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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Phosphorbasen; Phosphorbronze; Phosphorchloride; Phosphore; Phosphoreisensinter; Phosphoreszenz

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Phosphorbasen - Phosphoreszenz.

Phosphorbasen, s. Basen.

Phosphorbronze, s. Bronze.

Phosphorchloride (Chlorphosphor), Verbindungen von Phosphor mit Chlor. Bei Einwirkung von trocknem Chlorgas auf erhitzten überschüssigen amorphen Phosphor entsteht Phosphorchlorür, Phosphortrichlorid PCl3^[PCl_{3}] als farblose Flüssigkeit, die durchdringend sauer und scharf riecht, vom spez. Gew. 1,61, bei 76° siedet, stark an der Luft raucht und mit Wasser in phosphorige Säure und Chlorwasserstoff zerfällt. Es löst reichlich Phosphor und ist löslich in Schwefelkohlenstoff und Benzin. Bei anhaltender Behandlung mit Chlor geht es in Phosphorchlorid, Phosphorsuperchlorid, Phosphorpentachlorid PCl5^[PCl_{5}] über. Dies entsteht auch bei Einwirkung von überschüssigem Chlor auf Phosphor (vorteilhaft auf eine Lösung von Phosphor in Schwefelkohlenstoff); es ist farblos, kristallinisch, riecht sehr scharf, unangenehm, greift Augen und Atmungsorgane stark an, sublimiert, ohne zu schmelzen, bei 100°, schmilzt unter erhöhtem Druck bei 148°, raucht an der Luft und gibt mit viel Wasser Phosphorsäure und Chlorwasserstoff, mit wenig Wasser aber Phosphoroxychlorid POCl3^[POCl_{3}]. Letzteres erhält man am besten durch Destillation von Phosphorsuperchlorid mit kristallisierter Borsäure; es bildet eine farblose Flüssigkeit vom spez. Gew. 1,7, erstarrt kristallinisch bei -10°, schmilzt wieder bei -1,5°, siedet bei 107°, raucht an der Luft und gibt mit Wasser Phosphorsäure und Chlorwasserstoff. Diese Verbindungen sind für die Fortschritte der organischen Chemie von großer Bedeutung gewesen, indem man mit Hilfe derselben viele wichtige Verbindungen darstellen lernte.

Phosphore, s. Phosphoreszenz.

Phosphoreisensinter (Diadochit), Mineral aus der Ordnung der Phosphate, findet sich nierenförmig, stalaktitisch, braun, gelb, durchscheinend, glas- oder fettglänzend, Härte 2, 5-3, spez. Gew. 1-2, und besteht aus phosphorsauren Kalk mit schwefelsaurem Eisenoxyd; Fundorte: Arnsbach bei Gräfenthal, Garnsdorf bei Saalfeld. Der ähnliche Delvauxit ist kastanienbraun, undurchsichtig, wenig glänzend bis matt und besteht aus phosphorsaurem Kalk mit phosphorsaurem Eisenoxyd.

Phosphoreszenz, die Eigenschaft vieler Körper, bei mittlerer Temperatur schwaches Licht zu entwickeln, wird durch verschiedene Ursachen hervorgerufen. Die P. kann

1) die Folge chemischer Prozesse sein. Phosphor leuchtet im Dunkeln, wenn er sich in atmosphärischer Luft befindet, indem er langsam zu phosphoriger Säure verbrennt. Deshalb leuchtet er nicht im Vakuum, in sauerstofffreien Gasen und auch nicht in reinem Sauerstoff, weil er sich in letzterm dicht mit einer schützenden Oxydschicht bedeckt. Dämpfe von Äther, Steinöl, Terpentinöl, ölbildendes Gas, Schwefelwasserstoff und schweflige Säure verhindern das Leuchten selbst bei 39° C. Wenn sich Holz, Laub, Schweinefleisch, Fischfleisch in einem gewissen Zustand der Zersetzung befinden, so leuchten sie ziemlich stark. Alkohol, Äther und Kalilösung vernichten die Leuchtkraft sehr schnell. Diese nimmt auch mit fortschreitender Fäulnis ab und ist von der Gegenwart des Sauerstoff abhängig. Auch an lebenden Pflanzen und Tieren hat man P. beobachtet, und das Leuchten von Fleisch und andern organischen Substanzen in gewissen Stadien der Zersetzung ist auf die Gegenwart leuchtender Bakterien zurückzuführen. Bei den höhern Pilzen ist eine Reihe größerer Hymenomyceten als phosphoreszierend bekannt, die zum größten Teil der heißen Zone angehören (Agaricus noctilucens, A. igneus u. a.). In der gemäßigten Zone und besonders im mittlern und nördlichen Europa scheint die P. derselben wenig konstant zu sein. Hier phosphoreszieren besonders diejenigen Pilze, deren Mycelien Rhizomorphen bilden, und zwar während der Rhizomorpha-Bildung und bei der Bildung neuer Mycelien aus der letztern, wie Agaricus melleus, Polyporus igniarius, Trametes pini etc. Das Phosphoreszieren von abgestorbenem Holz ist auf die Gegenwart von solchen Mycelien zurückzuführen. Wärme begünstigt die P.; selbst bei 10° leuchten die Pilze noch schwach, bei 18-20° entwickeln sie helleres Licht, und bei 25-30° erreicht die P. ihr Maximum. Temperaturen von 40-50° vernichten die P. für immer. Die untere Grenze scheint nahezu der Gefrierpunkt zu sein. In lufthaltigem Wasser dauert das Leuchten ungeschwächt fort, in luftfreiem erlischt es sehr bald. Feuchtigkeit und Berührung mit der Luft sind die Hauptbedingungen für die P. der Pilze. Stücke aus dem Innern von mit Pilzen durchzogenem Holz begannen erst zu leuchten, nachdem die Luft längere Zeit darauf eingewirkt hatte. In Kohlensäure, Stickstoff, Wasserstoff sowie in allen Flüssigkeiten, mit Ausnahme des Wassers, erlischt die P. sehr bald; in Sauerstoff dauert sie fort, ohne indes erheblich an Intensität zu gewinnen. Jedenfalls verbrauchen die phosphoreszierenden Pilzfäden während dieses physiologischen Prozesses Sauerstoff und geben Kohlensäure ab. Außer von den erwähnten äußern Verhältnissen, ist die P. noch von Umständen abhängig, die aus den Wachstumsverhältnissen und aus individuellen Verschiedenheiten der Pilze resultieren, deren Natur jedoch noch gänzlich unbekannt ist. Unter den Tieren leuchten besonders viele Bewohner des Meers (s. Meer, S. 417), von Insekten unser Johanniswürmchen, Lampyris noctiluca und splendidula, Tausendfüßer, Poduren, mehrere Spezies von Fulgora, Phalangium, der Cucujo etc. Vgl. Leuchtorgane. Für die Erklärung der Lichtentwickelung ist die Beobachtung von Wert, daß viele organische Substanzen, wie Traubenzucker, ätherische Öle, Fette, fette Säuren und die entsprechenden Alkohole, welche mehr Kohlenstoff enthalten als Butylalkohol, ferner Taurochol-, Glykochol- und Cholsäure phosphoreszieren, sobald sie in alkalischer Lösung der Einwirkung des Sauerstoff ausgesetzt sind. Die Oxydationsprozesse aber, welche in diesen Fällen verlaufen, stimmen darin überein, daß stets die zur Oxydation erforderliche Anzahl von Sauerstoffatomen eine ungerade ist. Das Sauerstoffmolekül, welches aus 2 Atomen besteht, wird also zerrissen, und es bietet sich Gelegenheit zur Bildung des Ozonmoleküls (O3), welches aus 3 Atomen Sauerstoff besteht und sehr energisch oxydierend wirkt. Die P. beruht mithin auf der langsamen Oxydation der organischen Substanzen durch Ozon bei alkalischer Reaktion. Nun ist spektroskopisch nachgewiesen worden, daß das Licht, welches lebende Wesen bei der P. ausstrahlen, identisch ist mit demjenigen, welches man beim Leuchten der oben angegebenen Verbindungen bemerkt; ferner weiß man, daß viele dieser Verbindungen in den tierischen Körpern vorkommen, und es hat sich gezeigt, daß dieselben auch dann phosphoreszieren, wenn die alkalische Reaktion durch organische Basen hervorgebracht wird. Hierdurch wird die P. der lebenden Tiere hinreichend erklärt. Fette, ätherische Öle, Traubenzucker etc. sind sehr allgemein verbreitet, und das Lecithin, welches ebenfalls häufig und in bedeutender Menge vorkommt, zerlegt sich in gewissen Fällen in organische Basen. Wenn die