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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Phaenna - Phalaris.

öffentlichte er die weitern drei erst nach dem Sturz desselben (31 v. Chr.), zum Teil unter Claudius. Wir besitzen diese 5 Bücher ("Phaedri, Augusti liberti, fabulae Aesopicae") nicht mehr ganz vollständig; ob die 32 Fabeln, die der Erzbischof Nik. Perotti im 15. Jahrh. aus einer Handschrift abschrieb, die sogen. "Fabulae Perottianae", wirklich von P. herrühren, wird bezweifelt. P. ist weniger Übersetzer als Nachahmer des Äsop; denn von seinen etwa 90 Fabeln finden sich nur 30 unter den Äsopischen der gewöhnlichen Sammlung wieder. Diese Überarbeitungen stehen im allgemeinen den griechischen Originalen nach. Sonst ist die Darstellung fließend, öfters redselig, die Sprache meist korrekt und das Metrum, der iambische Senar, mit Strenge behandelt. Die prosaische Bearbeitung seiner Fabeln von dem sogen. Romulus aus dem 10. Jahrh. ist das Vorbild für die Fabelsammlungen des Mittelalters. Neueste Hauptausgabe von L. Müller (Leipz. 1877); sonstige Ausgaben von Siebelis-Eckstein (5. Aufl., das. 1874), Raschig-Richter (3. Aufl., Berl. 1871). Übersetzungen von Kerler (Stuttg. 1838), Siebelis (das. 1857), Rückert (Leipz. 1879). Vgl. L. Müller, De Phaedri et Aviani fabulis (Leipz. 1875).

Phaënna ("Schimmer"), eine der beiden in Sparta verehrten Grazien (s. Chariten).

Phaëthon ("der Leuchtende"), 1) bei Homer und Hesiod Epitheton, bei Spätern Name des Helios. - 2) Sohn des Helios und der Klymene, der Gattin des Merops, bat, um seine Abstammung von dem Gott Helios darzuthun, den Sonnengott, ihm auf einen Tag den Sonnenwagen zu überlassen. Aber P. vermochte die Rosse bald nicht mehr zu regieren, sie brachen aus dem Geleise, und der feurige Wagen steckte Himmel und Erde in Brand. Da tötete Zeus den P. mit einem Blitzstrahl und stürzte ihn in den Eridanos, wo ihn seine Schwestern, die Heliaden (s. d.), beweinten. Der verbrannte Weg am Himmel ist als Milchstraße noch sichtbar. Etwas anders erzählt Hygin den Mythus, der auch von den Dichtern vielseitig benutzt worden ist, z. B. von Äschylos in seinen "Heliaden", von Euripides in seinem teilweise erhaltenen "P." Vgl. Bangert, De fabula Phaethontea (Halle 1885). Die bildende Kunst hat Phaethons Sturz besonders gern für Sarkophagreliefs, deren eine große Zahl erhalten ist, verwendet, weil der Mythus die Vergänglichkeit des Lebens im poetischen Bild vorführte. Aach Gemmenbilder dieses Gegenstandes kommen vereinzelt vor. Die Denkmäler sind zusammengestellt von Wieseler, P. (Gött. 1856). - In Anspielung auf den Mythus führt auch ein zweiräderiger, sehr leichter und meist offener, eleganter Wagen den Namen P.

Phaëton, Tropikvogel.

Phagedäna (griech.), ein um sich fressendes Geschwür (s. d.); phagedänisch, ätzend, fressend, brandig.

Phagedänisches Wasser, s. Altschadenwasser.

Phakitis (griech.), Linsenentzündung.

Phakolith, Mineral, s. Chabasit.

Phalacrocorax, Kormoran; Phalacrocoracidae (Scharben), Familie aus der Ordnung der Schwimmvögel (s. d.).

Phaläkische Verse, nach dem griech. Dichter Phaläkos genannt, s. v. w. Hendekasyllaben.

Phalakrosis (griech.), Kahlheit, Haarlosigkeit.

Phalangen (lat.), die Knochen der Finger und Zehen (s. Hand, S. 65, und Fuß, S. 800).

Phalangista, Beuteltiergattung, s. Kusu; Phalangistidae (Kletterbeuteltiere, Phalanger), Familie der Beuteltiere (s. d.).

Phalaenidae (Spanner), Familie aus der Ordnung der Schmetterlinge, s. Spanner.

Phalanstère (franz., spr. falangstähr), nach dem System des Sozialisten Fourier (s. d. 2) gemeinschaftlicher Wohnort und Arbeitsanstalt für eine Phalanx, d. h. eine Gesamtheit von etwa 400 Familien. Eine dem P. nachgebildete Anstalt ist das vom Fabrikanten Godin 1859 errichtete Familistère von Guise (vgl. Reybaud, Le fer et la houille, Par. 1874).

Phalanx (griech., "Glied, Reihe"), bei den alten Griechen im weitern Sinn s. v. w. Kriegsheer, im engern taktischen Sinn eine Stellungsform. Die lakedämonische (spartische) P., aus der sich die spätern Formen der P. bei den Griechen entwickelten, ist der Ausdruck des Volkslebens der Sparter. Der Heerbann zerfiel in 6 Morä, jede Mora war in 4 Lochen zu 2 Pentakostien und diese in je 2 Enemotien geteilt. Die erste Mora wurde aus den Adligen, die 5 andern, den 5 Koma (Bezirken) entsprechend, aus der Bürgerschaft gebildet. Der Polemarch war Führer der Mora, während die Lochagen, Pentakosten und Enemotarchen die entsprechenden Unterabteilungen führten. Anfangs 4-6, hatte die P. später eine Tiefe von 8 Mann Schwerbewaffneter (Hopliten), die Heloten standen dahinter. Erstere kämpften mit Speer und Schwert, letztere warfen über jene Spieße und Steine hinweg. Die Anführer standen auf dem rechten Flügel im ersten Gliede. Die makedonische P. stand dagegen 16 Glieder tief. Die Rotte hieß Lochos, 4 Rotten (64 Mann) bildeten eine Tetrarchie, 4 derselben (256 Mann) ein Syntagma (also etwa eine Kompanie), 4 Syntagmen (1024 Mann, also ein Bataillon) eine Chiliarchie u. 4 derselben eine Phalangarchie oder Taxis. Das Syntagma erscheint als taktische und administrative Einheit. Die Taxis wurde von einem Phalangarchen oder Strategen befehligt; aus vier solcher Phalangen bildete Philipp von Makedonien die 16,000 Mann starke große P., zu der dann noch 8000 Peltasten, 4000 Psiliten und 4000 gepanzerte Reiter gehörten. Alexander hatte 18,000 Phalangiten in seinem Heer, welche aber in sechs Phalangen eingeteilt waren, deren jede zu 3000 Mann sich aus einer besondern Provinz Makedoniens rekrutierte und nach ihr benannt ward; ihre Führer hießen Taxiarchen oder Strategen. Die Tiefe der P. setzte der König während der Feldzüge in Asien auf acht, bald auf sechs Glieder herab. Die makedonische P. hatte das Prinzip unwandelbarer Festigkeit; es fehlte ihr aber die Manövrierfähigkeit, infolgedessen sie bald der römischen Kriegskunst erlag. S. Fechtart.

Phalaris L. (Glanzgras), Gattung aus der Familie der Gramineen, einjährige oder perennierende Gewächse besonders in den Mittelmeerländern, mit ährenförmiger oder ausgebreiteter Rispe, einblütigen Ährchen mit vier Hüllspelzen und wie diese grannenlosen Deckspelzen. P. canariensis L. (Kanariengras, s. Figur), einjährig, mit 1-1,25 m langem, aufrechtem, schilfartigem Halm und 2,5 cm langen,

^[Abb.: Phalaris canariensis (Kanariensame).]