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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pfeilmotte - Pferch.

wird, bildet eine schwarzbraun Latwerge, schmeckt äußerst bitter und scharf, bringt ein Gefühl von Erstarrung auf der Zunge und im Schlund, Konvulsionen, Diarrhöe und Erbrechen hervor und tötet nicht sehr schnell. Es enthält Antiarin, von welchem 1 mg einen Hund in 10-15 Minuten unter den gewaltsamsten Konvulsionen tötet. Das Upas-Tjoeté (Tieuté), Upas-Radja oder Tschettikgift ist das wässerige Extrakt der Wurzelrinde des aus Java und Borneo heimischen Strauchs Strychnos Tieuté Lech., schmeckt sehr bitter und enthält Strychnin, woraus sich die Symptome von Tetanus bei den durch dieses Gift Vergifteten erklären. Die vergifteten Pfeile werden aus Blasrohren geschossen. Das im nordöstlichen Südamerika übliche Curare (Urari, Woorari), das Extrakt des Splints und der Rinde von Strychnaceen, ist schwarzbraun, spröde, bitter, in Wasser größtenteils löslich und kommt in kleinen Kürbissen nach Europa; es enthält 3-4 Proz. Curarin, welches farblose Kristalle bildet, in Wasser und Alkohol, nicht in Äther löslich ist, an der Luft braun und schmierig wird, alkalisch reagiert und mit Säuren kristallisierbare Salze bildet. Curare wirkt sehr schwach vom Magen aus, sehr schnell aber, wenn es in eine Wunde gelangt, und am heftigsten beim Einspritzen in eine Vene. Es lähmt die motorischen Nerven, so daß bei erhaltenem Bewußtsein alle willkürlichen Bewegungen unmöglich werden, und tötet durch Lähmung der Brustmuskeln und daraus folgende Aufhebung der Atmung. Durch künstliche Unterhaltung der Atmung können nicht zu starke Dosen überwunden werden. Es wirkt dem Strychnin entgegen und kann als Gegengift desselben betrachtet werden. Man benutzt es als Heilmittel bei Tetanus, Epilepsie, Wasserscheu, Veitstanz und zum Lähmen der Tiere bei Vivisektionen (vgl. Steiner, Das amerikanische P. Curare, Leipz. 1877). Das Urari der Macuschi bei Pirara in Südamerika wird hauptsächlich aus den Rinden und Wurzelstöcken von Strychnos toxifera Schomb., S. cogens Benth. und S. Schomburgkii Kl. dargestellt. Das Tikunagift wird von den Tikunaindianern aus einer Liane, die auf der Insel Mormorote im obern Marañon wächst, nach Condamine aber aus mehr als 30 Arten von Wurzeln und Kräutern bereitet. Es wirkt augenblicklich tödlich; über seine chemische Beschaffenheit fehlen nähere Angaben. Das P. der Goajiroindianer im äußersten Norden von Südamerika ist Schlangengift; nach andern Berichten wird es auch aus zusammen verwesten Schlangen, Kröten, Eidechsen, Skorpionen, Taranteln dargestellt; einige Indianer benutzen auch die Ausschwitzung eines Laubfrosches (Phyllobates melanorhinus). Das P. der Buschmänner ist eine Mischung von Schlangengift, dem Saft einiger giftiger Euphorbiumarten und der nicht giftigen Zwiebel von Haemanthus toxicarius; dies Gift ist eins der stärksten und tötet selbst größere Tiere sehr schnell. Als Gegengift wird Ätzkali gerühmt.

Pfeilmotte, s. Eulen, S. 907.

Pfeilnaht, s. Schädel.

Pfeilschwänze (Xiphosura Poecilopoda), aus wenigen Arten bestehende Gruppe Gliederfüßler von ansehnlicher Größe, früher zu den Krebstieren gerechnet, neuerdings als besondere Abteilung hingestellt oder auch zu den Spinnen in Beziehung gebracht. Der große, mit festem Panzer versehene Körper der P. (s. Abbildung Molukkenkrebs auf. Tafel "Krebstiere") zerfällt in ein sehr umfangreiches Kopfbruststück (Cephalothorax, s. d.) und einen daran beweglich eingelenkten Hinterleib, der mit einem langen, ebenfalls beweglichen Stachel endet. Auf dem Rücken sind am Kopf zwei große Augen von ganz besonderm Bau und zwei Nebenaugen angebracht; auf dem Bauch befinden sich im Umkreis der dort gelegenen Mundöffnung sechs Paar Gliedmaßen, welche sowohl zum Kauen als zum Gehen Verwendung finden. Weiter nach hinten liegt an der Grenze von Cephalothorax und Hinterleib ein Paar breiter, deckelförmiger Gliedmaßen, und von diesen beschützt sind am Hinterleib noch fünf Paar ebenso breite, aber zartere Gliedmaßen vorhanden, die zum Schwimmen und wegen der an ihnen befestigten Kiemen auch zum Atmen dienen. Im innern Bau weichen die P. nicht wesentlich von den höhern Krebsen ab. Die Jungen schlüpfen aus dem Ei noch ohne Schwanzstachel und sehen dann den Trilobiten (s. d.) sehr ähnlich. Die ausgewachsenen Tiere werden über ½ m lang, leben im Schlamm an den Küsten von Nordamerika und des Indischen Archipels und finden sich versteinert hauptsächlich im Lithographieschiefer von Solnhofen. Die einzige lebende Gattung ist Limulus, der Molukkenkrebs (s. d.).

Pfeilwürmer, s. Würmer.

Pfeilwurz, s. Maranta.

Pfeilwurzelmehl, s. v. w. Arrowroot.

Pfelle, s. Pfrille.

Pfellel, ein im 12. und 13. Jahrh. sehr geschätzter schwerer Seidenstoff aus dem Orient, ursprünglich für das geistliche und weltliche Pallium.

Pfennig (Pfenning, althochd. phantinc, phenninc) bedeutet ursprünglich gemünztes Geld überhaupt (so noch jetzt in Ausdrücken wie Zehrpfennig, Reise-, Beicht-, Notpfennig etc.), sodann insbesondere diejenige Münze, nach welcher gewöhnlich gerechnet und bezahlt wurde (Scheidemünze). Das Wort P. ist seiner Herkunft nach noch nicht sicher erklärt; die meisten führen es auf das althochdeutsche phant ("Pfand") zurück, wonach P. ursprünglich etwas zum Pfand Gegebenes bezeichnen würde. Der Wert des Pfennigs war nach den verschiedenen Zeiten und Ländern, in denen derselbe geprägt wurde, von verschiedenem Wert. Nach der Bestimmung Karls d. Gr. sollten aus dem Pfund 240 Pfennige geprägt werden; somit repräsentierte ein solcher P. 35 unsrer jetzigen Pfennige. Vor dem 12. Jahrh. schon prägte man aus der Mark feinen Silbers 320 Pfennige, wonach der P. also nur noch 13 unsrer Pfennige wert war. Allmählich wurden dieselben aber viel leichter, so daß um die Mitte des 13. Jahrh. 660, des 14. Jahrh. 960 und zu Anfang des 15. Jahrh. 1200-1400 auf die Mark feinen Silbers gingen. Der starke Kupferzusatz gab den Pfennigen ein schwarzes Ansehen, und man unterschied deshalb weiße Pfennige (Wißpenninge, Albus, Silberpfennige) und schwarze Pfennige (Kupferpfennige). Die ersten deutschen Pfennige in reinem Kupfer wurden 1494 geprägt, und dieser Gebrauch ward endlich allgemein. Man unterscheidet schwere und leichte (Kupferpfennige); von jenen gingen, solange der Thaler in 24 Groschen, à 12 P., eingeteilt wurde, 288 auf den Thaler, von diesen, z. B. in Mecklenburg, 576. In Preußen und den nach preußischem Münzfuß ausprägenden Staaten waren 360 P. = 1 Thlr., 12 = 1 Sgr.; in Sachsen 300 = 1 Thlr., 10 = 1 Ngr.; in Mecklenburg 24 = 1 guten Groschen. Im Deutschen Reich werden als "Kupfermünzen" Zwei- und Einpfennigstücke aus Bronze geprägt. Von erstern wiegen 150, von letztern 250 ein Pfund. 100 P. = 1 Mk.

Pfennig-Magazin, s. Penny.

Pferch (Pferchschlag), das Einsperren des Viehs, besonders der Schafe, in Lattenverschlägen (Pferch-,