an den Spitzen ihrer mannigfaltig gestalteten Äste einzelne einzellige, farblose Konidien abschnüren. Die meist in Menge auftretenden Fruchthyphen bilden für das unbewaffnete Auge einen zarten, grauweißen, schimmelähnlichen Überzug auf den befallenen grünen Pflanzenteilen. Die Konidien dienen zur sofortigen Fortpflanzung des Pilzes; sie keimen entweder direkt mit einem Keimschlauch, oder ihr Inhalt formt sich zu einer Anzahl birnförmiger Schwärmzellen um, die mittels zweier Wimpern im Wasser sich längere Zeit bewegen, dann zur Ruhe kommen und, nachdem sie sich mit einer Haut umkleidet haben, einen Keimschlauch austreiben. Bei manchen Arten kommt außerdem eine Bildung von Sexualorganen, Oogonien und Antheridien vor, durch welche Oosporen innerhalb des befallenen Pflanzenteils erzeugt werden. Diese Sporen werden gegen den Herbst gebildet, überwintern in den absterbenden Teilen der Nährpflanze und keimen im nächsten Frühjahr mittels eines Keimschlauchs. Alle Arten verursachen vorzeitiges Verwelken, Bräunung oder Fäulnis der von ihnen befallenen Teile. P. infestans Casp. verursacht die Kartoffelkrankheit (s. d.); P. parasitica de By, gemein am Hirtentäschel, auch am Leindotter und Raps schädlich; P. viciae de By, an Wicken, Linsen, Erbsen; P. trifoliorum de By, am Klee und der Luzerne; P. Schachtii Fuckel (P. betae Kühn), an den Herzblättern der jungen Runkelrüben; P. viticola Berk., an den Blättern und Trauben des Weinstocks, ursprünglich in Nordamerika beobachtet und als Mildew gefürchtet, gegenwärtig auch in Europa stellenweise bemerkt und falsches Oidium genannt.

Peronosporeen, Familie der Pilze (s. d.) aus der Ordnung der Oosporeen.

Perorieren (lat.), laut und mit Nachdruck reden; Peroration, der den Hauptinhalt zusammenfassende Schluß einer Rede; auch s. v. w. Schulrede.

Perōsa Argentīna, Flecken in der ital. Provinz Turin, Kreis Pinerolo, am Clusone, ehemals befestigt, mit (1881) 706 Einw. Es ist der Hauptort des vom Clusone bewässerten Thals von P. mit 4500 Waldensern.

Peróte, Stadt im mexikan. Staat Veracruz, 2380 m ü. M., am Rand einer kahlen Steinebene, mit Ruinen alter Städte und (1880) 5897 Einw. im Munizipium. Südwestlich davon erhebt sich der erloschene Vulkan Cofre de P. (Nauhcampátepetl), 4090 m hoch.

Perowskit, Mineral aus der Ordnung der Titanate, findet sich in regulären, ein- und aufgewachsenen Kristallen, auch nierenförmig und derb, ist grauschwarz, braun, rot, gelb, von metallartigem Diamantglanz, halb- bis undurchsichtig, Härte 5,5, spez. Gew. 4,0-4,1, besteht aus titansaurem Kalk CaTiO3 ^[CaTiO_{3}] mit 58,83 Titansäure und etwas Eisenoxydul. Er tritt in Chlorit- und Talkschiefer, mikroskopisch auch in Nephelinbasalt auf. Fundorte: Zermatt und Pfitsch in Tirol, Ural, Arkansas.