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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pétong; Petorca; Petra; Peträisches Arabien; Petralĭa; Petrárca

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Pétong - Petrarca.

Bei Gelegenheit der entscheidenden Schlacht bei Schäßburg 31. Juli 1849 wurde er zum letztenmal gesehen, und nach längerm Zweifel ward endlich mit Gewißheit angenommen, daß er dort gefallen und mit vielen andern Opfern jenes Tags in einem gemeinsamen Grabe bestattet worden sei. Petöfis Lyrik zeichnet sich durch Wahrheit und Natürlichkeit aus; er war der erste, der sich gegen die lederne Schul- und Regelpoesie auflehnte; welche bis dahin in der ungarischen Litteratur alleinherrschend gewesen, und an Stelle der klassischen konventionellen Rhetorik den ungekünstelten Naturschrei setzte. Die Wahrheit und Realistik verschaffte seinen Dichtungen einen ungeheuern Erfolg bei seiner Nation und machte sie zu wahren Volksliedern, in denen die leidenschaftliche Glut sowie die Melancholie und der Humor des ungarischen Naturells zum reinsten Ausdruck kamen. Die erste vollständige Sammlung von denselben erschien 1874 in einer illustrierten Prachtausgabe, der später zahlreiche andre, darunter auch billige, Volksausgaben folgten. Die erste deutsche Übersetzung Petöfischer Gedichte veröffentlichte A. Dux (Wien 1846, neue Ausg. 1867); ihm folgten Kértbeny (mit mehreren Sammlungen), Szarvady u. Hartmann (Stuttg. 1853), Opitz (2. Aufl., Pest 1868, 2 Bde.), H. v. Meltzl (2. Aufl., Münch. 1883), Neugebauer (2. Aufl., Leipz. 1885), Aigner (Budapest 1880-82), A. Teniers (Halle 1887). Aus dem Deutschen wurden Petöfis Dichtungen auch in andre fremde Sprachen übertragen, so ins Englische von Bowring, Butler u. a., ins Französische von Sayous, Desbordes-Valmore, Dozon u. a. Vgl. Opitz, Alex. P. (Bern 1868); Fischer, Petöfis Leben und Werke (Leipz. 1888); kleinere biographische Schriften von Teniers-Herzl (Wien 1866) und Bubenik (das. 1882). In Budapest wurde 15. Okt. 1882 auf dem Petöfiplatz die Statue des Dichters (von A. Huszar) enthüllt.

Pétong, s. Arsenmetalle und Weißkupfer.

Petorca, Stadt in der Provinz Aconcagua der südamerikan. Republik Chile, 502 m ü. M., in engem Thal, hat Kupferminen und (1875) 2195 Einw.

Petra (griech., "Fels"), Stadt im Edomiterland, 104 km vom Arabischen Meerbusen, in einem Felsenthal am Ostfuß des Bergs Hor, der Sage nach von Recham, König der Midianiter, erbaut, hieß eigentlich Sela ("Felsenstadt") und wurde vom König Amazia, der sie eroberte, Jokteel und erst in der griechischen Zeit P. genannt. P. war durch die große bei ihr vorüberziehende Straße vom Roten Meer nach N. ein wichtiger Handelsplatz. Nach ihr wurde das Peträische Arabien benannt. Seit etwa 300 v. Chr. bis 200 n. Chr. war es die Hauptstadt der Nabatäer. Des Antigonos General Athenäos überfiel 312 P. und plünderte es, ward aber wieder vertrieben und sein Heer aufgerieben; Demetrios belagerte darauf die unzugängliche Felsenstadt vergeblich. Erst Trajan unterwarf sie 105 den Römern. Seit Anfang des 5. Jahrh. War P. ein christlicher Metropolitansitz unter dem Patriarchat von Jerusalem. Mit der mohammedanischen Eroberung verlor es seine Bedeutung und hieß seitdem Wadi Musa ("Thal des Moses"). Die großartigen Ruinen aus spätrömischer Zeit (Felsengräber, Reste eines Amphitheaters, mehrere Tempel, ein Triumphbogen etc.) wurden 1812 von Seetzen und Burckhardt wieder aufgefunden, dann von den Engländern Irby und Mangles, den Franzosen Grafen Léon de Laborde und Linant ("Voyage dans l'Arabie Pétrée", Par. 1830), dem Herzog von Luynes (" Voyage d'exploration etc.", das. 1875) u. a. besucht.

Peträisches Arabien (Peträa), s. Arabien, S. 721.

Petralĭa (P. Soprana und P. Sottana), zwei Flecken in der ital. Provinz Palermo (Sizilien), Kreis Cefalù, ersterer, auf einer Anhöhe gelegen, hat eine Hauptkirche, eine Reformatenkirche (mit schönem Holzkruzifix von Fra Umile) und (1881) 2651 Einw.; letzterer, am Fuß der Anhöhe, hat Wein- und Ölbau und (1881) 5244 Einw.

Petrárca, Francesco, der größte lyrische Dichter Italiens und zugleich einer der größten Gelehrten seiner Zeit, wurde 20. Juli 1304 zu Arezzo geboren. Sein Vater Pietro di Parenzo, nach italienische Weise im Diminutiv Petracco (lat. Petracchus), ein Notar aus Florenz, war, als zur Partei der Weißen gehörig, 1302 zugleich mit Dante u. a. verbannt worden und begab sich nach mehrjährigem Aufenthalt in Arezzo und in Pisa 1313 mit seiner Familie nach Avignon, wo damals der päpstliche Hof sich aufhielt, schickte aber letztere nach dem benachbarten Carpentras, wo der junge P. vier glückliche Jahre verlebte. Hier erhielt er von dem Grammatiker Connevole da Prato, der schon in Pisa sein Lehrer gewesen war, Unterricht in der Grammatik, Logik und Rhetorik und widmete sich hierauf dem Wunsch seines Vaters gemäß seit 1318 zu Montpellier und seit 1322 noch drei Jahre zu Bologna der Rechtswissenschaft, beschäftigte sich jedoch vorzugsweise mit klassischen Studien. Nach dem Tod seines Vaters (1326), dem bald darauf auch die Mutter ins Grab folgte, kehrte er nach Avignon zurück, wo er die Bekanntschaft der reichen Familie Colonna machte, welche seit ihren Streitigkeiten mit Bonifacius VIII. dorthin ausgewandert war. Da seine Eltern ihm kein Vermögen hinterlassen hatten, trat er in den geistlichen Stand, nahm jedoch nur die niedern Weihen. In Avignon war es auch, wo er 1327 zum erstenmal die Geliebte sah, welche er in seinen Gedichten unter dem Namen Laura (s. d.) feiert. Durch gelehrte Studien, höfische Zerstreuungen und Reisen suchte P. seiner Leidenschaft Herr zu werden. 1333 trat er eine längere Reise an, zunächst über Paris und Gent durch Flandern und Brabant nach Lüttich, wo er zwei Reden des Cicero entdeckte, Aachen und Köln, dann über die Ardennen nach Lyon und von da zu Schiff zurück nach Avignon. Für eine an den Papst Benedikt XII. gerichtete lateinische Epistel, worin er ihn zur Rückkehr nach Rom ermahnte, erhielt er 1335 seine erste Pfründe, ein Kanonikat in Lombès. Im folgenden Jahr besuchte er Rom, von wo aus er dem Papst in einem zweiten Gedicht die Rückkehr nach der alten Residenz dringend ans Herz legte. Ungeheilt von seiner Liebe kehrte er nach Frankreich zurück und kaufte sich an der durch ihn so berühmt gewordenen Quelle von Vaucluse im reizenden Thal der Sorgue in der Nähe von Avignon ein kleines Haus, wo er nun mehrere Jahre in der Stille seinen Studien lebte. Viele seiner schönsten Gedichte an Laura entstanden hier, auch der größte Teil seiner lateinischen Eklogen, viele seiner lateinischen Episteln, zahlreiche Briefe und das Werk "De vita solitaria libri II". Seine Poesien erwarben ihm bald den höchsten Ruhm. Vom römischen Senat und dem Kanzler der Pariser Universität gleichzeitig eingeladen, die Dichterkrone entgegenzunehmen, entschied sich P. für den von Rom angebotenen Lorbeer und empfing denselben am ersten Ostertag (8. April) 1341 auf dem Kapitol aus der Hand des Senators Orso dell' Anguillara. P. ließ hierauf den Kranz am Altar der Peterskirche aufhängen. Auf der Rückreise verweilte er ein Jahr in Parma bei seinem Freund Azzo da Correggio, der sich eben erst zum Herrn dieser Stadt gemacht hatte. Nach