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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Phalăris; Phalēron; Phallos; Phallus; Phanagorīa; Phänakistoskōp

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Phalaris - Phänakistoskop.

eiförmigen Rispenähren, in Südeuropa und auf den Kanarischen Inseln heimisch, kommt aber, wahrscheinlich verwildert, auch in England, Österreich, Deutschland auf Getreidefeldern vor und wird vielfach, bei uns namentlich bei Erfurt, kultiviert. Der Kanariensame ist ein Lieblingsfutter vieler Stubenvögel. Die Italiener verbacken das daraus gewonnene Mehl mit Weizenmehl, auch benutzt man es zu Schlichte. P. arundinacea L. ist ein ausdauerndes Gras in Deutschland, an feuchten Orten, an Ufern der Seen und Flüsse, mit 60-150 cm hohem Halm und zusammengezogener, ährenförmiger, bis 15 cm langer, rötlicher Blütenrispe. Es bildet auf feuchten Wiesen bisweilen den Hauptbestand, gibt im Schnitt viel Gras, welches zwar grob ist, aber immer besser nährt als Stroh und dem Vieh angenehmer ist. In Gärten kultiviert man eine Varietät mit schönen, bandähnlichen, grün, weiß, gelb und rötlich gestreiften Blättern als Bandgras.

Phalăris, Tyrann von Akragas (Agrigent), 565-549 v. Chr., aus Astypaläa gebürtig, wanderte nach Akragas aus, bemächtigte sich, da er als Bauherr eines Zeustempels daselbst viele Werkleute und Arbeiter in seinem Sold hatte, mit ihrer Hilfe der Burg und der Herrschaft, vergrößerte und verschönerte die Stadt, führte glückliche Kriege gegen die Nachbarn, ward aber nach 16jähriger Herrschaft von dem Eumeniden Telemachos gestürzt. Er galt für einen grausamen, blutgierigen Tyrannen, durch den dieser Titel in der Geschichte zuerst gebrandmarkt wurde. Berüchtigt war besonders der von Perillos verfertigte eherne Stier, in welchem er Menschen verbrennen ließ, eine Erinnerung an den in Akragas herrschenden Molochsdienst. Nach einigen büßte der Tyrann seine Blutschuld später selbst darin. Entschieden unecht und ein Machwerk aus der Zeit der Antonine, wie Bentley bewiesen hat ("Die Briefe des P.", deutsch von N. Ribbeck, Leipz. 1857), sind die sogen. 148 Briefe des P., in welchen P. als ein milder Herrscher sowie als ein Freund der Bildung und Dichtung erscheint. Herausgegeben wurden sie unter andern von Schäfer (Leipz. 1823).

Phalēron, Demos und ältester Hafen Athens, 35 Stadien von der Stadt entfernt, kam zu Themistokles' Zeiten durch den westlich davon neu angelegten, größern und sicherern Piräeus ziemlich außer Gebrauch (s. Athen, S. 999).

Phallos (griech.), das männliche Glied, insbesondere die Nachbildung desselben, als Symbol der Zeugungskraft der Natur und in dieser Beziehung Gegenstand der Verehrung in den Naturreligionen von Indien an bis zu den Ufern des Nils und des Ionischen Meers. Die Entstehung des Phalloskultes führten die Phöniker auf Adonis, die Ägypter auf Osiris, die Phrygier auf Atys, die Griechen auf Dionysos zurück; alle diese Mythen aber stimmen darin überein, daß eine Gottheit ihrer Mannheit beraubt wird, und dies ist das Symbol für die im Winter die zeugende und befruchtende Kraft verlierende Sonne. Der Phalloskult erhielt sich in Griechenland und in Italien bis zur Vernichtung des Heidentums. Der feierliche Umgang mit dem P. (Phallagogia) geschah unter Anstimmung eines Phallosliedes (Phallikon) und unter allerhand Späßen und Neckereien. Die (auch weiblichen) Träger des P., der gewöhnlich aus rotem Leder roh gemacht und an ein längliches Stück Holz, meist vom Feigenbaum, gehängt war, hießen Phallophoren. Der P. war Attribut des Pan, des Priapos, in manchen Beziehungen auch des Hermes; er wurde auch als Amulett zur Abwehr des Zaubers getragen. Vgl. O. Jahn, Archäologische Beiträge, S. 148 ff. (Berl. 1847).

Phallus L. (Gichtschwamm, Eichelschwamm), Pilzgattung aus der Unterordnung der Gastromyceten, mit einem anfangs eiförmigen Fruchtkörper, dessen äußere Peridie unregelmäßig napfförmig sich öffnet, während die innere zuerst als zusammenhängende Haut die Gleba und deren Stiel umschließt, bald aber zerreißt, indem der inwendig hohle, in seiner Masse gekammerte Stiel sich streckt und die glocken- oder kopfförmig um das Stielende sitzende, inwendig gekammerte Gleba emporhebt, welche darauf bald reif wird und schleimig zerfließt, wobei der Schleim mit den Sporen abtropft. P. impudicus L. (schamloser Gichtschwamm, s. Tafel "Pilze I"), anfangs eiförmig, weiß (Hexenei, Teufelsei), später mit 10-16 cm hohem, weißem, zellig grubigem Stiel und glockenförmiger, runzelig aderiger, reif braungrüner Gleba, wächst im Sommer und Herbst auf sandigem und lehmigem Boden in Wäldern, Weinbergen etc., streckt sich in wenigen Stunden bis zur vollen Höhe, heißt dann wegen der Ähnlichkeit mit einem männlichen Glied auch Ruten- oder Stertmorchel, ist von ungemein widrigem, leichenartigem und weit sich verbreitendem Geruch, aber nicht eigentlich giftig, war früher gegen Gicht im Gebrauch und wird von den Hirten dem Weidevieh gegeben, um dessen Brunst zu verstärken.

Phanagorīa, im Altertum vornehmste Stadt auf der asiatischen Seite des Kimmerischen Bosporus, eine Kolonie der Teier, auf einer Landenge im Mündungsgebiet des Hypanis (Kuban) liegend, wichtiger Handelsplatz und Residenz der bosporanischen Könige, zerstört im 6. Jahrh. n. Chr. von den benachbarten Barbaren; jetzt ein Schutthaufen bei Taman.

Phänakistoskōp (Phantoskop, griech., "Täuschungsschauer", auch stroboskopische Scheibe, Wunderscheibe), optischer Apparat, welcher sich auf die Dauer des Lichteindruckes im Auge (ungefähr 1/7 Sekunde) gründet. Das P. besteht aus einer undurchsichtigen Scheibe (Fig. 1), an deren Umfang eine Anzahl Löcher, z. B. zwölf, angebracht sind. Auf dieser Scheibe ist eine zweite, kleinere befestigt, auf welcher irgend ein Körper, z. B. ein Pendel, in so viel aufeinander folgenden Stellungen, wie Löcher vorhanden sind, dargestellt ist. Kehrt man nun den Apparat mit der bemalten Seite einem Spiegel zu und blickt durch eine der Öffnungen, z. B. die oberste, während die Scheibe in rasche Rotation versetzt wird, so gewahrt man, indem eine Öffnung nach der andern am Auge vorübergeht, unter der obersten Öffnung ein Bild nach dem andern, aber jedes folgende

^[Abb.: Fig. 1. Stroboskopische Scheibe.]