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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Philippsthal; Philippus; Philister; Philistos; Phill.; Phillimore; Phillips

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Philippsthal - Phillips.

selbst und 1878 ordentlicher Professor an der Universität zu Brüssel. Er schrieb: "Geschichte Heinrichs des Löwen" (Leipz. 1868, 2 Bde.); "Heinrich IV. und Philipp III., die Begründung des französischen Übergewichts in Europa" (Berl. 1871-76, 3 Bde.); "Das Zeitalter Ludwigs XIV." (in Onckens "Allgem. Geschichte", das. 1879) und "Westeuropa im Zeitalter von Philipp II., Elisabeth und Heinrich IV." (ebendas. 1883; auch franz., Brüssel 1884); "Geschichte des preußischen Staatswesens vom Tod Friedrichs d. Gr. bis zu den Freiheitskriegen" (Leipz. 1880-82, Bd. 1 u. 2); die Biographien Philipps II. von Spanien und Heinrichs IV. von Frankreich in Gottschalls "Neuem Plutarch" u. a. In Grotes "Allgemeiner Weltgeschichte" bearbeitete er die neuere Zeit (Berl. 1887 ff:).

Philippsthal (Kreuzberg), Flecken im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld, an der Werra, hat ein Schloß, (1885) 639 Einw. und früher ein Benediktiner-Nonnenkloster. Von P. hat eine noch bestehende mediatisierte Seitenlinie des ehemaligen kurhessischen Hauses den Namen Hessen-P. (s. d.).

Philippus, einer der Jünger Jesu, aus Bethsaida gebürtig. Die Tradition läßt ihn das Evangelium in Phrygien und Skythien, vorzüglich aber in Kleinasien verkündigen und in Hierapolis seinen Tod finden. Er wird in der katholischen Kirche 1. Mai (gemeinschaftlich mit Jacobus dem jüngern), in der griechischen Kirche 14. Nov. verehrt. Unter den Neutestamentlichen Apokryphen führen seinen Namen die Acta Philippi und Acta Philippi in Hellade.

Philister (Philistäer), semit. Volk an der Ostküste des Mittelmeers, bewohnte den schmalen Küstenstrich Syriens (Philistäa) von Gaza im S. bis zum Karmel im N. und grenzte an die israelitischen Stämme Dan, Simeon und Juda. Sie waren in einem Staatenbund von fünf durch Fürsten (Seranim) regierten Gemeinwesen vereinigt, deren Hauptstädte Gaza, Asdod, Askalon, Gath und Ekron waren. Ihre Städte waren volkreich, mit großen Tempeln geschmückt und von Mauern umgeben. Im 11. Jahrh., als die Israeliten durch innere Spaltungen geschwächt waren, begannen die P. ihre Herrschaft nach dem Binnenland zu auszudehnen. Die Stämme Juda und Dan wurden von ihnen unterworfen. Unter Elis Oberpriestertum erbeuteten dieselben um 1070 die Bundeslade. Saul brach zwar ihre Macht und befreite Israel von ihrer Herrschaft, hatte aber noch feine ganze Regierungszeit hindurch ihre Einfälle abzuwehren und fiel auch im Kampf gegen sie bei Gilboa 1033. David, der erst bei ihnen Zuflucht gefunden und in ihre Dienste getreten war, hatte nach seiner Erhebung zum Alleinherrscher harte Kämpfe mit ihnen zu bestehen, brachte ihnen dann aber solche Verluste bei, daß sie nach 70jährigem Kampfe von der Eroberung Israels abstanden. Unter Joram zogen sie, mit den Arabern vereint, gegen Jerusalem. Später wurden sie vom syrischen Reich verschlungen, doch hat sich der alte Name des Landes in dem Namen Palästina bis jetzt erhalten. - Auf den deutschen Universitäten werden als P. alle außerhalb des akademischen Körpers Stehenden, die Nichtstudenten, bezeichnet. Der Ausdruck in dieser Bedeutung ging von Jena aus und wird von Wiedeburg ("Beschreibung der Stadt Jena", Jena 1785) auf blutige Händel zwischen Studenten und den Bewohnern der Johannisvorstadt (um 1690) zurückgeführt, wobei ein unschuldiger Student erschlagen ward, dem dann der Oberpfarrer Götze die Leichenpredigt hielt über den Text: "Philister über dir, Simson!" (Richter 16,9. 12. 14. 20). In den deutschen Wörterbüchern findet sich P. als Studentenausdruck zuerst 1777 bei Adelung, welcher ihn von Balistarii (Armbrustschützen) als dem Namen der Stadtmiliz ableitet, wie denn wirklich die als Armbrustschützen bekannten Jazygen in Ungarn Philistaei genannt wurden. Später bekam der Ausdruck P., zu dessen Erklärung schon der alttestamentliche Gegensatz des auserwählten Volkes gegen die heidnischen Philister der Seeküste genügen dürfte, die spöttische Nebenbedeutung eines engherzigen Spieß- oder Pfahlbürgers. Daher philiströs, beschränkt in Ansichten, Thun und Treiben, im Gegensatz zu burschikos.

Philistos, griech. Geschichtschreiber, geboren um 433 v. Chr. zu Syrakus, unterstützte 406 den ältern Dionysios bei Erlangung und Behauptung der Herrschaft über seine Vaterstadt, wurde 386 von demselben verbannt und erst 367 von dem jüngern Dionysios zurückgerufen, bei dem er großen Einfluß erlangte und 361 die Verbannung des Dion und Platon durchsetzte. Im Kampf gegen Dion, gegen den er als Befehlshaber der Flotte eine Seeschlacht verlor, gefangen, ward er vom Volk umgebracht (356). Er schrieb in der Verbannung ein Geschichtswerk ("Sikelika") über sizilische Geschichte, von dessen 13 Büchern die ersten sieben die Geschichte der Insel bis zur Einnahme von Agrigent (406), vier Bücher die des ältern, zwei die des jüngern Dionysios behandelten. Er ahmte Thukydides (daher pusillus Thucydides genannt) nach, erreichte ihn aber weder in der Kunst der Darstellung noch in Gewissenhaftigkeit. Bruchstücke in Müllers "Historicorum graecorum fragmenta", Bd. 1.

Phill., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für John Phillips (s. d.).

Phillimore, Sir Robert Joseph, engl. Jurist, geb. 5. Nov. 1810 als Sohn des Kirchenrechtslehrers Joseph P., studierte in Oxford, begann seine Laufbahn als Beamter des Board of Control und wurde dann Advokat, als welcher er schnell eine glänzende Praxis gewann. 1853-57 war er Mitglied des Parlaments, worin er eine gemäßigt liberale Richtung vertrat und verschiedene kirchenrechtliche Reformen durchsetzte. Vielerlei hohe Ämter wurden ihm anvertraut, so wurde er 1862 zum Her Majesty's Advocate general ernannt und zum Ritter geschlagen, dann Judge of the High Court of Admiralty und Judge of the Arches Court (im höchsten kirchlichen Gerichtshof), 1871 Judge Advocate general, 1873 Master of the faculties und 1875 Judge of the Admiralty. Von seinen juristischen Werken sind besonders hervorzuheben die "Commentaries upon international law" (Lond. 1854-61, 4 Bde.; 3. Aufl. 1879 ff.) und "The ecclesiastical law of the church of England" (1873, 2 Bde.; Supplement 1876).

Phillips, 1) John, Geolog, geb. 25. Dez. 1800, war Professor der Geologie am King's College in London, hierauf am Trinity College in Dublin, zuletzt an der Universität in Oxford und starb 24. April 1874. Er gehörte der von Conybeare, Packinson und Sowerby angebahnten Richtung an und hat seit 1826 durch eine ungemein reiche litterarische Thätigkeit viel zur Verbreitung derselben beigetragen. Er schrieb: "Geology of Yorkshire" (Lond. 1836); "Treatise on geology" (1838, 2 Bde.; 2. Aufl. 1840); "Mineralogy" (1840); "Palaeozoic fossils of Cornwall" (1841); "Rivers, mountains and sea-coasts of Yorkshire" (1845, neue Ausg. 1855); "Mexico illustrated" (1848); "Guide to treatise on geology" (1854, neue Ausg. 1864); "Manual of geology" (1855, neue Ausg. 1884); "Life on the earth" (das. 1860) etc. Er widmete seine Thätigkeit aber auch andern Zweigen der Naturwissenschaft und konstruierte