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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Phokylides - Phönikien.

gebirge im Innern des Landes war der Parnassos, nördliches Grenzgebirge der Kallidromos und Knemis, südöstlichen der Helikon; außerdem ist noch das Gebirge Kirphis zu bemerken. Hauptflüsse sind der genannte Kephisos und im S. der Pleistos. Die ältesten Einwohner waren Leleger; nachdem sich aber der achäische Stamm der Phlegyer von Orchomenos aus in den Besitz des Landes gesetzt hatte, bildeten Äolier den Hauptbestandteil der Bevölkerung. An den großen Kriegen der Hellenen, den Persischen, wo Xerxes auf Anstiften der Thessalier P. verheerte, und dem Peloponnesischen, beteiligten sich auch die Phoker, an dem letztern als Bundesgenossen der Athener. Nach der Schlacht von Leuktra den Thebanern unterthan, fielen sie nach Epameinondas' Tod von ihnen ab. Mittelpunkt heftiger Kämpfe war ihr Land im sogen. Heiligen Krieg (355-346), dessen Endursache das von den Athenern schon zu Perikles' Zeit den Phokern übertragene Aufsichtsrecht über das Heiligtum zu Delphi war. Mit Hilfe Philipps von Makedonien wurden die Phoker besiegt und ihrer Amphiktyonie beraubt, zugleich ihre Städte zerstört. Nach der Schlacht bei Chäroneia teilten sie das Schicksal der Hellenen, fochten im Lamischen Krieg mit den Athenern im Bund gegen Antipatros und zeichneten sich später besonders im Kampf gegen die eindringenden Kelten aus. Die hauptsächlichsten Städte von P. waren: Delphi, Elateia, Abä, Amphissa, Antikirrha, Krissa, Daulis u. a. Unter der Herrschaft der Römer ward P. zur Provinz Achaia gerechnet. Jetzt bildet P. mit Phthiotis (s. d.) einen Nomos des Königreichs Griechenland.

Phokylides, griech. Dichter aus Milet, um 540 v. Chr. Von seinen bündigen Sittensprüchen in Hexametern und elegischem Versmaß besitzen wir nur dürftige Überreste (bei Bergk, "Poetae lyrici graeci", Bd. 2). Ein seinen Namen tragendes Sittengedicht von 230 Hexametern ist seinem zumeist aus dem Alten Testament geschöpften Inhalt nach das späte Machwerk eines alexandrinischen Judenchristen (bei Bergk a. a. O.). Vgl. Bernays, Über das Phokylideische Gedicht (Berl. 1856).

Phol, s. Balder.

Pholas, Bohrmuschel.

Pholegandros (vulg. Polykándro), felsige Insel mit steilen Küsten im Griechischen Archipel, zu den Kykladen gehörig, 32 qkm (0,55 QM.) groß mit (1879) 969 Einw. und dem einzigen Ort Chora, oberhalb dessen noch Reste der antiken Stadt P. sich erhalten haben. Dabei eine schwer zugängliche Tropfsteinhöhle mit alten Inschriften.

Pholoe, ein 600-800 m hohes Gebirge zwischen Arkadien und Elis (Fortsetzung des Erymanthos).

Phólos, im griech. Mythus ein auf dem Gebirge Pholoe (s. d.) hausender Kentaur. Als Herakles einst bei ihm einkehrt, öffnet er diesem zu Ehren ein den Kentauren gemeinsam gehörendes Faß Wein, ein Geschenk des Dionysos, worauf die Kentauren, vom starken Duft des Weins angelockt, mit Bäumen und Felsstücken herbeistürmen und über Herakles herfallen. Dieser treibt sie mit Feuerbränden aus der Höhle und tötet viele mit seinen vergifteten Pfeilen, worauf die andern entfliehen. P. selbst verletzt sich zufällig mit einem der Pfeile und stirbt infolge der Verwundung.

Phonautograph (griech.), s. Schall.

Phonetik (griech., von phone, Stimme), der richtige und wohlgefällige Gebrauch der Stimme beim Sprechen und Singen (auch Phonaskie genannt); dann die Lehre von den beim Sprechen durch die Stimme erzeugten Lauten (Phonologie, s. Lautlehre) und deren Bezeichnung durch Schriftzeichen (s. Phonographie). Daher phonetisch, was den Sprachlauten genau entspricht; z. B. phonetische Orthographie (s. Orthographie).

Phönicinschwefelsäure, s. Indigo.

Phoenicopterus, Flamingo; Phoenicopteridae (Flamingos), Familie aus der Ordnung der Storch- oder Reihervögel (s. d.).

Phönikien (Phoenike, ein Name dunkeln Ursprungs, vielleicht das "rote oder Purpurland"), der schmale Küstenstrich Syriens vom Fuß des Libanon bis zum Mittelländischen Meer, welcher sich von dem Vorgebirge Karmel im S. bis gegenüber der Insel Kypros erstreckte, schön, fruchtbar, reich an Waldungen und erzreichen Bergwerken. Es wurde bewohnt von den semitischen Stämmen der Sidonier, Gibliter, Arkiter und Arvaditer in ihren alten Städten Sidon, Tyros, Byblos (Gebal), Arka, Arvad und Berytos. Diese waren völlig unabhängig voneinander und standen unter der Herrschaft von Königen, deren Gewalt jedoch durch ein mächtiges Priestertum sowie durch einen aus den ältesten Geschlechtern und den reichsten Bürgern gebildeten Rat beschränkt war. Sehr früh wendeten sich die Phöniker dem Meer zu und betrieben neben Ackerbau und Viehzucht lebhaften Fischfang. Die Kriege in Kanaan, die Vertreibung der Chetiter und Cheviter im 13., dann der Amoriter im 12. Jahrh. aus diesem Land hatten die Ansammlung zahlreicher Flüchtlinge in P. zur Folge, welche die Phöniker zu deren Ansiedelung auf der Insel Kypros veranlaßte. Nachdem einmal dieser Anfang gemacht war, erstreckte sich die Kolonisation der Phöniker bald (um 1200) auf das Ägeische Meer, dessen Inseln und Küsten sie mit Handelsfaktoreien, festen Plätzen und Städten besetzten, dessen Handel und Verkehr sie beherrschen, und in dessen Gebiet sie ihren Kultus, die Schrift u. a. verbreiteten; sie tauschten gegen die Erzeugnisse ihrer Industrie und Kunst Sklaven, Felle und Wolle ein, beuteten Bergwerke aus und bereiteten aus den an der Ostküste von Hellas zahlreich vorhandenen Purpurschnecken den für ihre Färbereien notwendigen Farbstoff. Hierauf drangen sie weiter nach W. vor, kolonisierten Malta, Sardinien und die Küsten Siziliens, wo Motye, Soloeis und Machanath (Panormos) ihre bedeutendsten Ansiedelungen waren; auf der Nordküste Afrikas gründeten sie Hippo und Ityke (Utica), und bereits 1100 durchfuhren sie die Säulen des Melkart, wie sie die Straße von Gibraltar nannten, und legten jenseit derselben an der Küste des silberreichen Tarsis Gades (Cadiz) an, welches sofort Mittelpunkt eines ausgedehnten Handels und Verkehrs auf dem Atlantischen Ozean wurde. Die Phöniker haben Madeira und die Kanarischen Inseln besucht und von den britischen Inseln Zinn sowie von der deutschen Nordseeküste Bernstein geholt. Auch im Osten und Süden erstreckte sich ihr Handel in weit entfernte Gegenden. Die Stammverwandtschaft der Völker Syriens, des Euphrat- und Tigrisgebiets sowie Arabiens kam ihnen dabei zu statten sowie die Bedürfnisse dieser Binnenländer nach den Waren und Erzeugnissen Phönikiens. Außerdem aber vermittelten sie den Austausch der Waren Ägyptens gegen die Syriens und Babyloniens und machten ihre Städte zu Stapelplätzen für den gesamten Handel des Ostens. Karawanenstraßen, welche durch Verträge mit den Herrschern gesichert und mit Warenhäusern versehen wurden, führten in das Innere Vorderasiens sowie nach Südarabien, von wo sie die Produkte Indiens (Ophirs) und Ostafrikas holten. So fand ein reger