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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pflanzenalbumīn; Pflanzenanatomie; Pflanzenbasen; Pflanzenbewegungen

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Pflanzenalbumin - Pflanzenbewegungen.

gane bei den Kryptogamen) wesentlich gleiche Beschaffenheit zeigen, bilden eine Gattung (genus). Aufgabe der beschreibenden Botanik ist es, die Merkmale zur Unterscheidung der Pflanzengattungen und -Arten zusammenzustellen; der Inbegriff dieser Merkmale heißt der Charakter, der sonach ein Gattungs- und ein Artcharakter ist. Ersterer enthält nach obigem vorzugsweise Merkmale der Blüte und Frucht, letzterer solche, welche sich auf die vegetativen Organe und auf morphologisch untergeordnete Abweichungen in den Blüten- und Fruchtteilen beziehen. Linné führte in die Botanik die seitdem gültig gebliebene geregelte Kunstsprache ein, nach welcher der Name jeder P. aus zwei Wörtern besteht, deren eins der Name der Gattung ist, und deren andres die Spezies bezeichnet. Man bedient sich hierzu der lateinischen Sprache, um für alle Völker verständliche, gleiche Ausdrücke zu gewinnen. Der Gattungsname wird stets aus einem Hauptwort gebildet und steht voran; der Speziesname ist gewöhnlich ein Beiwort, welches dem erstern nachfolgt. So ist z. B. der Gattungsname des Klees Trifolium; den Wiesen- oder roten Klee bezeichnet man mit Trifolium pratense; eine andre Art, der kriechende oder weiße Klee, heißt Trifolium repens etc. Bildet eine P. Varietäten, so werden diese ähnlich wie die Spezies bezeichnet, und das betreffende Wort kommt hinter den Speziesnamen zu stehen. Sind die Varietäten nur Abweichungen von einer Stammform, welche an und für sich nur den Speziesnamen ohne weitern Zusatz trägt, so erhalten erstere fortlaufende (gewöhnlich griechische) Buchstabenzeichen, welche mit dem zweiten Buchstaben β beginnen. Wenn aber eine Spezies in zwei oder mehreren gleichwertigen Formen auftritt, die zwar auch den Charakter von Varietäten haben, aber zusammen den Inbegriff der Art ausmachen, so beginnt man die Reihe solcher Varietäten mit α. Zur Vollständigkeit eines botanischen Pflanzennamens gehört aber die Beifügung der Autorität desselben, d. h. desjenigen Schriftstellers, welcher den Namen zuerst in diesem Sinn gebraucht hat. Das geschieht durch konventionelle Abkürzung des Namens der Schriftsteller. So bedeutet z. B. Rosa canina L., Lathyrus Ochrus Dec., Medicago marginata Willd., Barbaraea arcuata Rchb., daß Linné, De Candolle, Willdenow, Reichenbach diese Namen gegeben haben. Es kommt vor, daß eine und dieselbe P. von verschiedenen Botanikern mehrere Namen erhält, wenn z. B. über die Gattung, in welche sie gehört, oder darüber, ob sie eine selbständige Art oder mit einer andern Art zu vereinigen sei, geteilte Meinungen bestehen. Die verschiedenen Namen, die einer und derselben P. beigelegt worden sind, nennt man deren Synonyme, und die Aufzählung derselben ist die Aufgabe der botanischen Synonymik. - Um eine geordnete Übersicht über das Pflanzenreich zu gewinnen, ist es nötig, die Gattungen zu Familien, diese zu Ordnungen, diese zu Klassen zu vereinigen; man erhält auf diese Weise ein Pflanzensystem (s. d.). Mit Hilfe eines solchen und mittels der Diagnose geschieht das Bestimmen einer P., d. h. das Aufsuchen ihres Gattungs- und Artnamens. Für diesen Zweck findet man in vielen beschreibenden, besonders floristischen, botanischen Werken einen analytischen Schlüssel zur Aufsuchung der Gattungen. Litteratur s. im Art. Botanik und den betreffenden Spezialartikeln.

Pflanzenalbumīn, s. v. w. Pflanzeneiweiß.

Pflanzenanatomie, s. Botanik.

Pflanzenbasen, s. v. w. Alkaloide.

Pflanzenbewegungen. Unter den Bewegungsformen der Pflanzen lassen sich zwei große Gruppen unterscheiden, die als Wachstums- und als Reizbewegungen bezeichnet werden; erstere entstehen ausschließlich durch das Wachsen und hören auf, sobald letzteres sistiert wird (s. Pflanzenwachstum). Als Reizbewegungen dagegen erscheinen alle diejenigen Vorgänge, bei welchen durch eine spezifische Ursache, wie Wärme, Licht, Berührung, Erschütterung, chemische oder elektrische Einwirkung, eine Lagenveränderung des gereizten Pflanzenteils herbeigeführt wird. Rein mechanisch-physikalische Bewegungen, wie das Ein- und Aufrollen der Zweige an der Rose von Jericho (Anastatica hierochontica), das Aufspringen von Fruchtklappen, die Schraubenbewegungen an der Fruchtgranne von Erodium gruinum u. a., gehören nicht hierher.

Charakteristisch für die Reizbewegung der Pflanzen ist es zunächst, daß ein minimaler Reiz eine sehr bedeutende Wirkung hervorzubringen vermag. Wenn man wachsende Pflanzensprosse einseitig beleuchtet, so krümmen sich ihre Gipfel gewöhnlich einseitig nach der Lichtquelle hin (heliotropische Krümmung), obgleich die mechanische Kraft der Lichtstrahlen diese Krümmung durchaus nicht zu bewirken vermag; es sind vielmehr in dem Stengel Einrichtungen vorauszusetzen, welche, durch den Lichtreiz angeregt, die Bewegung auslösen. Bringt man ferner einen gewöhnlich aufwärts wachsenden Stengel in horizontale Lage, so krümmt er sich mit Gewalt aufwärts; die Hauptwurzel einer Keimpflanze biegt sich in gleichem Fall mit der Spitze nach abwärts, obgleich die gegen die Richtung der Schwerkraft geänderte Lage des Organs (geotropische Krümmung) in keiner begreifbaren Beziehung zu der sonstigen Wirkung der Schwerkraft steht. Überschreitet ferner der auf ein Organ gerichtete Reiz eine gewisse Grenze, so tritt schließlich ein Zustand völliger Reizlosigkeit (Starrezustand) ein, während dessen die Beweglichkeit aufhört; so werden die beweglichen Blättchen der Sinnpflanze (Mimosa pudica) unbeweglich, wenn die Pflanze mehrere Stunden einer Temperatur unter 15° (Kältestarre) oder einer solchen über 40-50° (Wärmestarre) oder mehrtägiger Finsternis (Dunkelstarre) ausgesetzt wird; dasselbe geschieht bei ungenügender Wasserzufuhr (Trockenstarre) oder bei Entziehung des atmosphärischen Sauerstoffs durch die Luftpumpe. Der an einer einzelnen Stelle des reizbaren Organs, z. B. einem Teilblättchen der Mimosa, ausgeübte Reiz pflanzt sich von diesem auch auf die andern Teilblättchen desselben Blattes, nach längerer Zeit schließlich auch auf benachbarte Blätter fort: es findet in der Pflanze somit sowohl eine Nachwirkung als auch eine Fortleitung des Reizes statt.

In hervorragender Weise zeigt sich das Protoplasma der Pflanzenzelle (s. Zelle) mit Reizbarkeit ausgestattet. Nackte Plasmakörper, wie die Schwärmsporen vieler Algen, besitzen häufig die Fähigkeit selbständiger Ortsveränderung (lokomotorischer Reizbewegungen), welche durch zarte, hin- und herschwingende Wimpern vermittelt wird. Die Richtung ihrer Bewegung hängt teils von Temperatureinwirkungen, teils von der Richtung des anfallenden Lichts ab. Auch die Kriechbewegungen (amöboide Bewegungen) der Plasmodien von Schleimpilzen, wie der Lohblüte (Aethalium septicum), sind vom Licht abhängig, und zwar sind diese zähen, auf ihrem Substrat sich langsam fortschiebenden Schleimkörper negativ heliotropisch, indem sie von beleuchteten Stellen in den Schatten kriechen. Außerdem besitzen