Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Petrejus - Petrokow.

trennt worden und bei der Schwierigkeit des Schlusses von der Beschaffenheit des einen Teils auf die Eigenschaften eines andern Teils desselben Organismus eine Quelle der Verwirrung, namentlich im Sinn unnötiger Namensgebung, geworden (man denke an die im Kiefer eines Cestracions nebeneinander vorkommenden verschiedenen Zahnformen, an die Verschiedenheit zwischen Wurzel- und Stengelblättern bei den Pflanzen etc.). Ein wichtiges Hilfsmittel zur bessern Erkenntnis vieler Versteinerungen ist ein vorsichtiges Herausarbeiten (Präparieren) aus dem einschließenden Gestein, das Nehmen von Abgüssen mittels Gips, Wachs oder Guttapercha bei konkaven Abdrücken, um ein konvexes, besser untersuchbares Objekt herzustellen, und in günstigen Fällen der Erhaltung die Anfertigung mikroskopischer Schliffe.

Über die verschiedene Auffassung, welcher die P. im Lauf der Zeiten unterlegen sind, sowie über den großen Wert der P. zur Beurteilung des Zustandes der Erde in frühern Perioden und über die Wichtigkeit derselben zur Entscheidung geologischer Fragen und solcher aus dem Gebiet der Entwickelungsgeschichte vgl. Paläontologie.

Petrejus, Marcus, röm. Feldherr, vernichtete 62 v. Chr. als Unterfeldherr des Antonius bei Pistoria das Catilinarische Heer, befehligte 54-49 nebst Afranius das Heer des Pompejus in Spanien, wurde 49 von Cäsar bei Ilerda zur Ergebung gezwungen, ging dann nach Afrika, wo er die Reste der Pompejaner sammelte, und tötete sich nach der Niederlage bei Thapsos 46.

Petri, Olaus und Laurentius, die schwedischen Reformatoren, Söhne eines Schmiedes zu Örebro. Olaus studierte seit 1516 in Wittenberg, wo Luther auf ihn einen großen Einfluß ausübte, promovierte dort 1518, kehrte 1519 nach Schweden zurück und verkündete als Diakonus in Strengnäs sogleich reformatorische Grundsätze. Als erster Prediger nach Stockholm versetzt, mußte er zwar von dem König Vorwürfe entgegennehmen, weil er während der Abwesenheit desselben 1524 den deutschen Wiedertäufern in Stockholm nicht streng genug entgegengetreten war. Doch ließ er sich durch nichts schrecken, was die mächtige katholische Partei, geführt von dem Bischof von Linköping, Braske, und dem Erzbischof von Upsala, Magnus, gegen ihn persönlich unternahm. Olaus verheiratete sich 1525 und fuhr fort, durch Predigten und Schriften, insbesondere durch eine schwedische Agende: "Manuale sueticum", sowie durch eine Liturgie: "Ordo missae sueticae", für die Verbreitung der neuen Lehre zu wirken; dabei war er 1531-33 Kanzler des Königs; 1539 wurde er als Pastor an der Hauptkirche in Stockholm angestellt. Da indessen der König die sämtlichen Güter der Kirche nur zu weltlichen Zwecken verwendete, so sprach Olaus seine Unzufriedenheit offen aus; als er aber einen gegen den König angezettelten Mordplan nicht angezeigt hatte, weil er ihm in der Beichte mitgeteilt worden war, so wurde er 1540 zum Tod verurteilt. Doch gelang es seiner Gemeinde, seine Begnadigung auszuwirken. In sein Amt 1543 wieder eingesetzt, starb er 19. April 1552. Unter seinen vielen Schriften ist besonders eine "Kronik" merkwürdig, welche er nach alten Urkunden über die ältere schwedische Geschichte verfaßt hat. Sein jüngerer Bruder, Laurentius, besaß zwar nicht die Unerschrockenheit und Beredsamkeit des Olaus, übertraf ihn aber sowohl an Gelehrsamkeit als an Ruhe und Mäßigung. Er wurde deshalb schon 1531 zum ersten lutherischen Erzbischof von Upsala erwählt. Der König wies ihm große Einkünfte zu und gab ihm eine Anverwandte seines Hauses zur Gattin. Er war besonders thätig bei der Bearbeitung einer vollständigen Bibelübersetzung, welche auch 1540 und 1541 in Folio (Bibel Gustavs I.) erschien, und schrieb: "Then svenska kyrkeordning" (1571), welche noch heutigestags Grundlage der schwedischen Kirchenverfassung ist. Er starb 1573. Vgl. Weidling, Schwedische Geschichte im Zeitalter der Reformation (Gotha 1882).

Petrifikate (griech.-lat.), Versteinerungen; petrifizieren, versteinern.

Petrikanal (Kanal San Piedro), Meerenge an der spanischen Küste, verbindet die Bai von Cadiz mit dem Atlantischen Ozean und trennt die Insel Leon vom Festland.

Petrikau, Stadt, s. Petrokow.

Petri Kettenfeier, kathol. Kirchenfest, das 1. August als Ersatz für die altrömischen feriae Augusti gefeiert wird und sich auf die Legende gründet, die oströmische Kaiserin Eudoxia habe zu Jerusalem die Kette erhalten, mit welcher einst der Apostel Petrus daselbst gefesselt worden war, und sie nach Rom geschickt. Dort hielt man die Kette mit derjenigen zusammen, die Petrus in seiner römischen Gefangenschaft getragen hatte, und durch ein Wunder wurden beide plötzlich so ineinander verschlungen, daß man sie nicht wieder trennen konnte. Zur Aufbewahrung dieser beiden Ketten wurde die Kirche Pietro in Vincoli erbaut und das Kirchweihfest derselben zum Fest für die ganze Christenheit erhoben.

Pétrinal (franz. Poitrinal, spr. poa-), eine zwischen Arkebuse und Pistole stehende Reiterwaffe des 16. Jahrh., die ihrer Schwere wegen an einem Riemen über der Schulter getragen und beim Schießen gegen den Panzer gestemmt wurde, woher sie ihren Namen haben soll.

Petriner, kathol. Weltgeistliche, weil der Apostel Petrus als Stifter des Predigtamtes gilt (s. Kleriker); auch eine der Parteien, in welche die christliche Gemeinde zu Korinth und auch sonst vielfach das Urchristentum geteilt war (1. Kor. 1, 12).

Petrinja, Stadt im kroatisch-slawon. Komitat Agram, an der Kulpa, mit einem Schloß, 2 Kirchen, (1881) 4478 Einw., bedeutendem Seidenbau, Schiffahrt und Produktenhandel. P. hat einen Gerichtshof, eine Gewerbekammer, Lehrerpräparandie und Unterrealschule und war Amtssitz des ehemaligen kroatischen Militärgrenzdistrikts P. (Banaldistrikt) zwischen der Kulpa und Unna, welcher 2770 qkm (50 QM.) umfaßte und 1886 dem Komitat Agram einverleibt wurde.

Petri Stuhlfeier, seit dem 6. Jahrh. Fest der röm. Kirche zur Erinnerung an die Errichtung der Bischofsstühle zu Rom und Antiochia durch den Apostel Petrus, wird für den römischen Stuhl 18. Januar, für den zu Antiochia nach Pauls IV. Bestimmung (1557) 22. Februar gefeiert.

Petro-Alexandrowsk, s. Amu Darja-Distrikt.

Petrobrusianer, Sekte, s. Bruys.

Petrographie (griech.), Gesteinslehre.

Petrokow (poln. Piotrkow, deutsch Petrikau), russisch-poln. Gouvernement, im S. an Galizien, im SW. an Preußen (Schlesien), im W. an das Gouvernement Kalisch, im N. an Warschau, im O. an Radom und Kjelzy grenzend, hat ein Areal von 12,249 qkm (222,5 QM.). Das Land ist flach, gegen S. wellenförmig ansteigend, der Boden sandig oder sandig-lehmig. Die Bevölkerung beträgt (1883) 865,777, d. h. 71 Einw. pro QKilometer, darunter ca. 75 Proz. Katholiken, 13 Proz. Protestanten und 12 Proz. Juden. Alle Getreidearten gedeihen; über den innern