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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Per pedes - Perponcher-Sedlnitzki.

Per pedes (lat.), zu Fuß; p. p. apostolorum, zu Fuß (reisen), wie die Apostel.

Perpendieren (lat.), genau abwägen; erwägen.

Perpendikel (lat., Bleilot), eine Gerade, welche auf einer andern Geraden oder auf einer Ebene rechtwinkelig (perpendikular) steht. Das P. einer Ebene steht rechtwinkelig auf allen Geraden, die sich durch seinen Schnittpunkt mit der Ebene in letzterer ziehen lassen. Man sagt, daß man in einem Punkt einer Geraden oder einer Ebene ein P. "errichte", von einem außerhalb gelegenen Punkt aber ein P. auf die Gerade oder Ebene "fälle"; im letztern Fall heißt der Schnittpunkt der Geraden oder Ebene mit dem P. der Fußpunkt des letztern. P. nennt man auch das Pendel einer Uhr.

Perpendikularstil, die letzte Entwickelungsperiode des gotischen Baustils in England (nach dem gitterartigen, senkrecht aufsteigenden Maßwerk der Fenster).

Perpérna, Marcus, Römer, Anhänger der Marianischen Partei im ersten Bürgerkrieg, besetzte 83 v. Chr. nach dem Sieg Sullas in Italien Sizilien und führte 78 einen Teil des Heers, das M. Ämilius Lepidus zum Aufstand verleitet hatte, nach Spanien, wo er sich mit Sertorius vereinigte, diesen 72 ermordete und die Führung des Heers übernahm, worauf er von Pompejus besiegt und auf dessen Befehl hingerichtet wurde.

Perpetuell (franz., perpetuierlich), ununterbrochen, unaufhörlich; Perpetuität, ununterbrochene Fortdauer, Beständigkeit; Perpetuitäten, unveräußerliche (liegende) Güter.

Perpetuum mobile (lat.), im allgemeinen ein Ding, das sich fortwährend bewegt. Jeder Körper muß, wenn er einmal in Bewegung gesetzt worden ist, in derselben verharren, solange nicht äußere Umstände ihn daran hindern. Ein Pendel würde unaufhörlich schwingen, wenn nicht die Reibung im Aufhängungspunkt und der Widerstand der Luft die lebendige Kraft allmählich aufzehrten (in Wärme verwandelten). Da nun aber die erwähnten Hindernisse überall und immer sich geltend machen, so gehört eine Maschine, welche sich ohne Zufluß lebendiger Kraft von außen fort und fort bewegt, zu den Unmöglichkeiten. Die Konstruktion eines P. hat seit den ältesten Zeiten stets solche Leute beschäftigt, welche von Kraft und Materie falsche Vorstellungen hatten; man bemühte sich, Apparate zu bauen, die ohne äußere Hilfe einen gewissen Kraftüberschuß erzeugten, um diesen zu irgend welchen Zwecken benutzen zu können. Aber man vergaß, daß, wie keine Kraft verloren gehen, so auch keine Kraft neu erzeugt werden kann, und daß alle Kraftwirkungen einander entsprechen. Fortwährend sich bewegende Apparate sind unter andern Barometer und Magnetnadel; aber diese werden nicht durch sich selbst, sondern durch Änderungen des Luftdrucks und durch den Magnetismus der Erde in Schwankungen versetzt. Über das sogen. elektrische P. s. Zambonische Säule. Vgl. Dircks, P., or a history of the search for self motive power (Lond. 1861, neue Folge 1870). - P. ist auch Name für Tonstücke, die von Anfang bis zu Ende in gleichen Noten von kurzem Wert fortlaufen (z. B. Weber Op. 24, Mendelsohn Op. 19 u. a.).

Perpignan (spr. -pinjang), Hauptstadt des franz. Departements Ostpyrenäen und der vormaligen Grafschaft Roussillon, 11 km vom Mittelländischen Meer, zum Teil auf einem Hügel, zum Teil in einer herrlichen Ebene an der Tet gelegen, über welche eine lange steinerne Brücke führt, durch Eisenbahnen mit Narbonne, Prades und Port Vendres (Eisenbahnlinie nach Barcelona) verbunden, ist Festung und Kriegsplatz erster Klasse, welcher die sämtlichen Straßen über die Ostpyrenäen in sich vereinigt und deckt. Die Citadelle umfaßt das alte Schloß der Grafen von Roussillon und eine Kapelle mit schönem maurischen Portal. Außerdem wird die Stadt vom Kastell Dougon beherrscht. Bemerkenswerte Gebäude sind ferner: die unvollendete Kathedrale St.-Jean, deren Bau 1324 begonnen wurde, im Innern einschiffig, mit Bildwerken überladen; dabei ein Glockenturm und die kleine romanische Kirche St.-Jean le Vieux (ehemals Sitz der Inquisition); die alte Tuchbörse (Loge, 1396 in maurisch-gotischem Stil errichtet); das Castillet (jetzt Gefängnis, 1319 im maurischen Stil erbaut); das Stadthaus (1692); das Gebäude der ehemaligen Universität; der moderne Justizpalast, vor welchem sich das Standbild des Physikers Arago erhebt, und das Präfekturgebäude. Die Einwohnerzahl beträgt (1886) 23,858 (als Gemeinde 34,183). Die Erwerbszweige der Bevölkerung sind: Obst- und Gemüsebau, Schaf- und Seidenzucht, Fabrikation von Tuch, Korkpfropfen, Branntweinbrennerei, namentlich aber Handel mit Wein (Rivesaltes u. a.), mit Spirituosen, Wolle, Öl etc. Zur Förderung des Handels und der Industrie dienen eine Warenbörse, eine Handelskammer und eine Filiale der Bank von Frankreich. An Bildungsanstalten besitzt die Stadt ein Collège, ein Priesterseminar, eine Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, Lehrkurse für Physik, Chemie, Zeichnen, Mechanik, Architektur und Geburtshilfe, ferner ein Musikkonservatorium, eine Bibliothek von 20,000 Bänden, ein Naturalienkabinett, Kunstmuseum, einen botanischen Garten und mehrere gelehrte Gesellschaften. P. ist der Sitz des Präfekten, eines Bistums, eines Gerichts- und Assisenhofs und eines Handelsgerichts. Östlich von P. (5 km) liegt der isolierte Turm Castelrossello an der Stelle des alten Ruscino (s. Roussillon) und (11 km) das besuchte Seebad Canet. - P. war im Mittelalter die Hauptstadt der Grafschaft Roussillon und gehörte mit dieser seit 1172 zu Aragonien. Die 1349 von Peter von Aragonien hier gestiftete Universität ging zur Zeit der ersten französischen Revolution ein. Hier fand 1415 eine Zusammenkunft zwischen dem deutschen König Siegmund, König Ferdinand I. von Aragonien und Papst Benedikt XIII. statt. 1475 wurde P. nach langer Belagerung von den Franzosen erobert, aber 1493 an Spanien zurückgegeben. Kaiser Karl V. begann die Befestigung der Citadelle, und Philipp II. vollendete sie 1577. Die Franzosen unter Richelieu eroberten P. 1642 zum zweitenmal und erhielten es im Pyrenäischen Frieden definitiv abgetreten.

Perpléx (lat.), bestürzt, verblüfft.

Perponcher-Sedlnitzki (spr. perpongscheh-), Heinrich Georg, Graf von, niederländ. General, geb. 19. Mai 1771 im Haag, machte 1793 und 1794 die Feldzüge gegen die französische Republik als Adjutant des Prinzen Friedrich von Oranien mit, dem er bei Werwick (13. Sept. 1793) das Leben rettete. 1796 trat er als Hauptmann in österreichische, dann in englische Dienste. 1804 erhielt er als Oberstleutnant die Führung des Regiments Dillon auf Malta, 1808 ward er Oberst der lusitanischen Legion in Portugal und 1809 Chef des Generalstabs der mißlungenen Expedition gegen Antwerpen. Als 1810 Napoleon I. alle in fremden Diensten stehenden Niederländer mit Konfiskation ihrer Güter bedrohte, kehrte P. in sein Vaterland zurück. 1813 wirkte er für die Rückkehr des Hauses Oranien, übernahm als Generalmajor