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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Philippoteaux; Philippóvich; Philippsburg; Philippson

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Philippoteaux - Philippson.

fruchtbarer Gegend auf und an mehreren Syenithügeln, ist neuerdings durch die Anlage neuer Straßen erweitert und durch Neubauten verschönert, hat 26 Moscheen, 13 griech. Kirchen, ein Museum, ein griech. Lehrerseminar, Lehrerinnenseminar und ein Lyceum der Griechischen Gesellschaft, Karawanseraien, Bäder, interessante Überreste aus dem Altertum, Fabriken für Seidenzeuge, Tuch, Baumwolle, Leder und Tabak, lebhaften Handel und (1885) 32,835 Einw. (davon etwa die Hälfte Bulgaren, ¼ Türken, ⅙ Griechen, im übrigen spanische Juden und Armenier). P. ist Sitz eines griech. Erzbischofs. Die Umgegend (mit dem Hügel Bunardschik, der eine reizende Aussicht gewährt) liefert eine große Menge Reis, Wein, Maulbeeren und Obst. - P. ist das alte Philippopolis, eine ansehnliche Stadt in Thrakien, die anfänglich Eumolpias, dann nach Philipp H. von Makedonien, der sie erweiterte und verschönerte P. genannt wurde. In die Hände der Türken kam die Stadt 1363. Im J. 1818 wurde sie fast gänzlich durch ein Erdbeben zerstört, blühte aber seitdem durch ihren Handel wieder auf, litt indes 1846 abermals durch einen großen Brand. Am 16. Jan. 1878 wurde P. von den Russen unter Gurko besetzt und 17. Jan. in der Nähe bei Bellastitza ein türkisches Heer unter Suleiman Pascha geschlagen. Nach dem Frieden ward P. die Hauptstadt der neugeschaffenen autonomen Provinz Ostrumelien, bis durch die in P. ausbrechende Revolution vom 17. Sept. 1885 Ostrumelien mit Bulgarien vereinigt wurde.

Philippoteaux (spr. -to), Félix, franz. Maler, geb. 3. April 1815 zu Paris, war Schüler von Léon Cogniet und widmete sich der Schlachtenmalerei, wobei er sehr geschickt das Getümmel der meistens den Kriegen unsers Jahrhunderts entlehnten Schlachten zu schildern und ihnen vermöge seiner gründlichen Sachkenntnis das Gepräge historischer Wahrheit zu verleihen wußte. Seine Hauptwerke sind: der Rückzug aus Moskau (1835), die Einnahme von Ypern, die Belagerung von Antwerpen im Jahr 1792 (1838), Ludwig XV. besichtigt das Schlachtfeld von Fontenoy (1840, im Luxembourg), die Schlacht bei Rivoli (1845), die Niederlage der Cimbern (1855), Angriff der Chasseurs d'Afrique bei Balaklawa (1859), die Belagerung von Puebla (1865), das Zusammentreffen Heinrichs IV. und Sullys nach der Schlacht bei Ivry im März 1590 (1875), die im Museum zu Versailles befindlichen: Bayard auf der Brücke des Garigliano 1503 und die Schlacht bei Montebello, die Schlacht an der Alma (1875), das Panorama der Belagerung von Paris (1870-71) in den Champs Elysées daselbst und mehrere andre Panoramen. Er starb 9. Nov. 1884 in Paris.

Philippóvich (spr. -witsch), Joseph, Freiherr von Philippsberg, österreich. Feldzeugmeister, geb. 28. April 1819 zu Gospics an der Militärgrenze als Sohn eines Grenzstabsoffiziers von bosnischer Abstammung, ward 1836 Kadett im Pionierkorps, 1839 Unterleutnant, dann in den Generalquartiermeisterstab versetzt und in demselben zum Hauptmann befördert. Seit 1848 Major im Warasdin-Kreuzer Grenzregiment, focht er 1848-49 unter Jellachich mit Auszeichnung, ward 1850 Oberstleutnant und Generaladjutant des Banus, 1857 Oberst und Kommandeur des 5. Grenzregiments, 1859 Generalmajor und Brigadekommandeur im 6. Armeekorps, mit dem er in Italien kämpfte, 1860 in den erblichen Freiherrenstand erhoben, war 1866 Adlatus des Kommandierenden des 2. Armeekorps, Grafen Thun, in der Nordarmee, ward dann zum Feldmarschallleutnant und Divisionsgeneral in Wien, hierauf zum Landeskommandierenden in Innsbruck, 1872 in Brünn und im Juni 1874, nachdem er im Januar zum Feldzeugmeister befördert worden, in Prag ernannt. Im Juli 1878 ward er mit dem Oberbefehl über die zur Besetzung Bosniens bestimmten Truppen (13. Armeekorps) betraut. Er überschritt Ende Juli bei Brod die Save, befehligte persönlich die Mittelkolonne, welche Sarajewo nach heftigem Kampf 19. Aug. besetzte, und vollendete im September die Okkupation. Schon im November nach Prag zurückversetzt, ward er 1880 nach Wien kommandiert und erhielt 1882 den Oberbefehl über das 8. Armeekorps in Prag.

Philippsburg, Stadt im bad. Kreis Karlsruhe, an einem faulen Rheinarm und der Linie Bruchsal-Germersheim der Badischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Lateinschule, ein Amtsgericht, eine Bezirksforstei, Dampfmühlen, Tabaks- und Hanfbau, Viehhandel und (1885) 4922 Einw. - P. war früher nur ein Flecken, Udenheim, welchen Bischof Gerhard 1338 mit Mauer und Graben befestigte. Der Bischof von Speier, Philipp Christoph von Sötern, erwählte den Ort zu seiner Residenz, ließ ihn seit 1618 neu befestigen und nannte ihn dem Apostel Philippus zu Ehren P. Er spielte als Brückenkopf in den Kriegen des 17. Jahrh. eine große Rolle. Im Dreißigjährigen Krieg fiel P. der Reihe nach den Schweden, Franzosen, Kaiserlichen und zuletzt wieder den Franzosen in die Hände, welch letztern im Westfälischen Frieden das Besatzungsrecht bestätigt ward. Die Gefälle und Hoheitsrechte blieben dem Hochstift Speier. 1679 kam P. wieder an Deutschland, 1688 aber durch Eroberung wieder an Frankreich, 1697 im Ryswyker Frieden und, 1734 von den Franzosen von neuem erobert, 1735 an Deutschland zurück. Die Feste verfiel seitdem immer mehr. 1799 ward sie von den Franzosen belagert, 20. Sept. 1800 durch Kapitulation übergeben und im Winter 1800/1801 geschleift. Vgl. Nopp, Geschichte der Stadt P. (Philippsb. 1881).

Philippson, 1) Ludwig, jüd. Gelehrter und Schriftsteller, geb. 27. Dez. 1811 zu Dessau, studierte in Halle und Berlin klassische Wissenschaften und jüdische Theologie und folgte 1833 einem Ruf als Lehrer und Prediger an der Synagogengemeinde zu Magdeburg, der er später als Rabbiner vorstand, bis er 1861 krankheitshalber seine Thätigkeit aufgab. Seitdem lebt er in Bonn. An beiden Orten hat P. unermüdlich an einer Hebung und Reform des Judentums gearbeitet, unter anderm durch das von ihm 1834 begründete "Israelitische Predigt- und Schulmagazin", die 1837 an dessen Stelle gesetzte "Allgemeine Zeitung des Judentums", mehrere Predigtsammlungen, das "Jüdische Volksblatt" und "Die israelitische Religionslehre" (Leipz. 1861-65, 3 Bde.). 1855 begründete er den Jüdischen Litteraturverein. Als Früchte von öffentlichen Vorlesungen erschienen: "Die Entwickelung der religiösen Idee im Judentum, Christentum und Islam" (Leipz. 1847-48, 2. Aufl. 1874; ins Englische und ins Französische übersetzt); "Über die Resultate in der Weltgeschichte" (das. 1860); "Die Religion der Gesellschaft" (das. 1848). Von seinen übrigen Schriften sind noch hervorzuheben die kritische Ausgabe der "Israelitischen Bibel" (2. Aufl., Leipz. 1859-62) und "Weltbewegende Fragen in Politik und Religion aus den letzten 30 Jahren" (das. 1868-69, 2 Tle.).

2) Martin, Geschichtschreiber, Sohn des vorigen, geb. 27. Juni 1846 zu Magdeburg, studierte Geschichte, habilitierte sich 1871 als Privatdozent in Bonn, ward 1875 außerordentlicher Professor der Geschichte da-^[folgende Seite]