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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Petropawlowsk - Petrus de Vineis.

sonders übersetzten Wellauer (Berl. 1843) und Merkens (Jena 1876). Vgl. Studer, Über das Zeitalter des P. (im "Rheinischen Museum" 1843); Beck, The age of P. (Cambridge in Amerika 1856), Teuffel, Studien und Charakteristiken (Leipz. 1871).

Petropawlówsk, Name vieler befestigter Orte in Rußland, von denen hervorzuheben sind: 1) Kreisstadt im asiatisch-russ. Gebiet Akmollinsk, am Ischim, auf dessen 30 m hohem Felsenufer sich die Ruinen der alten Festung erheben, und an der großen sibirischen Poststraße, war bis zur Erwerbung des Gouvernements Turkistan Hauptwaffenplatz, Hauptzollstätte und einer der wichtigsten Plätze für den russischen Verkehr mit Mittelasien und ist noch jetzt ein von den Steppennomaden vielbesuchter Markt mit 11,406 Einw. - 2) (Peterpaulshafen) Hafenstadt auf der südlichen Ostküste der sibirischen Halbinsel Kamtschatka, an der Awatschabai, einer Bucht des Kamtschatkischen Meers, ist Hauptort von Kamtschatka, hat mehrere Regierungsgebäude, einige Magazine der Russisch-Amerikanischen Handelsgesellschaft, einen Hafen, Leuchtturm und (1885) 334 Einw. P. hat den Namen von zwei nahegelegenen Vulkanen, St. Peter und St. Paul, von denen der eine (auch Awatscha genannt) 8. Aug. 1827 so bedeutende Massen von Asche auswarf, daß die Stadt mehrere Stunden lang völlig in Nacht gehüllt war. Am 6. Mai 1841 litt P. durch ein heftiges Erdbeben. Am 31. Aug. und 1. Sept. 1854 wurde der Platz von französischen und englischen Schiffen vergeblich angegriffen, später von den Russen geräumt, darauf 15. Mai 1855 von den Franzosen und Engländern besetzt und die Festungswerke geschleift.

Petropŏlis, Stadt in der brasil. Provinz Rio de Janeiro, in reizender Gebirgsgegend, 842 m ü. M. und 55 km von der Reichshauptstadt, wurde 1845 als deutsche Ackerbaukolonie gegründet, hat aber nicht als solche, sondern als Sommerfrische der Hauptstädter Bedeutung erlangt und trägt ganz den Charakter eines vornehmen Badeorts. Es befinden sich dort ein kaiserlicher Sommerpalast und zahlreiche Villen, nebst großem Park und trefflichen Straßen. Außerdem hat P. ein Krankenhaus, treffliche Schulen, eine katholische und eine protest. Kirche, 2 Baumwollwebereien. Unter den 5000 Einw. sind wohl noch 1500 Deutsche; auch erscheint eine deutsche Zeitung. Eine von Mauá (an der Nordseite der Bai von Rio de Janeiro) ausgehende Eisenbahn, die vom Fuß der Serra de Estrella an als Zahnradbahn fortgesetzt ist, verbindet P. mit der Hauptstadt.

Petrosawódsk, Hauptstadt des russ. Gouvernements Olonez, an der Mündung der Lossossinka und Neglinka in den Onegasee, hat 9 Kirchen, ein Knaben- und ein Mädchengymnasium, einen Hafen, Handel mit Getreide, Holz und Fischen und (1885) 11,027 Einw. Bemerkenswert sind die Alexandrowsche Kanonengießerei, die gußeiserne Statue Peters d. Gr. und der von letzterm angelegte Stadtgarten. Die 1704 hier von Peter d. Gr. errichtete Eisengießerei legte den Grund zur jetzigen Stadt.

Petroselīnum, Pflanzengattung, s. Petersilie.

Petrosīlex (griech.-lat.), alter Name für besonders harte Mineralien und Gesteine, meist s. v. w. Hälleflinta (s. Felsit).

Petrowitsch (russ.), "Sohn Peters".

Petrowsk, 1) Kreisstadt im russ. Gouvernement Saratow, an der Medwjediza, 1698 von Peter d. Gr. gegründet, mit 7 Kirchen, Talgsiedereien, Gerbereien und (1885) 15,316 Einw. - 2) Hafenort im russisch-kaukas. Gebiet Daghestan, am Kaspischen Meer in 53 m Höhe, nordöstlich von Temir Chan Schura, in den 40er Jahren als Festung angelegt, ist wichtig durch seine nur nach SO. freie Reede, welche durch zwei Molen in einen Hafen verwandelt ist, und zählt (1876) 3893 Einw. Die Stadt ist zur Endstation der bis Wladikawkas vollendeten Eisenbahn bestimmt.

Petrowski, schönes kaiserliche Lustschloß bei Moskau, an der Eisenbahn St. Petersburg-Moskau, wurde 1776 von Katharina II. erbaut, 1812 von Napoleon I. bewohnt, dann von den Franzosen niedergebrannt und 1840 wiederhergestellt.

Petrozsény (spr. -schēnj), seit 1868 bestehende großer Bergwerksort im ungar. Komitat Hunyad (Siebenbürgen), Station der Ungarischen Staatsbahnlinie Piski-P., mit (1881) 2906 rumänischen, deutschen und ungar. Einwohnern und einem Bergamt, liegt im Schielthal am Fuß des Paringul (2421 m) und ist berühmt durch reiche Steinkohlenlager, die teils der Kronstädter Gewerkschaft, teils dem Staatsärar gehören. In der Nähe die interessante Höhle Cetate Boli.

Petrucci (spr. -truttschi), Ottaviano de', Erfinder des Notendrucks mit Typen, geb. 1466 zu Fossombrone bei Urbino, druckte 1501-11 in Venedig, seit 1513 in seiner Vaterstadt; starb um 1523. Seine Drucke sind sehr selten und hochgeschätzt (Messen, Motetten etc. der besten Meister des 15.-16. Jahrh.).

Petrus (griech., "Fels"), eigentlich Simon, daher oft vollständig Simon Petrus genannt, der erste Apostel Jesu, Sohn eines gewissen Jonas und Bruder des Apostels Andreas, war früher Fischer in der Nähe von Kapernaum. Über seine geschichtliche Bedeutung s. Apostel. Sein Charakter schwankt trotz des ihm zugelegten Beinamens zwischen heftiger Entschlossenheit und momentaner Verzagtheit, wie namentlich die bekannte Geschichte der Verleugnung beweist. Während er in den echten Briefen des Paulus als "Apostel der Beschneidung" erscheint, läßt ihn die Tradition nicht bloß in Pontus, Galatien, Kappadokien, Kleinasien und Bithynien (1. Petr. 1, 1), sondern auch in Antiochia, Korinth und ganz besonders in Rom das Evangelium verkündigen, hier mit Simon dem Magier zusammentreffen und endlich unter Nero mit dem Haupt unterwärts gekreuzigt werden, da er sich für unwürdig hielt, in derselben Weise wie Jesus zu sterben. P. war verheiratet (Luk. 4, 38) und wurde von seiner Gattin, welche der Tradition nach Konkordia oder Perpetua hieß, auf seinen Reisen begleitet (1. Kor. 9, 5). Auch sie soll den Märtyrertod, doch früher als der Apostel, erlitten haben. Über die gesamte Sage vom römischen Aufenthalt des P. vgl. Zeller in den "Vorträgen und Abhandlungen" (2. Sammlung, Leipz. 1877); Hilgenfeld in der "Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie" 1877. Auch die zwei unter dem Namen des P. in den kirchlichen Kanon aufgenommenen Briefe erscheinen, da sie erweislich schon die ganze Paulinische Litteratur voraussetzen, der neuern Kritik als Produkte des 2. Jahrh., und zwar wird der erste in die Zeiten Domitians oder Trajans, der zweite in die der Antonine versetzt. Außerdem kursierten in der alten Kirche und unter den judenchristlichen Parteien eine Reihe pseudonymer Schriften, wie: "Predigt des P.", "Wanderungen des P." und "Evangelium des P." Vgl. Lipsius, Die apokryphischen Apostelgeschichten, Bd. 2, 1. Hälfte (Braunschw. 1887).

Petrus Damiānus, s. Damiani.

Petrus de Vinĕis, berühmter Rechtsgelehrter und Staatsmann, geboren um 1190 zu Capua als Sohn eines armen Winzers, studierte in Bologna die Rechte, ward vom Kaiser Friedrich II. zu seinem