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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Peyronnet; Pézenas; Pezeta; Peziza; Pezo da Regõa; pf; Pf.; Pfäfers; Pfaff

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Peyronnet - Pfaff.

(in den "Memorie" der Akademie) heraus. Seit 1848 Mitglied des Senats, starb er 27. April 1870 in Turin.

2) Franz. Marineminister, geb. 21. Juni 1823, trat 1839 in den Dienst der Marine und machte in derselben eine ungewöhnlich rasche Karriere, indem er 1841 Aspirant, 1845 Schiffsfähnrich, 1852 Schiffsleutnant, 1861 Fregattenkapitän, 1867 Schiffskapitän, 1877 Konteradmiral, 1881 Vizeadmiral und Großoffizier der Ehrenlegion wurde. Er machte die Kampagnen in der Ostsee, in der Krim, von Italien, Kotschinchina und Mexiko mit und kannte namentlich letzteres genau, wo er für seine glänzende Tapferkeit den Grad des Fregattenkapitäns erhielt. Ferry berief ihn im Herbst 1883 in das Ministerium, nachdem er schon seit 1880 den wichtigen Posten des Generalstabschefs der Marine innegehabt. 1885 trat er mit Ferry zurück. Seit 1884 ist er Senator.

Peyronnet (spr. päronä), Charles Ignace, Graf von, franz. Staatsmann, geb. 9. Okt. 1778 zu Bordeaux, studierte die Rechte und ließ sich dann in seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Während der Hundert Tage rettete er die Herzogin von Angoulème auf ein britisches Schiff, für welchen Dienst er zum Präsidenten des Tribunals zu Bordeaux, dann zum Generalprokurator am Gerichtshof zu Bourges ernannt wurde. Vom Dezember 1821 bis Januar 1828 Justizminister, brachte er 1822 das reaktionäre Preßgesetz durch, welches er mit durchaus absolutistischen Grundsätzen verteidigte, ferner 1825 das monströse Gotteslästerungsgesetz und stellte die Zensur wieder her. Im August 1822 erhielt er die erbliche Grafenwürde. 1828 wurde er zum Pair ernannt. Im Ministerium Polignac übernahm P. 16. Mai 1830 das Portefeuille des Innern und unterschrieb die verhängnisvollen Ordonnanzen vom 25. Juli, welche dem König den Thron kosteten. Während der Katastrophe ergriff er die Flucht, ward aber zu Tours verhaftet, 21. Dez. 1830 zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt und nach der Festung Ham gebracht, 17. Okt. 1836 aber durch königliche Ordonnanz wieder in Freiheit gesetzt. Er starb 2. Jan. 1854 auf seinem Schloß Montferrand. Während seiner Gefangenschaft schrieb er: "Pensées d'un prisonnier" (Par. 1834, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1834) und "Histoire des Francs" (Par. 1835; 2. Aufl. 1846, 4 Bde.).

Pézenas (spr. pesenaß), Stadt im franz. Departement Hérault, Arrondissement Béziers, am Zusammenfluß der Peine und des Hérault und an den Eisenbahnen Béziers-Lodève und St.-Chinian-Montbazin, hat ein Collège, Handelsgericht, eine Ackerbauschule, Fabrikation von Hüten, Leinwand, Wollenstoffen, vorzüglichen Wein-, Mandel- und Olivenbau, Handel mit Wein, Branntwein und Getreide, eine Wollmesse, eine Warenbörse (für Wein und Spirituosen) und (1886) 6347 Einw. P. ist das alte Piscenä.

Pezeta, s. v. w. Peseta.

Peziza L. (Becherpilz), Pilzgattung aus der Unterordnung der Diskomyceten, charakterisiert durch becher- oder napfförmige Fruchtkörper mit einer auf der freien Oberseite befindlichen, meist andersfarbigen Hymeniumschicht (Scheibe), welche anfangs krugförmig geschlossen ist, später sich ausbreitet und aus den Sporenschläuchen besteht. Meist kleine, herdenweise wachsende, mannigfaltig gefärbte, fleischige oder wachsartige Pilze, Arten, welche auf der Erde, auf faulenden Pflanzenteilen oder parasitisch auf lebenden Pflanzen vorkommen. Einige der größern Arten sind eßbar, namentlich P. acetabulum L., bis 55 cm groß, becherförmig, braun, mit weißem, dickem Stiel, einzeln auf der Erde in Wäldern im Frühling und Herbst wachsend, von morchelartigem Geschmack; P. leporina Batsch, 5,5-8 cm hoch, unregelmäßig ohrförmig, mit dickem Stiel, braun bis gelblich, in Nadelwäldern im Herbst; P. onotica Pers., ebenso, fast weißlich, mit blaßgelber Scheibe, in Wäldern im Herbst, und P. cochleata Dec., 3-11 cm groß, unregelmäßig, fast schneckenhausförmig gedreht, braun, mit zimtbrauner Scheibe, in Laubwäldern im Herbst. Von den parasitische Arten verursacht P. ciborioides Fr. den Kleekrebs (s. d.) und P. calycina Schum. var. Laricis (P. Willkommii R. Hart.) mit herdenweise wachsenden, 2-5 mm großen, außen weißwolligen Bechern mit gelber bis mennigroter Scheibe, an der Rinde von Nadelhölzern, besonders der Lärchen, den Lärchenkrebs. Sein Mycelium lebt in der Rinde, welche sich infolgedessen abnorm verdickt, aufberstet, von Harz durchtränkt erscheint und bisweilen Harzfluß zeigt; oberhalb der Krebsstelle tritt ein bald rasches, bald erst nach Jahren vollständiges Absterben des Baums ein, der besonders in der Jugend bis zu 15jährigem Alter von dem Schmarotzer befallen wird.

Pezo da Regõa (spr. pesu, regua), Stadt in der portug. Provinz Traz os Montes, Distrikt Villa Real, am Douro und an der Eisenbahn von Porto ins Dourothal gegen Salamanca, Hauptort des Weinbezirks Alto-Douro, mit großen Weinniederlagen, wichtigen Weinmärkten und (1878) 3040 Einw.

Pf., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Karl Pfeiffer, gest. 1852 als Arzt in Kassel (Mollusken), oder für Louis Pfeiffer (s. d. 3).

pf, in der Musik Abkürzung für poco forte (ital.), "etwas stark", "ziemlich stark" oder, was dasselbe ist, piu forte, "stärker".

Pfäfers, Bad im schweizer. Kanton St. Gallen, in einer tiefen Schlucht der wilden Tamina, 685 m ü. M. Früher führte nur ein beschwerlicher Fußsteig zu den Badegebäuden; seit 1852 aber ist eine hübsche Kunststraße längs der Tamina von Ragaz aus gebaut. Mehrere Quellen von 36° C. sprudeln in einem schaurigen Felsschlund aus tiefen Felsspalten hervor und zeichnen sich durch eine auffallende Armut an mineralischen Stoffen aus. Die Therme wurde 1038 entdeckt, 1242 das erste Badehaus errichtet. Zu diesem ließ man die Kranken (nebst dem erforderlichen Proviant) an einem Seil in die Schlucht hinab; nach Beendigung der Kur zog man sie heraus. Die gegenwärtigen Lokalitäten, 1704-16 erbaut, befinden sich nur ca. 600 Schritt von den Quellen. Durch eine Röhrenleitung gelangt ein Teil der Therme thalabwärts nach Ragaz (s. d.). Hoch über dem tief gefurchten Thal, auf frei vorstehender Bergterrasse, liegt das Dorf P. (1628 Einw.). Seine Benediktinerabtei, im 8. Jahrh. gegründet, wurde 1838 aufgehoben und in eine Irrenheilanstalt (St. Pirminsberg) verwandelt. Hinter Dorf P., bei dem Hof Raggol, sind Schieferbrüche im Betrieb. Vgl. Kaiser, Die Thermen von Ragaz und P. (5. Aufl., St. Gallen 1869); v. Tschudi, Ragaz-P. (das. 1870).

Pfaff, 1) Christoph Matthäus, protestant. Theolog, geb. 25. Dez. 1686 zu Stuttgart, wirkte von 1717 bis 1756 als Professor der Theologie an der Universität zu Tübingen, sodann als Kanzler und Generalsuperintendent zu Gießen, wo er 19. Nov. 1760 starb. Er ist bekannt als Gründer des sogen. Kollegialsystems sowie durch seine Bemühungen für eine Union der Lutheraner und Reformierten, zumeist aber durch die Schrift "De originibus juris ecclesiastici" (Tübing. 1719; 4. Aufl., Ulm 1754).

2) Johann Friedrich, Mathematiker, geb. 22.