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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pfeffernüsse - Pfeiffer.

Das P. dient zu Pfefferminzplätzchen, Likören, Parfümen sowie als magenstärkendes, Verdauung beförderndes und Blähungen treibendes Mittel.

Pfeffernüsse, kleine runde Pfefferkuchen, werden besonders gut in Braunschweig und Offenbach bereitet.

Pfefferriesel, s. Evonymus.

Pfefferrinde, deutsche, s. v. w. Seidelbast; s. Daphne.

Pfefferrohr, Bambusschößlinge in Form brauner, hohler, sehr leichter und doch fester, gegliederter Stäbe mit einer knolligen Verdickung am stärkern Ende, kommen aus Ostindien und dienen zu Pfeifenrohren, Spazier- und Schirmstöcken.

Pfefferstrauch, wilder, s. Daphne.

Pfeffinger, Johannes, luther. Theolog, geb. 1493 zu Wasserburg in Oberbayern, ward 1521 Kaplan in Passau, floh, der Ketzerei verdächtig, nach Wittenberg und wurde 1527 evangelischer Prediger in Sonnenwalde bei Torgau, 1530 in Eicha bei Naunhof, 1532 zu Belgern a. d. Elbe, 1540 erster Superintendent und Pfarrer an St. Nikolai zu Leipzig, 1544 auch Professor an der Universität daselbst. Wegen seiner Teilnahme an der Abfassung des Leipziger Interim heftig angegriffen und des Synergismus (s. d.) beschuldigt, erhielt er sich im Amt bis zu seinem Tod 1. Jan. 1573. Vgl. Seifert in den "Beiträgen zur sächsischen Kirchengeschichte" 1888.

Pfeidler, in Österreich (Wien) ein Hemden, Strümpfe, Hauben u. dgl. feilhaltender Händler.

Pfeife, eine Röhre, in welcher stehende Wellenbewegung der Luft durch Anblasen hervorgebracht wird (s. Schall und Dampfpfeife); in der Glasmacherei ein Rohr, mittels dessen Hohlglas durch Einblasen von Luft in die Glasmasse geformt wird (s. Glas, S. 388).

Pfeifen (v. lat. pipire), das Hervorbringen eines Tons durch die Reibung ein- oder ausgeatmeter Luft an den gespannten Rändern der etwas geöffneten Lippen. Je nach der stärkern oder schwächern Zusammenziehung der Lippen kann man höhere oder tiefere Töne innerhalb einer Oktave und darüber hervorbringen.

Pfeifenholz, s. v. w. Salix caprea, s. Weide; türkisches P., s. Viburnum.

Pfeifenstrauch, s. v. w. Aristolochia Sipho, Philadelphus coronarius oder Syringa vulgaris.

Pfeifensträucher, s. v. w. Philadelpheen.

Pfeifenthon, s. Thon.

Pfeifenwerk, s. Orgel.

Pfeifer (Kunstpfeifer), früher Bezeichnung derjenigen Spielleute, welche Blasinstrumente aller Art spielten, seit dem 14. Jahrh. der Musikanten im allgemeinen. Vgl. Musikantenzünfte.

Pfeifer, s. Zünsler.

Pfeiferdampf, s. Kehlkopfspfeifen.

Pfeifergericht (Judicium tibicinum), ehemals eine zu Frankfurt a. M. unter Pfeifen und Pauken zur Zeit der Herbstmesse gehegte Gerichtssitzung des Schöffenrats, wobei die Deputierten der Städte Nürnberg, Worms und Altbamberg einen hölzernen Becher, ein Pfund Pfeffer, einen alten weißen Biberhut (den aber Worms gegen einen Goldgulden stets wieder einlöste), ein Paar weiße Handschuhe, ein weißes Stäbchen und einen Räderalbus überreichten und die Bestätigung ihrer Meßprivilegien, namentlich der Zollfreiheit, erhielten. Diese Feierlichkeit erlosch mit der Auflösung des Deutschen Reichs. Vgl. Fries, Vom sogenannten P. (Frankf. 1752).

Pfeifer im Kümmel, s. Motten.

Pfeiffer, 1) Burkhard Wilhelm, hess. Jurist, geb. 7. März 1777 zu Kassel, studierte anfangs Theologie, dann Rechtswissenschaft und wurde 1799 Archivar bei der Regierung, 1803 Staatsanwalt, 1808 Substitut des Generalprokurators bei dem Appellationsgericht zu Kassel, 1814 Regierungsrat und 1817 Oberappellationsgerichtsrat. 1820 folgte er einem Ruf als Oberappellationsgerichtsrat nach Lübeck, kehrte aber schon im folgenden Jahr in seine frühere Stellung zurück. 1831 ward er Mitglied der Ständeversammlung und von dieser zum Präsidenten gewählt, nach Auflösung derselben 1832 Vorstand des bleibenden Ausschusses. 1843 pensioniert, arbeitete er nach Berufung des Märzministeriums von 1848 für die Realisation einer konstitutionell-monarchischen Staatsverfassung, bekämpfte nach Berufung des Ministeriums Hassenpflug im Februar 1850 dieses aufs lebhafteste und suchte selbst nach Unterdrückung der Preßfreiheit die Rechtmäßigkeit der konstitutionellen Sache in Kurhessen sowie des von der aufgelösten Ständeversammlung geleisteten Widerstandes darzulegen in den Schriften: "Die Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Richteramts" (Götting. 1851, 2. Aufl. 1865) und "Der alte und der neue Bundestag" (Kass. 1851). Er starb 4. Okt. 1852 in Kassel. Von seinen Schriften sind noch hervorzuheben: "Vermachte Aufsätze über Gegenstände des deutschen und römischen Privatrechts" (Marb. 1802); "Praktische Ausführungen aus allen Teilen der Rechtswissenschaft" (Hannov. 1825-50, 8 Bde., mit Register); "Geschichte der landständischen Verfassung in Kurhessen" (Kassel 1834); "Das deutsche Meierrecht" (das. 1848); "Fingerzeige für alle deutschen Ständeversammlungen" (das. 1849).

2) Ida, geborne Reyer, Reisende, geb. 14. Okt. 1797 zu Wien, verheiratete sich 1820 mit dem Advokaten P., von welchem sie sich jedoch bald trennte, und bereiste, nachdem sie die Erziehung ihrer Kinder vollendet, 1842 Palästina und Ägypten, 1845 Skandinavien und Island; 1846-48 besuchte sie Brasilien, Südamerika (besonders Chile), Tahiti, China, Vorderindien, Persien, Kleinasien und Griechenland. Unterstützt von der österreichischen Regierung, machte sie 1851-54 eine zweite Weltfahrt über England und Afrika nach den Sundainseln und Molukken, wo sie 18 Monate verweilte, sodann über Australien nach Amerika, wo sie nacheinander Kalifornien, Oregon, Peru, Ecuador, Neugranada, die Mississippigebiete und die Binnenseen Nordamerikas bereiste. Das kaiserliche Naturalienkabinett zu Wien verdankt dieser Reise eine große Bereicherung an Insekten, Reptilien etc. Auf Anregung A. v. Humboldts und Ritters wurde sie zum Ehrenmitglied der Berliner Geographischen Gesellschaft ernannt, vom König von Preußen erhielt sie die goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst. Im Mai 1856 verließ sie Wien von neuem, begab sich über Berlin nach Paris, wo sie zum Ehrenmitglied der Geographischen Gesellschaft ernannt ward, und schiffte sich Ende August zu Rotterdam nach Madagaskar ein. Dort aber wurde sie längere Zeit gefangen gehalten und sodann aus dem Land gewiesen. Die erlittene brutale Behandlung hatte ihre Gesundheit untergraben; siech kehrte sie über England und Hamburg nach Wien zurück, wo sie 27. Okt. 1858 starb. Sie drang auf ihren Reisen, auf denen sie über 240,000 km zur See und gegen 32,000 km zu Lande zurücklegte, in Gegenden vor, welche vor ihr noch kein Europäer betreten hatte, und wenn ihre Berichte auch keine neuen wissenschaftlichen Resultate brachten, so verbreiteten sie doch über manchen dunkeln Punkt Licht. Sie schrieb: "Reise einer Wienerin in das Heilige Land" (Wien 1845, 3 Bde.; 4. Aufl. 1856, 2 Bde.); "Reise nach dem skandinavischen Nor-^[folgende Seite]