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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pferdeharke - Pfeufer.

chen verschiedene Geräte zum Jäten, Hacken und Häufeln eingesetzt wurden. Von diesem Apparat unterscheidet sich die P. hauptsächlich dadurch, daß sie gleichzeitig die Zwischenräume mehrerer Reihen bearbeitet und somit eine weit erheblichere Leistungsfähigkeit besitzt als der gewöhnliche Pflug. Die Konstruktion der P. ist sehr mannigfaltig, je nachdem man eine mehr oder minder vollkommene Arbeit verlangt. Vorzüglichste Systeme sind: Smith, Taylor, Garrett, Sack, Bölte. Eine eigentümliche Gattung der P. bilden die in Amerika allgemein angewendeten Maiskultivatoren, welche jedoch in den europäischen, Mais kultivierenden Ländern keine Verbreitung gefunden haben. Vgl. Perels, Handbuch des landwirtschaftlichen Maschinenwesens, Bd. 2 (2. Aufl., Jena 1880).

Pferdeharke (Pferderechen, Hungerharke), ein großer Rechen mit weitem Fassungsraum und Anspannvorrichtung für ein Pferd, dient zum Zusammenraffen des Heues nach dem Schnitt und dem Wenden und erspart außerordentlich viel an Handarbeit. In neuester Zeit wurde die P. durch geschickt angeordnete Vorrichtungen zum selbstthätigen Entleeren nach vollständiger Füllung wesentlich vervollkommt. Der Führer fährt in der Regel auf dem Gerät selbst und besorgt von seinem Sitz aus das Entleeren durch ein Pedal. Der Hauptsitz der Fabrikation von Pferdeharken ist England und Nordamerika.

Pferdeharnsäure, s. v. w. Hippursäure.

Pferdeklee, s. Melilotus.

Pferdekraft (Maschinenpferdekraft, Dampfpferd, abgekürzt HP, v. engl. horse power), Maß zur Bestimmung der Größe einer Arbeitsleistung, insbesondere der Maschine. Man versteht unter einer P. diejenige Kraft, welche nötig ist, um in einer Sekunde eine bestimmte Anzahl von Pfunden 1 Fuß hoch (Fußpfund) oder eine bestimmte Zahl von Kilogrammen 1 m hoch (Kilogrammometer) zu heben. In England setzt man allgemein die Größe der Arbeit eines Pferdes = 500 Fußpfund, in Frankreich = 75 Meterkilogramm. In Preußen bestimmte das Gesetz die Größe einer P. zu 480 Fußpfund preußisch, in Österreich zu 430 Fußpfund (Wiener). Alle diese Werte weichen wenig voneinander ab, und gegenwärtig rechnet man allgemein 1 P. = 75 Meterkilogramm. Die wirkliche Durchschnittskraft eines lebenden Pferdes beträgt jedoch nur 50 Kilogrammometer, und wenn man die Maschine Tag und Nacht arbeiten läßt, so leistet eine Maschinenpferdekraft durchschnittlich so viel wie 3½ lebende Pferde. Bei Dampfmaschinen ermittelt man die Leistungsfähigkeit mit dem Indikator am Dampfkolben. Die Anzahl der so erhaltenen Indikatorpferdekräfte (indizierte Pferdekräfte) ist größer als die Zahl der mit einem Dynamometer an der Schwungradwelle ermittelten effektiven Pferdekräfte (Bremspferdekräfte). Vgl. Dampfmaschine, S. 470.

Pferdekümmel, s. Anthriscus.

Pferdemauke, s. Mauke.

Pferdenüsse, s. Walnußbaum.

Pferderechen, s. v. w. Pferdeharke.

Pferderennen, s. Wettrennen.

Pferdeschoner, elastische Einschaltung in der Zugvorrichtung bei Fuhrwerken und landwirtschaftlichen Maschinen zum Zweck der Verminderung von Stößen und Erschütternden. Die P. bestehen gewöhnlich aus einer eisernen Hülse mit Gummischeiben, welche durch starken Zug zusammengepreßt werden und beim Nachlassen desselben die aufgenommene Arbeit wieder abgeben.

Pferdeschwamm, s. Badeschwamm.

Pferdeseuche, s. v. w. Pferdestaupe.

Pferdestall, s. Stallungen.

Pferdestaupe (epidemisches Katarrhalfieber, typhoides Fieber, Influenza), ansteckende Krankheit der Pferde, welche nur durch Ansteckung entsteht, besonders durch Handel und Verkehr mit Pferden verschleppt wird und sich bisweilen allgemein über die großen Pferdebestände in den Städten verbreitet (1871 von Rußland über Deutschland, Westeuropa, Nordamerika, 1881 von Frankreich durch Deutschland). Die Ansteckung vollzieht sich durch die Atmungsluft und die Exkremente (besonders an Droschkenhalteplätzen, Beschlagschmieden etc.), und nach 5-7 Tagen bricht die Krankheit aus. Die Temperatur steigt bis 41°, der Puls erfolgt 60-80- und 100mal in einer Minute. Die Tiere sind matt, eingenommen und vermeiden jede Bewegung; an den Gliedmaßen tritt diffuse Schwellung der Haut ein, Augen-, Nasen-, Maulschleimhaut sind gerötet, der Appetit ist gestört. Nach 3-5 Tagen gehen die Erscheinungen zurück, und die Tiere erholen sich schnell; sie müssen aber noch 8-14 Tage geschont werden. In schlechten Stallungen und bei Anstrengung der kranken Tiere erfolgt der Tod durch Schwächung der Herzkraft oder Lähmung der cerebralen Funktionen; auch gesellen sich dem Ausgang der Krankheit Darm- und Lungenentzündung hinzu. Die Behandlung ist im wesentlichen prophylaktisch und diätetisch; man bringt die kranken Tiere sofort, von den gesunden getrennt, in einen geeigneten Stallraum, bei heißer Witterung während des Tags an einen schattigen Ort ins Freie und verpflegt sie sorgfältig durch besondere Wärter. Bei stark eingenommenem Bewußtsein wird der Kopf mit kaltem Wasser gewaschen. Vorteilhaft wirkt ein Zusatz von Schwefelätherweingeist zum Trinkwasser. Vgl. Dieckerhoff, Die P. (Berl. 1882).

Pferdetyphus, s. Blutfleckenkrankheit der Pferde.

Pferdezucht, s. Pferde, S. 949.

Pferdezunge, s. Schollen.

Pfersee, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Augsburg, an der Wertach, hat Textilindustrie, Färberei, Bleicherei, Fabrikation chemischer Produkte und landwirtschaftlicher Maschinen und (1885) 4169 meist kath. Einwohner.

Pfette (Fette), parallel zum Dachfirst liegender Balken eines Dachstuhls, welcher entweder unter den Sparren angebracht wird, um die Haupt- und Leersparren zu unterstützen, und dann auch Stuhlrahmen heißt, oder auf die Sparren gelegt wird, um die Leersparren zu ersetzen, und dann die Dachdeckung direkt aufnimmt. Vgl. Dachstuhl.

Pfeufer, Karl von, Mediziner, geb. 22. Dez. 1806 zu Bamberg, studierte seit 1824 in Erlangen und Würzburg, ward klinischer Assistent Schönleins, ließ sich 1832 in München als Arzt nieder, folgte 1840 einem Ruf als Professor und Direktor der Klinik nach Zürich und ward hier zum Mitglied des Gesundheitsrats ernannt. In Gemeinschaft mit Henle begründete er 1844 die "Zeitschrift für rationelle Medizin", indem sich beide die Aufgabe stellten, physiologische und pathologische Thatsachen behufs ihrer Erklärung auf physikalische und chemische Prozesse zurückzuführen. 1844 ging P. (mit Henle) als Professor der Arzneimittellehre und Direktor der Klinik nach Heidelberg und 1852 als Leiter der zweiten Klinik nach München. Er erwarb sich einen außerordentlichen Einfluß als Lehrer und trug sehr viel zur damaligen Blüte der medizinischen Fakultät in München bei. Schon in den ersten Jahren seiner