Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Petroleummotor; Petroleumsprit; Petroleur; Petrolia; Petromyzon; Petronell; Petronius Arbiter

922

Petroleummotor - Petronius Arbiter.

schlägt, um darauf mit reichlich zugeführter Luftmenge zu verbrennen. - Eine neuere Form der Braytonschen P. ist in Fig. 1 dargestellt. In dem kastenförmigen Gestell dd ist die gekröpfte Kurbelwelle c gelagert, während der Arbeitscylinder e und der Kompressionscylinder f von oben eingehängt sind. Unter ihnen liegt ein Balancier g mit unsymmetrischen Armen derart, daß der Kolbenhub des Kompressionscylinders halb so groß wie der des Arbeitscylinders ist und nur ein Drittel des Kurbeldurchmessers beträgt. Beide Cylinder e und f sind unten offen, also nur einfach wirkend. Der Kompressionscylinder entsendet Luft entweder direkt zum Arbeitscylinder oder in zwei Reservoirs h, welche teils als Druckregulatoren, teils zur Aufnahme eines Luftvorrats zum Anlassen der Maschine nach Betriebspausen dienen. Der Treibcylinder, dessen oberer Teil durch Fig. 2 in größerm Maßstab dargestellt ist, hat in seinem Deckel ein Austrittsventil a für die Verbrennungsgase und die Einführungsvorrichtung für Petroleum und Luft. Das Petroleum wird von einer Pumpe p durch eine Bohrung x' in den ringförmigen, mit Fasermaterial erfüllten Raum y gedruckt, während zugleich durch die mit den Windsammlern kommunizierende Bohrung x Luft in geringer Menge kontinuierlich hindurchstreicht und das Petroleum in Schaumform an dem Diaphragma z, welches aus gelochten Blechscheiben mit zwischenliegendem Drahtnetz gebildet wird, niederschlägt. Bläst nun durch das zu Beginn des Kolbenhubs von der Maschine geöffnete Luftzuführungsventil b ein kräftiger Luftstrom, so schwängert er sich beim Durchstreichen des Diaphragmas mit Petroleumbläschen, und das Gemisch wird im Moment des Übertritts in den Raum v durch eine dort kontinuierlich brennende Flamme entzündet, welche durch den die Schaumbildung erzielenden kontinuierlichen Luftstrom gespeist wird. Ein Durchschlagen der Flammen nach dem Raum y wird durch das wie das Drahtnetz einer Sicherheitslampe fungierende Diaphragma verhindert. Nach einem gewissen Kolbenweg wird das Luftventil b geschlossen, so daß die treibende Flamme erlischt und nur die Zündflamme weiterbrennt, worauf die Verbrennungsgase durch Expansion auf den Kolben treibend wirken. Beim Rückgang des Kolbens, der ebenso wie der Vorgang der Kompressionspumpe nur durch die Einwirkung der lebendigen Kraft des Schwungrads hervorgebracht wird, entweichen die verbrannten Gase durch Ventil a. Die Regulierung der Maschine erfolgt durch einen horizontalen Zentrifugalregulator in der Weise, daß das Luftventil b früher geschlossen wird, wenn die Maschine zu schnell geht, und umgekehrt. Dieser Braytonsche Petroleummotor wird in Größen von 1-10 Pferdekräften gebaut. Die Maschinen arbeiten mit einer mittlern Tourenzahl von 200 pro Minute. Der Konsum an Petroleum soll ca. 0,5 Lit. Ligroin pro Stunde und Pferdekraft betragen. Da dieses Material in Amerika sehr wohlfeil ist, so sind die Petroleumkraftmaschinen daselbst sehr verbreitet. In Europa können sie jedoch wegen der verhältnismäßig hohen Petroleumpreise nicht vorteilhaft verwendet werden. Vgl. Musil, Die Motoren für das Kleingewerbe (2. Aufl., Braunschw. 1883).

^[Abb.: Fig. 2. Oberer Teil des Treibcylinders.]

Petroleummotor, s. Petroleumkraftmaschine.

Petroleumsprit, s. Erdöl, S. 767.

Petroleur (franz., spr. -lör, weibl. Petroleuse), Bezeichnung für die Kommunarden, die während des Pariser Kommuneaufstandes 1871 die Tuilerien, das Stadthaus und viele andre Gebäude mit Hilfe von Petroleum niederbrannten; daher etwa s. v. w. Mordbrenner.

Petrolia, Stadt im SW. der britisch-nordamerikan. Provinz Ontario, inmitten der Steinölregion, mit (1881) 3465 Einw.

Petromyzon, Neunauge.

Petronell, Marktflecken in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Bruck, an der Donau und der Eisenbahn Bruck-Hainburg, hat ein gräflich Traunsches Schloß mit Sammlung von Altertümern aus der hier ehemals gelegenen römischen Stadt Carnuntum (s. d.), eine runde Tauf-, jetzt Grabkapelle aus dem 12. Jahrh. und (1880) 898 Einw. Von den Altertümern in der Umgegend ist das sogen. Heidenthor zu erwähnen, die Ruine eines von Tiberius errichteten Triumphbogens.

Petronius Arbiter, Verfasser eines satirischen Romans, jedenfalls der Neronischen Zeit angehörig und vermutlich der Gajus P., der sich seiner Lasterhaftigkeit und seines Geschmacks wegen der höchsten Gunst des Nero erfreute und an seinem Hof die Rolle eines arbiter elegantiae (Maître de Plaisir) spielte, bis er, durch seinen Nebenbuhler Tigellinus verleumdet, zum Tod verurteilt wurde und sich durch Öffnen der Adern das Leben nahm, 66 n. Chr. (Tacitus' "Annales", XVI, 17). Von dem ursprünglich aus etwa 20 Büchern bestehenden Roman, der unter Tiberius im südlichen Italien spielte, besitzen wir nur noch Bruchstücke, von denen das vollständigste die berühmte "Cena Trimalchionis" ist. Obwohl von Obscönitäten wimmelnd, ist das mit Geist und Witz geschriebene Werk bewunderungswürdig durch die Treue der Schilderung von Sitten und Menschen und durch die Meisterhaftigkeit der Sprache, die, dem Charakter der Redenden entsprechend, bald plebejisch, bald gebildet ist. Nach Art der Menippeischen Satire des Varro wechseln mit der prosaischen Rede poetische Stücke, zum Teil von größerm Umfang, meist Parodien bestimmter Geschmacksrichtungen. Die erste kritische Ausgabe ist die von Bücheler (Berl. 1862; Textausgabe, 3. Aufl., Berl. 1882). Übersetzungen erschienen von W. Heinse (anonym, Rom 1773; Schwabach 1783), von Schlüter (Halle 1792) und eine nach der Büchelerschen Ausgabe (Stuttg. 1874); das "Gastmahl" be-^[folgende Seite]